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DSL-Markt: Flatrates im freien Fall

Billiger geht es kaum: Die Preise für DSL-Flatrates sind nach wie vor im steilen Sinkflug. Doch auch bei Tiefstpreisen lohnt sich ein Vergleich.

09.06.2005, 20:39 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Der DSL-Markt in Deutschland ist hart umkämpft. Die Provider unterbieten sich nahzu täglich mit neuen Angeboten. Auf lange Sicht werden das nicht alle überleben. Die Überlebensstrategie für viele heißt daher: Jetzt so viele Kunden wie möglich an sich zu binden, um später für eventuelle Zusatzdienstleistungen auf eine breite Kundenbasis zurückgreifen zu können.
Kundenbindung
Bei den meisten Flatrate-Angeboten fallen Gemeinsamkeiten auf: da die Provider ihre Kunden möglichst lange an sich binden wollen, sind Flatrates inzwischen nur mit einer 12-monatigen Mindestvertragslaufzeit zu bekommen. Ein schneller Anbieterwechsel zur jeweils günstigsten Flatrate ist dann nicht mehr möglich.
Anschluss zieht mit um
Bestimmte Provider fordern zusätzlich, auch den DSL-Anschluss bei ihnen zu beziehen. Die so genannten Resale-Anschlüsse haben allerdings auch Nachteile. So ist der User enger an seinen Anbieter gebunden.
Mit Blick auf die großen DSL-Anbieter und deren Flatrate-Angebote wollen wir eine Bestandsaufnahme des DSL-Markts im Juni liefern und dem aktuellen Preistrend nachspüren. Der geht klar zur Flatrate: Volumentarife verlieren bei dem jetzigen Preisniveau der Pauschaltarife langsam an Bedeutung, da sie sich von einer Flatrate preislich kaum noch unterscheiden. Das Sparpotenzial ist also eher gering.
Der Marktführer scheint vom Flatrate-Preiskampf bislang wenig beeindruckt. T-Online bietet seine Flatrate für T-DSL 1000 weiterhin für 29,95 Euro im Monat an. Die Pauschaltarife für T-DSL 2000 und 3000 kosten 39,95 bzw. 49,95 Euro pro Monat. Diese Unterscheidung ist ein Nachteil, denn bei vielen anderen Anbietern gilt der Flatrate-Preis für alle Anschluss-Geschwindigkeiten.
Marktführer schickt Congster
Anders sieht es da schon bei T-Onlines Discountmarke Congster aus. Hier ist die "Special Flat", unabhängig von der Geschwindigkeit des Anschlusses, für 9,99 Euro im Monat zu haben. Sowohl bei T-Online als auch bei Congster muss der DSL-Anschluss von T-Com sein. Wie T-Online hat auch AOL die Flatrate-Preise nach der Geschwindigkeit des DSL-Anschlusses gestaffelt. Bei den Hamburgern kostet die "Flat 1Mbit" 19,95 Euro im Monat, die schnelleren "Flat 2Mbit" und "Flat 3Mbite"-Tarife kosten 29,90 bzw. 39,90 Euro im Monat. Voraussetzung bei AOL ist ebenfalls ein T-DSL Anschluss von T-Com.
Stand, Land, Fluss?
1&1 ist gleich zwei Arten von Pauschaltarifen auf dem Markt vertreten: die "City-Flat" ist zwar mit 6,99 Euro pro Monat recht günstig, aber auch nur in einigen Großstädten verfügbar. Wer auf dem Land wohnt, kann mit der "Deutschland-Flat" für 9,99 Euro im Monat surfen.
Nach dem gleichen Modell bietet auch GMX, das wie 1&1 zur United Internet AG gehört, seine Flatrates an: die GMX City-Flat ist auch nur in Großstädten zu bekommen und liegt mit 4,99 Euro pro Monat sogar noch unter dem Angebot von 1&1. Die GMX Deutschland-Flat kostet 9,99 Euro. Will man die Flatrates nutzen, muss man auch seinen DSL-Anschluss bei 1&1 bzw. GMX haben.
Bei Strato sieht es ähnlich aus: die Strato "Flatrate City" gibt es für 4,99 Euro in den Großstäden, für die ländlichen Gegenden gibt es die normale Strato Flatrate für 8,99 Euro. Wer glückt hat, wohnt in einem von mehr als 200 kleineren Orten in denen für 4,99 Euro die "CountryFlatrate" angeboten wird. Auch hier ist ein DSL-Anschluss von Strato Pflicht. Der heißt in Berlin MaxxiDSL und wird nur bis zu einer Geschwindigkeit von 2.048 kbit/s angeboten. Auch Filesharer müssen länger auf ihre Daten warten, denn Strato setzt nach eigenen Angaben ein "intelligentes" Bandbreitenmanagement ein und reguliert somit den Datenverkehr von Peer-to-Peer-Netzwerken.
Grünes Licht für 8,90
Bei Strato-Mutter freenet unterscheidet man unterdessen nicht zwischen Stadt und Land und bietet die "DSLflat" um Einheitspreis von 8,90 Euro im Monat überll dort an, wo DSL verfügbar ist. Besser sieht es bei freenet auch für die Filesharer aus, die nicht mit gedrosselten Ports rechnen müssen. Um in den Genuss der freenet-Flatrate zu kommen, muss auch hier der DSL-Anschluss beim Hamburger Provider beauftragt werden.
Tiscali verlangt 8,90 Euro im Monat für eine DSL-Flatrate. Auch Tiscali will die Kunden ganz. Ein vorhandener T-DSL-Anschluss wird innerhalb von drei Monaten in einen Tiscali DSL-Anschluss umgewandelt. Tiscali behält sich -ähnlich wie Strato- vor, "andere" Dienste, insbesondere Filesharing, in der maximalen Übertragungsgeschwindigkeit einzuschränken.
DSL aus Gütersloh
Lycos bietet nun auch eine richtige DSL-Flatrate für 9,95 Euro im Monat an, die auf einem T-DSL Anschluss der T-Com basiert. Damit ist man nicht verpflichtet, wie etwa bei 1&1 oder Strato, mit seinem DSL-Anschluss zum neuen Anbieter zu wechseln. Zusätzlich hat Lycos noch die Flexiflat im Programm, bei der sich der monatliche Preis nach dem verbrauchten Datenvolumen richtet. Aufgrund der günstigen, unbeschränkten Flatrate ist es allerdings fraglich, ob dieser Tarif noch sinnvoll ist und ob Wenig-Nutzer nicht in einem Volumen-Tarif besser aufgehoben sind.
Arcor hat eine Flatrate für 9,95 Euro im Monat im Angebot, ab dem 15. Juni wird sie für die Arcor DSL-Anschlüsse 2000 und 3000 aber noch einmal günstiger und kostet dann nur noch 4,95 Euro im Monat. Sie ist allerdings nicht überall verfügbar: falls man in einem nicht erschlossenen Gebiet wohnt, erhöht sich der Preis auf 19,95 Euro im Monat. Auch Arcor koppelt die Flatrate an den eigenen DSL-Anschluss.
Ossendorfer Alternative
QSC hat für seine Kunden "nur" eine Flexi-Flatrate zu bieten. Diese gibt es unter dem Namen Q-DSL home in den zwei Varianten 1536 und 2560, deren Namen sich an der Gesamtbandbreite (inklusive Upload) orientieren. Bei der ersten Variante zahlt man bis 20 Gigabyte monatlichem Datenverbrauch monatlich 39 Euro, darüber hinaus 59 Euro. Die 2560-Variante kostet bei gleichen Volumengrenzen 49 bzw. 89 Euro, im Rahmen der Aktion "Q-DSL home tuning", die noch bis zum 26. Juni läuft, sinkt der Preis 39 bzw. 59 Euro im Monat. In diesem Preis ist der DSL-Anschluss schon inbegriffen.
Beim Vergleich fällt zunächst auf, dass die größten Anbieter wie T-Online und AOL bislang noch nicht ihre Tarife im Preis gesenkt haben. Dafür könnte der relative hohe Bekannheitsgrad und die Anzahl der jetzigen Kunden eine Ursache sein. Diese Anbieter sind allein durch ihre Größe besser für die Zukunft gerüstet und müssen somit weniger schnell auf Preissenkungen der Konkurrenz reagieren.
Trotz Preisparadies: Genau vergleichen
Als Kunde profitiert man momentan am stärksten vom andauernden Flatrate-Preiskampf. Bevor man sich allerdings für oder gegen einen Anbieter entschließt, sollte man ihn genau prüfen. Insbesondere auch daraufhin, ob zukünftige Preissenkungen auch an die Bestandskunden weitergegeben werden. Die Provider selbst werden auf kurze Sicht gesehen mit weiteren Sonderaktionen auf ihre Dumping-Flatrates aufmerksam machen und so versuchen neue Kunden zu ködern. Solange die Qualität stimmt kann es den Usern nur Recht sein.

(Christopher Bach)

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