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DSL-Drosselung: Telekom-Chef Obermann greift Kritiker scharf an

Telekom-Chef René Obermann hat die Kritik an der geplanten Einführung von Volumenentarifen laut Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler zurückgewiesen. Für 97 Prozent der Kunden könnten die Preise durch die Drosselung stabil gehalten werden.

27.04.2013, 22:48 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Das Image der Deutschen Telekom hat in dieser Woche arg gelitten. Am Montag hatte die Telekom die Einführung von Bandbreiten-Drosselungen für DSL-Anschlüsse bestätigt. Im Netz trat der ehemalige Monopolist damit eine Lawine los: Auf jede Meldung zu dem Unternehmen, das im Internet nun vielfach als #Drosselkom kritisiert und verspottet wird, folgt eine Vielzahl verärgerter Reaktionen von Kunden. Aber auch die Bundesregierung hat vor Einschränkungen bei Flatrates gewarnt, Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler hatte sich in einem offenen Brief direkt an Telekom-Chef René Obermann gewandt. Doch Obermann, der das Unternehmen in diesem Jahr verlässt und den Chefposten bei dem erheblich kleineren niederländischen Provider Ziggo übernimmt, schießt scharf zurück. Laut Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" wehrt Obermann sich in einem Brief an Rösler (PDF) gegen die erhobene Kritik.

Obermann gegen unbegrenztes Datenvolumen

In der derzeitigen Debatte würden "Begriffe wie Netzneutralität und Sicherstellung von Wettbewerb dahingehend missbraucht, einen Flatrate-Anspruch auf unbegrenztes Datenvolumen im Internet zu zementieren", betont Obermann laut "Spiegel" in dem Schreiben. Die geplanten Tarifänderungen bezeichnet der Telekom-Chef als "fair". "Die Alternative wäre eine Preiserhöhung für alle Kunden, die in unseren Augen weder klug noch gerecht wäre", so Obermann weiter.

Bereits am Freitag hatte die Telekom die DSL-Drosselung verteidigt. Ein Unternehmenssprecher verwies auf den von Power-Usern verursachten hohen Datentraffic: "Fakt bei uns ist: Drei Prozent der Kunden verursachen mehr als 30 Prozent des Datenvolumens. Das bedeutet für die Kunden, Lieschen Müller subventioniert bisher den "Heavy User"."

Obermann: Preise bleiben für 97 Prozent der Kunden stabil

Auch Obermann greift den Faden auf: Die angestrebte Einführung von Volumentarifen ermögliche es für "circa 97 Prozent der Kunden die Preise stabil zu halten". Damit deutet Obermann zugleich an, dass Kunden wohl trotz Einführung von Bandbreiten-Beschränkungen nicht mit günstigeren Tarifen rechnen werden können. Von den Tarifänderungen wären laut Telekom-Chef zudem nur drei Prozent der Kunden betroffen. Während ein Durchschnittskunde zwischen 15 bis 20 Gigabyte monatliches Datenvolumen nutze, kommen die "Heavy User" nach Angaben von Obermann auf "zehn- bis 20-mal größere Datenmengen".

Entschieden verwahrt sich der Spitzenmanager der Telekom auch gegen den Vorwurf, dass die Netzneutralität gefährdet und die Dienste von Wettbewerbern benachteiligt werden. Er verweist darauf, dass auch Telekom-Dienste wie Videoload und die Telekom Cloud von der Änderung der Konditionen betroffen seien. Der IPTV-Dienst Entertain sei laut Obermann jedoch davon ausgenommmen, da er eben kein "typischer Internetdienst, sondern eine von den deutschen Landesmedienanstalten durchregulierte separate Fernseh- und Medienplattform" sei, "für die unsere Kunden ein entsprechendes Zusatzentgelt bezahlen".

Kritik kommt auch von mittelständischen Betrieben

Am Freitag hatte sich auch der Bundesverband IT-Mittelstand e.V. (BITMi) zu Wort gemeldet und vor der Aushebelung der Netzneutralität durch die geplante Drosselung der Telekom-Internetanschlüsse gewarnt. "Die Telekom wagt damit einen Vorstoß zulasten der gesamten deutschen Wirtschaft und gegen Fortschritt und Innovation", erklärte Oliver Grün, BITMi-Präsident und Vorstand der GRÜN Software AG. "Wenn der Carrier den Netzverkehr kontrolliert und entscheiden kann, welche Dienste bevorzugt und welche gedrosselt werden, verletzt das den freien Zugang zum Internet zugunsten eigener, kommerzieller Interessen und die Wahlfreiheit des Konsumenten wird empfindlich gestört", kritisiert Grün.

Die neuen Konditionen der Telekom sehen vor, dass die Internet-Bandbreite nach Verbrauch eines bestimmten Volumens, z.B. ab 75 Gigabyte bei den Call&Surf Doppel-Flatrates, bis zum Ende des jeweiligen Monats auf 384 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s) gedrosselt wird. Ab dem 2. Mai werden die zunächst nur für Neukunden geltenden neuen Volumentarife in den Leistungsbeschreibungen verankert, in die Praxis umgesetzt werden soll die Drosselung voraussichtlich aber erst ab 2016.

(Jörg Schamberg)

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