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Drogen-Webshops geschlossen - Fahnder stellen Server in Hessen sicher

Deutsche Fahnder haben ein Internet-Drogen-Dealernest ausgehoben. Mehrere Online-Shops für Chrystal Meth und Co wurden geschlossen. In Ungarn klickten die Handschellen. Die Aktion war Teil der globalen Aktion gegen die illegale Handelsplattform "Silk Road 2.0".

11.11.2014, 16:24 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Gina Sanders / Fotolia.com

Drogen beim schmuddeligen Dealer um die Ecke kaufen - das war gestern. Designerdrogen von heute werden via Internet bezogen - diskret und illegal. Vier solcher Online-Shops sind bei einem globalen Schlag gegen den Drogenhandel im Internet vom Netz genommen worden.

Mutmaßliche Betreiber in Ungarn aufgespürt

Die fünf zugehörigen Server hätten hessische Rauschgiftfahnder sichergestellt, sagte die Präsidentin des Hessischen Landeskriminalamts (LKA), Sabine Thurau, am Dienstag in Wiesbaden. "Wir haben sozusagen den Fuß in die Tür stemmen können." Der 26-jährige mutmaßliche Betreiber des Internet-Schwarzmarkts Hydra sei von deutschen Ermittlern in Ungarn festgenommen worden.

Die Operationen waren Teil der weltweiten Aktion gegen die illegale Handelsplattform "Silk Road 2.0". Die US-Polizei FBI hatte deren mutmaßlichen Administrator vergangene Woche in San Francisco festgenommen. Die Internet-Dienste, die aufgrund der deutschen Ergebnisse geschlossen wurden, waren nach Angaben eines LKA-Sprechers aber eigenständig. Ihnen gemeinsam ist, dass sie nur über das Tor-Netzwerk zugänglich waren. Tor verschleiert die Identität seiner Nutzer im Netz und gewährt ihnen zugleich Zugang zu sogenannten Hidden Services, versteckten Angeboten.

Gerade das mache es Käufern illegaler Dienste und Waren - etwa der Droge Crystal Meth - im Internet so bequem und Ermittlern so schwer, erklärte LKA-Präsidentin Thurau. Ziel der Operation "Onymous" sei es aber gewesen, das allgemeine Vertrauen in die Anonymität des Internets, auch des sogenannten Darknets, nachhaltig zu erschüttern. "Es gibt keine absolute Anonymität im Internet", sagte sie. Wie die Ermittler die Betreiber identifizieren konnten, blieb unklar. Selbst das Tor-Netzwerk erklärte, von der Aktion überrascht worden zu sein.

Online-Dealer war in Hessen

"Wer Straftaten über das Internet begeht, muss mit konsequenter Strafverfolgung rechnen", sagte der Frankfurter Oberstaatsanwalt Rainer Franosch. Die Fahnder ermittelten wegen Verdachts des bandenmäßigen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Zwölf Einzelverfahren seien in Deutschland eingeleitet worden, weitere Verfahren hingen von den weiteren Untersuchungen ab.

Einer der Protagonisten des illegalen Drogen-Handels im Internet kommt Thurau zufolge aus Hessen. Dadurch hätten die Fahnder Hinweise auf Server im Land bekommen. Deshalb waren die deutschen Ermittlungen in Hessen angesiedelt. Dort arbeitete das LKA mit dem Bundeskriminalamt, der Generalstaatsanwaltschaft und dem Zoll in Frankfurt zusammen. Hinweise der deutschen Ermittler gingen auch an Schottland und die Niederlande.

Bitcoins im Wert von einer Million Dollar konfisziert

Das LKA rechnet nach eigenen Angaben damit, viele weitere Verdächtige ausfindig machen zu können. Insgesamt habe die globale Operation von zahlreichen Staaten Europas und der USA zu 17 Festnahmen geführt. Die Fahnder hätten weltweit Bitcoins im Wert von einer Million Dollar sichergestellt, 180.000 Euro in bar und große Mengen an Rauschgift, Gold und Silber.

Die Tor-Betreiber haben bisher nur vage Vermutungen, wie die Ermittler in das verdeckte Netzwerk hereingekommen sind und die versteckten Angebote entdecken konnten. "Wir wissen es nicht", hieß es in einem Blogeintrag des Tor-Projekts. Möglicherweise gebe es verdeckte Schwachstellen oder die Aktion hänge mit Berichten über die Beschlagnahmung mehrerer Tor-Server zu tun haben. Tor wird unter anderem auch von Aktivisten genutzt, die ihre Identität zum Beispiel in autoritär regierten Ländern geheimhalten wollen.

(Dorothee Monreal)

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