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dotBerlin kämpft für eigene Top-Level-Domain

Seit Mitte 2005 engagiert sich das Unternehmen für die Einführung und den Betrieb der eigenen City-Domain .berlin. Läuft alles nach Plan, steht die Domain 2009 zur Verfügung.

10.12.2007, 12:07 Uhr
Internet© arquiplay77 / Fotolia.com

In einigen Internet-Adressbereichen ist es inzwischen so richtig eng geworden. Mehr als elf Millionen .de-Domains und mehr als 73 Millionen registrierte Domainnamen unter den Top-Level-Domains .com und .net lassen kaum noch Spielraum für sinnvolle Namen. Ein Beleg dafür sind beispielsweise die extrem hohen Preise, die bei Domain-Auktionen und Verkäufen erzielt werden.
David gegen Goliath
Seit Mitte 2005 kämpft das Berliner Unternehmen dotBerlin für die Einführung und den Betrieb einer eigenen Top-Level-Domain .berlin. Schauplätze für Diskussionen und Gespräche sind dabei aber nicht nur der Deutsche Bundestag und diverse Ausschüsse auf Stadt- und Länderebene. Auch auf internationalen Treffen der Internetgemeinde rührt dotBerlin kräftig die Werbetrommel. Ziel der Initiative ist es, den Namensraum im Internet um einen klaren lokalen Fokus zu erweitern und damit für die Berliner Community eine regionale virtuelle Identität zu schaffen. "Es gibt weltweit rund 66.000 Domains, die Berlin irgendwo im Domainnamen haben", betont dotBerlin-Geschäftsführer Dirk Krischenowski. Ideale Voraussetzung also für die Schaffung einer so genannten City-Domain. Läuft alles nach Plan, kann schon 2009 mit der Vergabe der ersten Domainnamen begonnen werden. Bis dahin gebe es aber noch viel vorzubereiten.
Breite Unterstützung
Mit ihrer Idee steht dotBerlin nicht allein da. Seit Unternehmensgründung vor zweieinhalb Jahren haben sich neben Sponsoren auch zahlreiche regionale und überregionale Wirtschaftsunternehmen, Organisationen, Verbände und Bürger der Initiative angeschlossen. Den "Lokalisierungstrend" haben seit kurzem auch andere Weltstädte wie Paris (.paris), New York (.nyc) und Buenos Aires (.baires) erkannt und arbeiten nun selbst an der Einführung einer stadteigenen Domain. Auch die Abgeordneten im Deutschen Bundestag haben angekündigt, sich für die Weiterentwicklung des Internetadressraums um regionale Top-Level-Domains einzusetzen.
Angst vor der Konkurrenz
Doch nicht alle Parteien stehen dem Projekt positiv gegenüber. So werden die Bedenken besonders laut, wenn es um das bereits erfolgreiche und etablierte Stadtportal www.berlin.de geht. Für Peter-Rudolf Zotl, Abgeordneter der Partei "Die Linke" im Berliner Senat, steht fest: "Politisch ist zu entscheiden: was kann .berlin mehr oder besser als berlin.de, das ja erfolgreich und vielfach zertifiziert ist? Warum soll man aus berlin.de aussteigen und in dieses Risiko einsteigen." Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte im Vorfeld bereits deutlich gemacht, dass er bei einer Unterstützung von .berlin eine Vermischung von öffentlichen und privaten Angelegenheiten befürchte. Der Senat wolle sich ferner nicht zu der von ihm an den Berliner Verlag abgegebenen Second-Level-Domain berlin.de selbst Konkurrenz machen. Bei Vertragskündigung kämen auf das Land hohe Kosten zu und müsste mit einem hohen sechsstelligen Betrag pro Jahr einspringen, um ein in etwa gleichwertiges Angebot aufrechtzuerhalten und seine bisher in das System eingebrachten Mittel zu schützen.
Rund 70 Berlins weltweit
Doch irritieren lasse man sich von diesen Äußerungen nicht, betont dotBerlin-Pressesprecher Johannes Lenz-Hawliczek. Denn für die Entscheidung der Internet-Behörde ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) über die Einführung der .berlin-Domain sei das Votum nicht relevant. Dies hätten auch zahlreiche Rechtsgutachten ergeben. Trotzdem sei der ganze Prozess ziemlich komplex. "Weltweit gibt es rund 70 Städte mit dem Namen Berlin", so der Sprecher. Allein in Deutschland gebe es drei Orte, in den USA sogar 20. "Wir stehen mit allen Gemeinden in Kontakt und werben für unsere Idee", sagt Lenz-Hawliczek. Die Resonanz sei durch die Bank positiv und die Zahl der Fürsprecher der Berliner Community wachse täglich.

(Michael Friedrichs)

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