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Dorf Gleesen klagt: Telekom-Festnetz fällt häufig aus - Auch Hausnotruf betroffen

Rund zwei Wochen mussten die Bürger des Emsbüttener Ortsteils Gleesen im Dezember und Januar ohne Internet und Telefonie auskommen, auch sonst soll das veraltete Telekom-Festnetz immer wieder von Störungen betroffen sein. Doch die Telekom will von häufigen Ausfällen nichts wissen.

05.04.2013, 16:08 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Mehr als zwei Wochen ohne Internet und Telefon: Für viele Bundesbürger ist das inzwischen undenkbar. Einige Bürger im Emsbürener Ortsteil Gleesen (Landkreis Emsland) mussten zwischen dem 22. Dezember 2012 und dem 7. Januar dieses Jahres unfreiwillig ganz auf den Anschluss an das weltweite Netz verzichten. Auch an Telefonie mit Verwandten und Freunden war ausgerechnet an den Weihnachtsfeiertagen nicht zu denken. "Es kommt immer wieder zu Gesprächsabbrüchen und Ausfällen", beklagt Ortsbürgermeister Thomas Schütte gegenüber der "Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ) die auch sonst schlechte Qualität der Telekom-Festnetzanschlüsse in dem kleinen Dorf. Doch die Telekom winkt ab und will von Problemen nichts wissen.

Schlechte Festnetzanbindung?

Als Quelle des Übels hat der Ortsbürgermeister ein 11,7 Kilometer langes Kabel ausgemacht, dass den Ortsteil mit seinen lediglich rund 40 Festnetzanschlüssen mit dem Knotenpunkt in Lingen verbindet. "Ein Mitarbeiter der Telekom hat mir schon vor zwei Jahren gesagt, das Kabel sei so marode, dass ich froh sein soll, überhaupt noch telefonieren zu können", erläutert Schütte der "NOZ".

Laut eines Berichts des Norddeutschen Rundfunks (NDR) ist Gleesen noch mit alten Bleikabeln an das Festnetz angebunden, eine moderne Glasfaserleitung liege jedoch nur rund ein Kilometer entfernt. Ein Anschluss von Gleesen an diese Leitung ließe sich laut Telekom realisieren, scheitert derzeit offenbar aber noch an den Kosten. Wirtschaftlich würde sich die Anbindung wegen der nur wenigen vorhandenen Festnetzanschlüsse kaum rechnen, also müssten öffentliche Fördergelder in Anspruch genommen werden.

Auch Mobilfunk funktioniert nicht immer - DSL nicht realisierbar

Die Emsbürener Gemeindeverwaltung hat Zuschussanträge für eine Breitbandanbindung beim Land gestellt. "Doch da machen wir uns keine großen Hoffnungen", zeigt sich der Ortsbürgermeister pessimistisch. Auch die Nutzung von Mobilfunk sei keine wirkliche Alternative, da die Handynetze vor Ort laut Schütte teilweise keinen oder keinen vernünftigen Empfang bieten würden. Der Ortsbürgermeister sieht dringenden Handlungsbedarf: "Die Telekom kommt ihrer Versorgungspflicht in keinster Weise nach. Unser Ziel muss eine sichere Telefonverbindung zu jeder Zeit sein".

Die Klagen sind kein Einzelfall. Ein Bürger hatte beispielsweise beim regionalen Anbieter EWE TEL einen DSL-Anschluss beantragt. Erst nach der Umschaltung stellte sich heraus, dass sich über die von der Telekom angemietete Leitung kein DSL realisieren lässt, Telefonie und Internet funktionierten nicht mehr. EWE TEL habe laut "NOZ" von der Telekom keine Hinweise über entsprechende Einschränkungen für diese Leitung erhalten. Dem Kunden gab EWE TEL die Möglichkeit, den Vertrag wieder zu kündigen oder sich alternativ wieder auf ISDN runterstufen zu lassen.

Weiter auf Seite 2: Hausnotruf von Senioren gestört - Telekom bestreitet häufige Ausfälle

Besonders gravierend ist jedoch, dass einige ältere Bürger in Gleesen einen von dem Malteser-Hilfsdienst angebotenen Hausnotruf nutzen, der auch über das Festnetz arbeitet. Auf Knopfdruck können die Senioren im Notfall medizinische Hilfe anfordern. "Wenn das nicht funktioniert, kriegen wir automatisch eine Ausfallmeldung. Und das passiert in Gleesen öfter", erläutert Michael Suntrup, Dienstleiter Hausnotruf der Malteser in Lingen gegenüber der NOZ. Ein Grund für diese Ausfälle könne ein schlechtes Festnetz sein.

Telekom streitet häufige Ausfälle ab

Und was sagt die Telekom selbst zu den Vorwürfen? "In den letzten Wochen hatten wir keine Störungen in Gleesen", heißt es von dem einen Pressesprecher. Eine andere Telekom-Sprecherin bestreitet auf Nachfrage von onlinekosten.de häufige Ausfälle.

"Wir haben die Kabel erneut durchgemessen mit dem Ergebnis, dass es keinerlei Auffälligkeiten im Kabel oder in den vorgeschalteten technischen Einrichtungen gibt. Bis auf eine länger anhaltende Störung über Weihnachten 2012 /Silvester 2013 konnten wir auch in der Vergangenheit keine auffälligen Störungseingänge feststellen", so die Sprecherin. "Die Aussage, es käme zu wiederholten Ausfällen, ist schlichtweg falsch. Wir können die Aussagen des Bürgermeisters nicht nachvollziehen", erklärt die Telekom-Sprecherin.

Für den Breitbandausbau gelte generell, dass sich der Anschluss an das schnellere Breitbandnetz wirtschaftlich rechnen müsse. In der Vergangenheit hätte die Telekom unter anderen über Kooperationen mit Gemeinden verschiedene Ausbaumodelle in ländlichen Gebieten umgesetzt. Bei eventuellen Deckungslücken können Gemeinden diese übernehmen, wenn genug Interesse bei den Bürgern besteht. Der Ausbau müsse aber von einer Kommune zunächst ausgeschrieben werden. "Für die Gemeinde Gleesen läuft nach unserem Kenntnisstand derzeit eine solche notwendige Ausschreibung", so die Telekom-Sprecherin.

(Jörg Schamberg)

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