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DLD: "Big Data" bleibt schwammig, aber angesagt

Großer Hype ums simples Schlagwort: "Big Data" soll helfen, das wachsende Datenchaos der modernern Welt zu sichten. Chancen und Risiken stehen einander gegenüber. Klar ist nur: Etwas muss geschehen, um die Datenflut zu strukturieren. Doch wie, darüber streiten Fachleute bei der Konferenz "Digital Life Design"-Konferenz in München.

22.01.2013, 09:35 Uhr (Quelle: DPA)
Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Der digitale Alltag erzeugt immer größere Datenmengen. Sich darin zurechtzufinden, soll Analyse-Technik helfen, die unter dem Begriff "Big Data" zusammengefasst wird. Der Hype um das neue Modewort ist groß - die Angst vor einem "gläsernen Bürger" aber auch.

"Wir sind ein Datenprodukt"

"Big Data" steht für die Auswertung der explosiv wachsenden Berge an digitalen Informationen, die inzwischen in unserem Alltag produziert werden. Es geht darum, im Datenwust Muster zu erkennen und richtig zu deuten. "Wir selbst sind jetzt ein Datenprodukt", so DJ Patil auf der Konferenz "Digital Life Design" in München.

Dabei ist die Vorstellung, was Big Data genau ist, bemerkenswert schwammig. "Keiner weiß wirklich, wie es geht. Alle denken, dass die anderen es tun, also behauptet jeder, dass er es auch tut", zitierte Patil in München seinen Kollegen Dan Ariely.

Klar ist aber auch: Egal, wie kompliziert die Materie ist und wie eindringlich Datenschützer vor einem gläsernen Bürger warnen - die Zeit von Big Data ist gekommen. Zu verlockend sind die riesigen Datenmengen, die immer schneller anwachsen und mit noch ungeahnten Schätzen locken. Zu beeindruckend sind die ersten großen Erfolge.

Obama-Wahlsieg durch Big Data?

So hat Präsident Barack Obama seine Wiederwahl auch einer der bisher größten Big-Data-Aktionen zu verdanken: Ein Team von Datenwissenschaftlern wertete ohne Pause alle verfügbaren Informationen aus, und konnte dadurch unter anderem genau sagen, wo die Wahlkämpfer noch zulegen müssen. Und Datenexperte Nate Silver konnte mit der Methode haargenau sämtliche Ergebnisse der US-Wahl vorhersagen.

Die Menge aller digitalen Daten, die in einem Jahr erzeugt oder genutzt werden, erreicht 2012 demnach 2,8 Zettabyte oder 2,8 Billionen Gigabyte. Dieser Umfang verdoppelt sich ungefähr alle zwei Jahren; bis 2020 sollen es 40 Zettabyte sein. Die wirkliche Herausforderung sei, sich im Daten-Tsunami zurechtzufinden, betont Patil. "Einfach nur mehr Daten zu haben, hilft nicht - sondern Menschen, die sie interpretieren können."

Standortdaten winken mit 100 Milliarden Dollar

Zugleich wird allein der zukünftige Markt für Geschäftsmodelle mit den Standortdaten von Nutzern auf 100 Milliarden Dollar geschätzt. Und wenn in den kommenden Jahren erst die Vernetzung der Autos an Fahrt gewinnt und Smartphones die einfachen Handys verdrängen, werden noch viel mehr persönliche Informationen im Umlauf sein.

Internet-Investorin Esther Dyson warnte Industrie und Handel denn auch davor, allzu forsch das neue Daten-Gold ausbeuten zu wollen. "Zuallererst gehören die persönlichen Daten dem Nutzer." Ohne sein Einverständnis dürften sie nicht kommerziell eingesetzt werden.

Der Chef des Bezahldienstes PayPal, David Marcus, ist überzeugt, dass die Nutzer bereit sind, für ein besseres Erlebnis mehr von sich preiszugeben - "solange sie die Kontrolle über ihre Daten behalten". Und die Auswertung der Masse an Handy-Daten könne Bezahlvorgänge viel sicherer machen, sagte er. "In einem Mobiltelefon sammeln sich viel mehr Daten an, die für zusätzliche Sicherheit sorgen können. Man kann zum Beispiel sehen, wo sich ein Nutzer gerade aufhält, oder ob es eine typische Transaktion für diese Tageszeit und diesen Ort ist."

"Wollte ich schnell Milliardär werden, würde ich jetzt eine Analyse-Firma gründen", sagte in München auch Alec Ross, der in den vergangenen Jahren US-Außenministerin Hillary Clinton beriet und die "Internet-Revolutionen" in den arabischen Ländern begleitete. Das US-Außenamt würde viel Geld für bessere Analyse-Software ausgeben.

Schaar fürchtet maschinelle Datensauger

Kritisch sieht der Datenschutzbeauftragte Peter Schaar den Trend zu Big Data und den wachsenden Anteil von Daten, die nicht von Menschen, sondern von Maschinen erzeugt werden: 2005 waren das 11 Prozent, bis 2010 sollen es schon 40 Prozent werden. "Wir haben unsichtbare Datensammler in unseren Smartphones, Kraftfahrzeugen und anderen Geräten, die laufend Daten generieren", so Schaar, "Das macht mir natürlich große Sorgen."

(Dorothee Monreal)

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