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DJV: ARD und ZDF droht die "Online-Amputation"

Im Streit zwischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und Zeitungsverlegern zeichnet sich eine Lösung ab. Offenbar planen die Sender, ihre Online-Auftritte auf Audio- und Video-Inhalte zu beschränken. Journalisten-Gewerkschaften warnen vor einer "Online-Amputation".

21.02.2012, 18:45 Uhr (Quelle: DPA)
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Im Streit um die Internet-Auftritte von ARD und ZDF haben die Journalisten-Gewerkschaften die öffentlich-rechtlichen Sender davor gewarnt, wesentliche Teile ihres Online-Angebots aufzugeben. Ein solcher freiwilliger Verzicht auf Textinhalte im Netz würde die Zukunftsperspektive der Sender beschneiden, sagte der stellvertretende Verdi-Vorsitzende, Frank Werneke, am Dienstag.

"Texte sind Grundbausteine"

Wenn es stimmen sollte, dass die Sender ihre Internet-Auftritte auf Audio- und Videoinhalte beschränken wollten, um damit den Zeitungsverlegern entgegenzukommen, käme dies einer unzumutbaren Amputation des eigenen Online-Journalismus gleich, erklärte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Michael Konken. Klassische journalistische Darstellungsmittel wie kurze oder lange Texte gepaart mit Fotos dürften dann nur noch ausnahmsweise verwendet werden.

"Texte, die Internet-Nutzern schnell einen Überblick geben und multimediale Inhalte verknüpfen, sind jedoch Grundbausteine des Online-Journalismus und müssen selbstverständlich auch vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk genutzt werden können", betonte Konken. Dies sollte unbedingt in einem möglichen Kompromiss berücksichtigt werden, um hochwertige Inhalte auf allen Plattformen zu ermöglichen.

Einigung im Online-Streit erwartet

Die ARD und der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) bestätigten gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, dass am Dienstag ein weiteres Treffen zwischen Intendanten und Verlegern in Köln stattgefunden habe. An dem Gespräch nahmen die Intendanten Monika Piel (WDR), Markus Schächter (ZDF), Ulrich Wilhelm (BR) und Lutz Marmor (NDR) teil. Die Verlegerseite vertraten BDZV-Präsident Helmut Heinen, Christian Nienhaus (WAZ) und Roland Gerschermann (F.A.Z.). Die Verhandlungen seien konstruktiv verlaufen, man erwarte eine zeitnahe Einigung, erklärten beide Seiten ohne Einzelheiten zu nennen.

Auslöser des Streits war die kostenlose "Tagesschau"-App für Smartphones und Tablet-PCs, gegen die im Juni 2011 acht Zeitungsverlage geklagt hatten. Zu den Klägern gehören die WAZ Mediengruppe, der Axel Springer Verlag, die "Süddeutsche Zeitung", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die Medienholding Nord, die Verlage M. DuMont Schauberg und Lensing-Wolff sowie die "Rheinische Post". Die Verleger betrachten die App als unfaire Konkurrenz zu ihren kostenpflichtigen Angeboten, da diese mit langen Texten neben "Tagesschau"-Videos "presseähnlich" sei. Das Kölner Landgericht hatte Sendern und Verlegern eine außergerichtliche Einigung nahegelegt, für die sich beide Seiten bisher in mehreren Gesprächsrunden getroffen haben.

(Christian Wolf)

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