News

Digitale Dividende: Diskussion um LTE-Störungen

Die Störeinflüsse auf Endgeräte wie Mikrofone oder TVs durch die kurz vor der Einführung stehende LTE-Technologie sind noch nicht behoben. Die Suche nach einem Kompromiss hält an.

Welt© Julien Eichinger / Fotolia.com

Die größte deutsche Frequenzversteigerung soll am 12. April starten. Insgesamt wird ein Frequenzbereich von 360 Megahertz unter den Hammer kommen. Nach wie vor ungelöst ist jedoch das Problem der Störungen von Endgeräten durch die kurz vor der Einführung stehende LTE-Technologie. Auf einer Euroforum-Tagung in Köln diskutierten Vertreter von Kabelnetzbetreibern, Endgeräteherstellern, der Landesmedienanstalt NRW sowie von Mobilfunknetzbetreiber o2 mögliche Lösungswege.

Hohe Umstellungskosten für Endgeräte

Für den Kölner Rechtsanwalt Helmut G. Bauer, der den Mikrofonhersteller Sennheiser vertrat, steht vor allem eine Frage im Fokus: welche Frequenzen werden für Mikrofone überhaupt noch zur Verfügung stehen? Nach der Auktion im April gebe es bereits Überlegungen zur Versteigerung weiterer Frequenzen als "Digitale Dividende 2", mahnte Bauer an. Mikrofone ließen sich aber nicht auf neue Frequenzen umstellen. Die Umstellungskosten bezifferte Bauer auf 1 bis 3 Milliarden Euro. Lorenz Glatz, technischer Leiter bei Kabel Deutschland, wies auf die nachgewiesenen Störungen von Endgeräten wie Fernsehern und Set-Top-Boxen bei LTE-Tests hin. Es müsse ein Kompromiss gefunden werden zwischen einer stärkeren Abschottung der Endgeräte sowie einer Absenkung der LTE-Signalstärke. Auch Martin Herkommer, Leiter Unternehmenskommunikation bei Kabel BW, gab zu Bedenken, dass ein Teil des Geschäftsmodelles der Kabelnetzbetreiber entfalle, wenn die derzeit genutzten Frequenzen wegbrechen würden.

Für die Landesanstalt für Medien NRW erklärte Jürgen Brautmeier, dass der digitale Umstieg gefördert würde. Eine "Digitalisierungskampagne 2012" solle zum Wechsel auf Digital ermuntern. Die Landesanstalt sehe sich als Ansprechpartner, wenn es zu Störungen bei den zur Versteigerung ausgeschriebenen Frequenzen kommen sollte. Michael Panienka sah sich als Vertreter von Telefonica o2 dagegen nicht in der Rolle des Bösewichts. Schließlich würden die Mobilfunkanbieter mit den ersteigerten Frequenzen auch den Breitbandausbau in ländlichen Gebieten fördern und Unternehmen in sogenannten "weißen Flecken" größere Möglichkeiten bieten. LTE finde zudem in verschiedenen Spektren statt: LTE 800 sei eher für ländliche Gebiete geeignet, LTE 2,6 Gigahertz dagegen eher für Ballungsräume. Für welche Frequenzbereiche o2 bei der Versteigerung bieten werde, wollte Panienka verständlicherweise nicht bereits vor Auktionsbeginn öffentlich machen.

(Jörg Schamberg)

Mehr aus dem Web

Zum Seitenanfang