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Die Kopfhörer-Trends der IFA - Kabellos statt Klinke

Kabellose Kopfhörer stehen hoch im Kurs. Sie hatten bisher aber oft noch zwei Probleme: Der Klang ließ manchmal zu wünschen übrig, und mitten im Lieblingssong machte der Akku schlapp. Das soll bei neuen Modellen anders sein, versprechen jedenfalls die Hersteller auf der IFA.

Marcel Petritz, 02.09.2016, 00:10 Uhr (Quelle: DPA)
Kopfhörer© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Berlin - Akkus mit größerer Ausdauer, besserer Klang und mehr Funktionalität: Kabellose Kopfhörer sind dabei, Modellen mit Kabel den Rang abzulaufen. Der Trend zur Kabellosigkeit, der seit Jahren zu beobachten ist, setzt sich ungebremst fort. Das zeigt sich auf der Elektronikmesse IFA (2. bis 7. September).

Bis zu 17 Stunden Akkulaufzeit

"Die Übertragungsqualität wird besser, und die Akku-Laufzeiten werden länger", nennt Timm Lutter vom IT-Verband Bitkom zwei wichtige Entwicklungen im Bereich der Bluetooth-Kopfhörer. Nutzer wollten flexibel mit ihren Hörern sein und sich beim Sport oder in der U-Bahn nicht von herumhängenden Kabeln behindern lassen, erklärt er.

Hersteller JVC zeigt auf der IFA mit dem HA-S30BT, dem HA-S40BT und dem HA-S50BT gleich drei neue kabellose Over-Ear-Kopfhörer. Punkten wollen sie vor allem mit ihrer Akkulaufzeit: Bis zu 17 Stunden sollen die Modelle Musik spielen können. Ab Ende Oktober sind sie erhältlich und sollen zwischen 60 Euro (HA-S30BT) und 80 Euro (HA-S50BT) kosten.

Bluetooth-Kopfhörer werden immer beliebter

Bluetooth-Kopfhörer sind aufgrund sinkender Herstellungskosten zunehmend auch im Segment unter 100 Euro verbreitet, erklärt Jessica Garvey von Harman, der Mutterfirma der Marken JVC und JVL. In zwei Jahren werden Harmans Audio-Marken 75 Prozent ihrer Kopfhörer kabellos anbieten, sagte Garvey auf der Messe. "Die Menschen werden künftig vermehrt auf kabellos wechseln, und darauf reagieren wir."

Auch Pioneer erweitert sein kabelloses Segment. Das Over-Ear-Modell SE-MS7BT unterstützt Qualcomms aptX-Codec und den für Apple-Nutzer relevanten AAC-Codec. Die Codecs sollen bei der Bluetooth-Übertragung für bessere Klangqualität sorgen. Über Bedienelemente am Kopfhörer und ein integriertes Mikro steuern Nutzer ihre Musikwiedergabe und können telefonieren. Der Akku soll bis zu 12 Stunden lang halten, danach lässt sich über ein Micro-USB-Kabel weiter Musik hören - auch in High-Resolution-Audio. High-Res-Musikdateien werden verlustfrei gespeichert und besitzen eine hohe Klangqualität. Der SE-MS7BT kostet 130 Euro und ist ab November auf dem Markt.

Kabellose In-Ear-Kopfhörer mit langer Laufzeit

Kabellose In-Ear-Kopfhörer sind ein Trend bei der IFA: Der Heilbronner Hersteller beyerdynamic etwa zeigt mit dem Byron BT und dem Byron BTA zwei neue Bluetooth-In-Ears. Die gut zehn Gramm leichten Kopfhörer sollen 7,5 Stunden laufen. Dank Schnell-Ladeschale soll der BTA rascher aufladen als der BT. Die Fernbedienung des BTA wird in die Ladeschale gelegt, diese hängt per USB-Kabel am Computer. Eine halbe Stunde Zeitgewinn soll das bringen. Der BTA kostet rund 200 Euro, der BT 100 Euro, beide kommen im September in den Handel.

Eine interessante Lösung zum Laden hat B&O Play für sein erstes kabelloses In-Ear-Modell, den Beoplay H5. Nutzer legen die Kopfhörer in einen kleinen Ladewürfel. Dort werden sie mit Magneten fixiert, um nicht herauszufallen. Mit sieben beigelegten Ohrpassstücken soll der H5 immer optimal sitzen. Kostenpunkt: 250 Euro.

Elite Sport wiegt 6,5 Gramm

Ganz ohne Kabel, nicht einmal zum Verbinden der In-Ears, kommt das Modell Elite Sport des dänischen Herstellers Jabra aus. Die jeweils 6,5 Gramm leichten Kopfhörer sitzen einzeln im Ohr. Neun Passstücke sollen für einen guten Sitz sorgen. Mit den Kopfhörern kann man nicht nur Musik hören oder telefonieren. Sie messen mit einem eingebauten Infrarot-Sensor die Herzfrequenz. Den Elite Sport gibt es für 250 Euro ab Mitte November im Handel.

Pulsmessung und Musik in einem: Das bietet auch ein In-Ear-Modell, das JBL mit dem Sportartikelhersteller Under Armour entwickelt hat. Der UA Sport Wireless Heart Rate ermöglicht, kombiniert mit der App Under Armour Record, gezieltes Herzfrequenztraining mit Feedback via Audio über die Kopfhörer. Der Kopfhörer soll ab November für rund 200 Euro im Handel sein. Ein Modell ohne Pulsmesser kostet 150 Euro.

Nicht das Ende der Klinke

Viele Hersteller zeigen bei der IFA auch neue Kopfhörer mit Klinke-Anschluss. Doch längst nicht alle setzen bei Kabel-Modellen auf den bewährten Analog-Stecker. Einige bevorzugen USB-C oder Lightning für Apple-Geräte. Dabei wird die Musik digital übertragen und erst im Kopfhörer in analoge Signale umgewandelt. Das soll Nutzern besseren Klang und mehr Funktionen bescheren. Hersteller Libratone etwa zeigt auf der Messe ein In-Ear-Modell mit Lightning-Kabel. Der Q Adapt In-Ear schaltet nervige Nebengeräusche mit Active-Noise-Cancelling in vier Stufen ab und kostet 179 Euro. Er soll im Oktober auf den Markt kommen.

Doch was wird angesichts der neuen Technologien aus der Klinke? Es gibt Gerüchte, dass das neue iPhone gar keinen Klinke-Anschluss mehr besitzen wird. Selbst für den Fall, dass sich Kopfhörer dabei nur noch per Funk oder Lightning verbinden lassen, sei das nicht das Ende der Klinke, schätzt Sven Hansen von der Fachzeitschrift "c't". Abgesehen davon, dass Kopfhörer nicht nur mit Smartphones verwendet werden: Neue Kabellösungen werden Klinken wohl nicht ablösen. "Eher werden Anschlüsse für Kopfhörer generell verschwinden", sagt Hansen. Dann gebe es nur noch Funk.

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