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Die Deutschen sind Handymuffel

Eine neue Mercer-Studie zeigt, dass das Telefonieren in Deutschland nach wie vor viel zu teuer ist. Wer über DSL online geht, hat zudem aufgrund des Zwangs, einen Telfonanschluss zu nutzen, kein Interesse mehr mit dem Handy zu telefonieren.

03.03.2006, 12:46 Uhr
Smartphone© goodluz / Fotolia.com

Geht es nach dem Willen der vier großen deutschen Netzbetreiber sollten die eigenen Kunden möglichst häufig und lange mit dem Handy telefonieren. Die Deutschen tun es häufig aber nicht, weil die Preise oft viel zu hoch sind oder die Tarifstruktur zu undurchsichtig ist. Entsprechend fällt auch das Fazit der jüngsten Studie "Festnetzsubstitution durch Mobilfunk" von Mercer Management Consulting aus. Im Europäischen Mobilfunkmarkt gehört Deutschland demnach zu den Nachzüglern.
Noch immer resultiert das Wachstum der mobilen Sprachminuten vor allem aus dem Anstieg der Mobilfunkpenetration. Im Gegensatz zu anderen europäischen Anbietern sei es den deutschen Mobilfunkunternehmen bislang nicht gelungen, die Handynutung zu steigern. Auch seinen bisher nur signifikant Sprachminuten aus dem Festnetz abgezogen worden, heißt es in der Mercer-Studie.
Zu hohe Minutenpreise
Verwunderlich ist das nicht wirklich. onlinekosten.de hat in den zurückliegenden Monaten immer wieder die zum Teil viel zu hohen Minutenpreise bei Vertragstarifen kritisiert. Pro Minute werden zum Teil 60 Cent und mehr zuzüglich einer monatlichen Grundgebühr oder eines Paketpreises in Rechnung gestellt. Bei derartigen Preisen überlegen viele Kunden dreimal, bevor sie zum Handy greifen. Die Mercer-Studie belegt zudem, dass weit über zwei Drittel der befragten Personen die Auffassung vertreten, mit dem Festnetztelefon deutlich günstiger telefonieren zu können als mit dem Handy. Das macht sich am Ende beim durchschnittlichen monatlichen Umsatz pro Kunde bemerkbar. Durchschnittlich lag der in Europa im Jahr 2004 bei 30 Euro. In Deutschland waren es nur 24 Euro. Auch die allgemeine Mobilfunknutzung fällt in anderen europäischen Ländern deutlich höher aus. In Deutschland wurde 2004 im Durchschnitt 45 Minuten im Monat mit dem Handy bei einem abgehenden Gespräch telefoniert, in England waren es 88 Minuten, in Frankreich sogar 144 Minuten.
Im europäischen Ausland sind innovative Tarifvarianten bereits Standard. In Spanien beispielsweise animiert Amena mit dem "One and no more"-Tarif, bei dem der Kunde nur den ersten Anruf eines Tages bezahlt, zu mehr Gesprächen mit dem Handy. Auch in den deutschen Markt ist zuletzt Bewegung in die Tariflandschaft gekommen. So vermarkten immer mehr virtuelle Mobilfunkunternehmen ohne eigenes Netz, wie simyo, easyMobile oder klarmobil, transparente Sprach- und SMS-Tarife. Da diese Unternehmen auf Online-Vertrieb und -Kundenservice fokussiert sind, können sie tageszeit- und netzunabhängige Minutenpreise anbieten. Ihre Tarife liegen teilweise 70 Prozent unter denen der traditionellen Mobilfunknetzbetreiber.
DSL-Kunden sind nicht wechselbereit
Ein wesentlicher Hinderungsgrund für den Kunden, den Festnetzanschluss zu kündigen, ist das Internet. Haushalte, die einen DSL-Anschluss haben, sind durch alternative Anbieter wie QSC und broadnet zwar nicht zwingend auf einen Festnetzanschluss angewiesen, der in Deutschland am meisten genutzte T-DSL-Anschluss ist allerdings ohne Festnetzanschluss derzeit (noch) nicht zu haben. Hier ist die Bundesnetzagentur gefragt, für eine Entbündelung zwischen DSL- und Festnetzanschluss zu sorgen. Gerade auch, weil über Voice over IP genauso gut telefoniert werden kann wie über einen herkömmlichen Analog- oder ISDN-Anschluss.

(Hayo Lücke)

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