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DHL-Drohne beliefert Apotheke auf Juist - Interview mit Post-Vorstand Gerdes

Deutsche Post DHL will Pakete per Drohne ausliefern und sieht sich als Pionier. Post-Vorstand Gerdes im Interview mit der dpa.

24.09.2014, 14:31 Uhr (Quelle: DPA)
Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Im Liniendienst beliefert eine Minidrohne der Deutschen Post DHL mehrere Monate lang eine Insel-Apotheke. DHL-Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes sagt im dpa-Interview warum.

Herr Gerdes, was ist an Ihrem Pilotprojekt so einzigartig, dass es weder Google noch Amazon bisher geschafft haben?

Ich kann nur für uns sprechen. Wir sind im Bereich der Drohnen der erste gewerbliche, nicht-militärische Anwender, der im Pilotprojekt Paketkopter einen regulären Linienbetrieb unterhält. In den USA ist die von Amazon beantragte Genehmigung für den Flugbetrieb von der Flugaufsicht meines Wissens nach nicht erteilt worden - insofern sind wir hier einen Schritt weiter.

Für uns ist dieser Test der nächste logische Schritt, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie und wo ein Einsatz Sinn machen und funktionieren könnte. Wir glauben, dass der Paketkopter hohes Potenzial hat. Und deshalb ist der weltgrößte Logistiker auch bei dieser Innovation Pionier. Wir haben in Deutschland vor über 500 Jahren ja die Post erfunden und seitdem immer wieder bahnbrechende Innovationen entwickelt und gefördert.

Wie groß waren die behördlichen Bedenken?

Es gibt nicht viele Menschen, die am Anfang an derartige Ideen glauben. So war es in der Anfangsphase des Automobils auch. Wenn man aber selbst davon überzeugt ist, dann muss man viele Parteien an einen gemeinsamen Tisch bringen. Und jede Partei hat eigene und berechtigte Interessen und Sichtweisen auf diese Idee. Und deshalb sind wir sehr glücklich und auch ein wenig stolz, dass wir es gemeinsam hinbekommen haben.

Wie schnell entwickelt sich die Technologie?

Wir erleben eine sehr, sehr steile Lernkurve. Die Fähigkeiten dieser Fluggeräte entwickeln sich rasant, und damit auch die Einsatzmöglichkeiten. Deswegen ist es auch so wichtig, gleich von Anfang an dabei zu sein und diese Entwicklung aktiv mitzugestalten. Ich bin sicher, dass wir in wenigen Jahren Dinge erleben werden, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.

Der Grund dafür ist einfach: es werden Anwendungen sein, die das Leben der Menschen und Unternehmen einfacher und besser machen - und daher auch willkommen geheißen werden. Vor wenigen Monaten sind wir quer über den Rhein geflogen, nun haben wir 12 Kilometer in 13 Minuten geschafft - und dabei ist der Paketkopter ohne Sichtkontakt völlig autonom geflogen. In wenigen Jahren werden wir alle positiv überrascht sein.

Wann rechnen Sie mit dem ersten gewerblichen Linienbetrieb der Boten-Drohnen? Werden sie ein Nischenprodukt bleiben?

Nach unserem Verständnis ist unser Test der erste gewerbliche Linienbetrieb - allerdings im Teststadium. Bis so etwas am helllichten Tag überall in Deutschland und in großer Anzahl, also quasi selbstverständlich passiert, wird es noch einige Jahre dauern. Wie lange, kann ich Ihnen auch nicht sagen.

Aber wir sind mit unseren Dienstleistungen in mehr als 220 Ländern und Territorien als Konzern das vielleicht internationalste Unternehmen der Welt. Wir denken solche Projekte also immer weltweit. Zum anderen: Die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung nimmt täglich zu. Heute kann kaum noch jemand ohne Smartphone und Tablet leben - vor wenigen Jahren waren diese Geräte völlig unbekannt, weil nicht existent. Insofern geht es manchmal sehr viel schneller, als man am Anfang glaubt.

Weil der Markt auch dank des online-Handels so boomt? 

Wir sind beim E-Commerce immer noch am Fuße des Berges, also quasi im ersten Basislager. Die Entwicklung hat noch gar nicht richtig angefangen, schon gar nicht weltweit. Da ist noch sehr viel Luft und Wachstum nach oben, das können wir uns derzeit noch überhaupt nicht vorstellen. Allerdings reichen die vorhandenen Technologien völlig aus, um dieses Wachstum zu ermöglichen und zu bedienen. Dafür braucht man grundsätzlich keinen Paketkopter.

(Peter Giesecke)

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