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Deutschlandradio: Immer mehr GEZ-Gebührenmuffel

Das Deutschlandradio erhält nach eigenen Angaben acht Prozent weniger Einnahmen als ihm rechnerisch zustehen. Immer mehr Verbraucher seien Anhänger der "Gratis-Kultur", auch die neue Haushaltsabgabe bringe dem öffentlich-rechtlichen Sender keine Mehreinnahmen.

21.12.2010, 17:01 Uhr (Quelle: DPA)
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Deutschlandradio-Intendant Willi Steul sieht den öffentlich-rechtlichen Rundfunk von einer wachsenden Zahl von Gebührenverweigerern bedroht. "Wir erleben ein Abbröckeln der Einnahmen, die nicht nur auf die Befreiung von der Gebühr aus sozialen Gründen zurückzuführen ist", sagte Steul vor Journalisten in Berlin. Möglicherweise führe die im Internet übliche "Gratis-Kultur" zu einem schwindenden Bewusstsein für die Kosten medialer Angebote. Die jüngst beschlossene Haushaltsabgabe für den Rundfunkempfang könnte ab 2013 zu einer besseren Erfassung der Nutzer führen, er rechne aber nicht mit Mehreinnahmen durch die Reform.

Deutschlandradio erhielt zu wenig Gebühren

Das Deutschlandradio mit seinen Programmen Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und dem digitalen DRadio Wissen müsse acht Prozent weniger Einnahmen verkraften als ihm rechnerisch zustehe. Zwei Millionen Menschen zahlten ausschließlich 5,76 Euro Pflichtgebühr für den Radioempfang. Bei dieser Hörergruppe werde es einen "echten Erklärungsbedarf" geben, wenn sie ab 2013 die Gesamtgebühr von 17,98 Euro ausgeben müssten.

Am 1. August 2011 will das Deutschlandradio die digitale Ausstrahlung des Programms über Antenne starten. Nachdem sich eine Gruppe von Privatsendern und der Netzbetreiber Media Broadcast auf den Betrieb eines nationalen Digitalradio-Netzes (DABplus) einigten, rechne er nun mit der Bewilligung der Finanzmittel in Höhe von 12 Millionen Euro für seinen Sender, sagte Steul. Das Netz soll in Zukunft 90 Prozent aller möglichen Zuhörer erreichen.

Digitalsender im Aufwind

Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der öffentlich-rechtlichen Sender (KEF) hatte die Freigabe an die Einigung auf das Sendernetz geknüpft. Der Erfolg von DABplus werde sich am Markt entscheiden, sagte Steul. Die Autoindustrie sei bereit, ab sofort Digitalchips in die Autoradios einzubauen. Mit dem Digitalradio gibt es weder Rauschen noch Empfangsstörungen, die Frequenz stellt sich bei Bewegung automatisch ein. Über das Display können Zusatzinformationen verbreitet werden.

Der vor knapp einem Jahr gestartete Digitalsender DRadio Wissen erweist sich nach Darstellung seiner Macher als großer Erfolg. Mit 120 Millionen Podcast-Abrufen seien die kühnsten Erwartungen übertroffen worden, sagte Steul. Das Programm, das vor allem um Themen der Wissensgesellschaft kreist, ist über Kabel, Satellit oder im Internet zu empfangen.

Mit 453.000 täglichen Hörern erreiche Deutschlandradio Kultur so viele Hörer wie nie zuvor, sagte Steul. Das Durchschnittsalter liege bei 48 Jahren und damit deutlich unter dem der ARD-Radiowellen. Den Deutschlandfunk aus Köln hören täglich rund 1,5 Millionen Menschen. Ein wichtiger Schritt zu mehr Reichweite sei mit der Zuweisung der UKW-Frequenz 96,5 Mhz in Langenberg (Nordrhein-Westfalen) gelungen, die bisher dem britischen Militärsender BFBS gehörte. Auf einen Schlag habe Deutschlandradio Kultur im Ruhrgebiet die Reichweite von 1,2 auf 10,8 Millionen Menschen steigern können.

(Jörg Schamberg)

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