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Deutschland noch immer Breitband-Wüste

Jedes Jahr zur CeBIT schwärmt die Branche von neuem über die bunte Informationsvielfalt und den enormen Spaßfaktor, den Breitband-Anwendungen bieten. Trotzdem ist Deutschland immer noch ein kleines Licht auf diesem Gebiet.

09.03.2005, 12:04 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Multimedia-Haus, mobiles Fernsehen, Video on Demand, Telefonieren übers Internet – all das ist nur ein kleiner Ausschnitt des bunten Straußes an Anwendungen, den Breitband demnächst liefern soll. Sei es der Kühlschrank, die Alarmanlage oder einfach nur der übliche PC, die ans World Wide Web angeschlossen werden sollen, Grundvoraussetzung ist heute immer ein leistungsfähiger Internet-Anschluss. Aber gerade hier ist Deutschland im internationalen Vergleich immer noch Schlusslicht, wie Mercer Management Consulting in einer neuen Studie feststellen musste.
Billig, aber selten
Beim Blick über die Grenzen schrillten bei der deutschen Tochter des amerikanischen Unternehmensberaters Mercer Inc. alle Alarmglocken: lediglich 16 Prozent der Haushalte hierzulande verfügen über einen Breitband-Anschluss – gegenüber beispielsweise 41 Prozent in den Niederlanden. Selbst kleine Länder, wie die Schweiz oder Belgien, verfügen über Marktdurchdringungen von 37 bzw. 35 Prozent - von Südkorea mit 76 Prozent mal ganz abgesehen. Dabei sind, laut Mercer, in keinem anderen Land in Westeuropa die Zugänge so billig zu haben, wie hier: die Österreicher zahlen 36 Prozent, die Briten sogar über 50 Prozent mehr für einen Breitbandanschluss.
Mangel an Investitionsbereitschaft
Laut Mercer ist an diesem Technik-Debakel hierzulande der fehlende Infrastrukturwettbewerb und ausbleibende Investitionen in alternative Infrastrukturen schuld. So ist die Marktdurchdringung in den Niederlanden Ursache eines frühen und harten Wettbewerbs zwischen Kabelnetzbetreibern und DSL-Anbietern. Eine ähnliche Konkurrenzsituation ist hierzulande, trotz der hohen Abdeckung von 55 Prozent der deutschen Haushalte mit Kabelanschluss, wegen der Netzstruktur und verschiedener gescheiterter Investitionen bislang nicht realistisch.
UMTS macht Breitband Dampf
Mögliches Feuer unterm Breitband-Hintern könnte allerdings UMTS machen: Bei mehr als 70 Millionen Mobilfunkverträgen in Deutschland und wachsenden Geschwindigkeiten bemühen sich inzwischen auch die Mobilfunkanbieter um die Breitband-Klientel und kommen mit neuen mobilen Multimedia-Diensten an den Markt. Mercer prognostiziert Deutschland bis zum Jahr 2009 immerhin 35 Prozent Durchdringung mit Breitband – dann liegen wir in rund fünf Jahren immerhin da, wo Japan schon heute steht.

(Aleksandra Leon)

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