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Deutsches Kunstarchiv zeigt Privatfotos großer Künstler - Virtuelle Ausstellung im Netz

So bekannt die Werke auch sind: Welches Gesicht sich hinter den Kriegsgemälden von Otto Dix oder den dadaistischen Werken von Max Ernst verbirgt, bleibt oft verborgen. Das Deutsche Kunstarchiv Nürnberg öffnet jetzt seine Foto-Schatzkiste und zeigt ab 22. Oktober im Internet im Rahmen einer virtuellen Ausstellung seltene Bilder aus dem Privatleben namhafter Maler, Fotografen und Architekten.

15.10.2014, 00:01 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Daniel Fleck / Fotolia.com

Lange Zeit glich die historische Fotosammlung einem schwer zugänglichen Schatz. Denn wer im Deutschen Kunstarchiv in Nürnberg nach alten Porträts, Atelier- oder Familienbildern deutschsprachiger Künstler suchte, musste sich im Keller des Germanischen Nationalmuseums (GNM) meist durch lange Archivbox-Reihen arbeiten. In den dort verwahrten Nachlässen von knapp 1.400 Kunstschaffenden stießen Kunsthistoriker immer wieder auf überraschende Fotos - oft verborgen zwischen Stapeln von Briefen und privaten Dokumenten der Künstler.

33.000 Fotos zeigen Künstler von privater Seite

Diese mühevollen Recherchen können sich Fachleute und Kunstinteressierte künftig sparen: 4.000 Fotos aus den Nachlässen deutschsprachiger Kunstschaffender will das Deutsche Kunstarchiv bis zum nächsten Frühjahr ins Internet stellen. 450 davon werden bereits vom 22. Oktober an in einer virtuellen Ausstellung gezeigt anlässlich des 50. Geburtstag des Kunstarchivs. "Gesichter des Deutschen Kunstarchivs" zeigt neben der beruflichen häufig auch die private Situation von Malern, Grafikern, Architekten, Kunstwissenschaftlern und Kunstsammlern

Den Anstoß für die Digitalisierung hatte ein Gemeinschaftsprojekt von neun Archiven der Leibniz-Gemeinschaft gegeben. Seit 2012 scannen neun deutsche Museen und Archive Fotos wichtiger Persönlichkeiten ihrer jeweiligen Fachgebiete ein. Bis zu 33.000 Fotos sollen im Rahmen des Projekts "DigiPortA" ins Internet gestellt werden - eine Fundgrube für alle, die bei Recherchen die Gesichter zum jeweiligen Forschungsgegenstand suchen.

Bilder zeigen auch Künstler-"Musen"

Die Leiterin des Deutschen Kunstarchivs, Birgit Jooss, war über die Ausbeute selber erstaunt: Neben klassischen Künstlerporträts und Atelierfotos stießen sie und ihre Kollegen in den Nachlässen auf viele Aufnahmen, die Einblicke ins Privatleben liefern.

"Beispielsweise sind auf etlichen Aufnahmen die Ehefrauen der Künstler zu sehen, über die man sonst wenig weiß. Sie bekommen dank dieses Projekts endlich auch ein Gesicht." Etliche Bilder zeigen Künstler bei Festen und Partys, auf Reisen oder als Soldaten im Krieg, wie etwa den Maler Otto Dix.

Diese Entdeckungen motivierten die Macher des Kunstarchivs zu der Präsentation im Internet. "Wir waren so begeistert, dass wir meinten: Da muss man mehr draus machen", sagt Jooss. Sie erhofft sich von dem künftig deutlich erleichterten Zugang zu den Bildquellen auch neue Impulse für die kunsthistorische Forschung. "Wir haben viele Fotos, die Künstler zusammen mit unbekannten Freunden und Künstlerkollegen zeigen. Vielleicht bekommen wir durch die stärkere Verbreitung per Internet Hinweise, um wen es sich bei den Abgebildeten handelt."

Max Kruse im Historienkostüm

Das Kunstarchiv, das größte Archiv für schriftliche Nachlässe zur deutschsprachigen Kunst und Kultur, hat keineswegs nur Fachleute im Blick: "Die Ausstellung wendet sich an alle, die an Kunst oder historischen Fotografien interessiert sind."

Etliche Aufnahmen stammen aus der Anfangszeit der Fotografie. Das älteste Foto entstand im Jahr 1870. Ein Foto von 1888 zeigt Max Kruse, den Ehemann der Puppengestalterin Käthe Kruse, in einem Historienkostüm, mit dem er sich an einem Künstlerzug anlässlich der Silbernen Hochzeit von Großprinz Friedrich in Berlin beteiligte.

Manche Fotos illustrieren das Lebensgefühl der Künstler und ihre Zeit besser als schriftliche Dokumente. Zur Sammlung gehört beispielsweise ein Passbild von Otto Dix aus dem Jahre 1955, das eingeheftet war in eine "Aufenthaltsgenehmigung der Französischen Zone für Sperrgebiete".

Ein Foto von 1910 zeigt den Künstler Karl Arnold auf einem Sofa in seinem Arbeitszimmer - vor Wandteppichen, die anscheinend aus dem kolonialen Afrika stammten. Im selben Jahr ließ sich der Maler Franz Marc entspannt mit seinem Hund und beim Teetrinken ablichten.

(Dorothee Monreal)

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