Verbraucherstudie

Deutsche sind bei Handy-Zahlung besonders zögerlich

Die Deutschen sind einer neuen Studie zufolge besonders zögerlich beim Bezahlen mit den Handy. Nur 5 Prozent haben ihr Smartphone schon einmal dafür benutzt. Warum sind gerade die Deutschen so skeptisch?

mobil bezahlen© Artur Marciniec / Fotolia.com

München - Laut der Befragung von 2.500 Bewohnern zehn europäischer Länder nutzten Ende vergangenen Jahres nur 5 Prozent der deutschen Verbraucher ihr Smartphone zum Bezahlen, schreiben die Finanzexperten der Unternehmensberatung PwC Strategy& in der am Dienstag in München veröffentlichten Untersuchung. Das war der niedrigste Wert. An der Spitze lagen die Schweden, von denen immerhin ein Drittel bereits das Handy zum Zahlen benutzt hatte.

Die Smartphone-Bezahlysteme sind in Deutschland auch vergleichsweise spät gestartet: Google Pay gibt es seit Juni 2018, Apple Pay seit Dezember 2018. Zum Vergleich: In Großbritannien wurden die Dienste schon im Mai 2016 (Google) und Juli 2015 (Apple) eingeführt.

58 Prozent wollen auch künftig nicht mobil bezahlen

Unter den deutschen Verbrauchern sahen darüber hinaus 58 Prozent der Befragten keinen Grund, der ihnen in Zukunft das mobile Bezahlen schmackhaft machen könnte. Der Anteil von Skeptikern lag damit über dem jedes anderen teilnehmenden Landes. Befragt wurden Verbraucher in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Polen, den Niederlanden und Schweden.

Hauptsorge: Datenschutz

Eine Hauptsorge der Verbraucher ist laut Studie die mit dem mobilen Bezahlen verbundene Übermittlung persönlicher Daten an Finanzdienstleister. PwC befragte darüber hinaus auch knapp 60 Manager der Finanzbranche - die demnach die Bereitschaft der europäischen Verbraucher zur Offenlegung persönlicher Daten weit überschätzten.

Nach den Statistiken der Bundesbank nimmt die Zahl der elektronischen Bezahlvorgänge zwar auch in Deutschland Jahr für Jahr zu, doch die Abneigung gegen die Übermittlung persönlicher Daten an Finanzdienstleister ist laut der PwC-Studie groß, und das nicht nur in Deutschland.

Verbraucher möchten keine persönlichen Daten teilen

So erklärten drei Viertel der befragten Franzosen und mehr als zwei Drittel der Deutschen, sie würden ihre Daten mit niemandem teilen wollen, auch wenn sie dafür mit finanziellen Anreizen oder zusätzlichen Dienstleistungen belohnt würden. IT-Konzerne wie Google, Apple und Amazon haben demnach mit noch viel größerem Misstrauen zu kämpfen als Banken: Sogar im Handy-begeisterten Schweden erklärten nur 8 Prozent, sie würden persönliche Daten den IT-Riesen zur Verfügung stellen wollen.

Weitere Hindernisse beim Bezahlen mit dem Handy

Abgesehen von der Zurückhaltung der Bürger stehen der Verbreitung des mobilen Bezahlens in Europa auch andere Hindernisse im Weg, wie die Studienautoren schreiben. So fehle ein paneuropäisches Bezahlsystem - derzeit gebe es 15 nationale elektronische Bezahlsysteme und eine noch größere Zahl von Online- und Mobilzahldiensten, die ebenfalls überwiegend länderspezifisch seien.

Die Unternehmensberater plädieren für einen schnelleren Abschied vom Bargeld. Sie argumentieren, dass elektronisches Bezahlen für die Verbraucher bequemer sei und bessere Kontrolle der eigenen Finanzlage ermögliche. "Deutsche Verbraucher erkennen noch nicht den praktischen Mehrwert der neuen Datenhoheit, die ihnen Open Banking bietet", erklärte Studienautor Andreas Pratz.

Melanie Zecher / Quelle: DPA

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