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Deutsche Plattenfirmen fordern öffentlich-rechtlichen Musiksender

Dieter Gorny, Vorsitzender des "Bundesverband Musikindustrie", hat ARD und ZDF im Gespräch mit dem "Handelsblatt" aufgefordert, einen eigenen Musikkanal einzurichten. Der geplante öffentlich-rechtliche Jugendsender sei der falsche Weg, um eine jüngere Zielgruppe zu erreichen.

13.01.2013, 21:25 Uhr
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Die Glanzzeiten des Musikfernsehens sind eigentlich vorbei. Kanäle wie MTV oder Viva sind heute nur noch Schatten ihrer einstigen Größe. Musik ist längst Domäne des Internets. Einer der Ur-Väter des deutschen Musikfernsehens will das Rad nun allerdings ein wenig zurückdrehen – unter Einsatz öffentlich-rechtlicher Gebühreneinnahmen: Viva-Gründer Dieter Gorny hat ARD und ZDF aufgefordert, einen eigenen Musiksender einzurichten.

"Zu Kultur und Bildung verpflichtet"

Der 59-Jährige, heute Vorstandsvorsitzender des "Bundesverband Musikindustrie" (BVMI) und damit Chef-Lobbyist der Branche, sagte dem "Handelsblatt", die öffentlich-rechtlichen Programme seien aufgrund des Rundfunkstaatsvertrags zu Kultur und Bildung verpflichtet. "Mit einem Musikkanal könnten sie dieser Verpflichtung in idealer Weise nachkommen", erklärte Gorny. Auch ließe sich so die kreative Szene in Deutschland stärken.

Als Vorbild sieht der BVMI-Vorsitzende den Berliner Web-TV-Sender tape.tv. ARD und ZDF müssten mehr auf Musik mit spannenden Formaten setzen, wenn sie den weiteren Generationenabriss stoppen wollten. Das nötige Programmmaterial sei in ausreichender Zahl vorhanden: "Die Sender engagieren sich ja bereits heute im Pop-musikalischen Nachwuchsbereich und produzieren zahlreiche Musiksendungen, übertragen Konzerte von Hip-Hop bis zu Klassik", betonte Gorny. Die Kosten eines solchen Musiksenders seien angesichts von Milliardeneinnahmen der öffentlich-rechtlichen Programme zudem "überschaubar". Laut "Handelsblatt" belaufen sich die finanziellen Aufwendungen nach Expertenschätzungen auf rund 30 Millionen Euro.

Die öffentlich-rechtlichen Pläne zur Schaffung eines Jugendkanals mit breitem inhaltlichem Spektrum hält Gorny hingegen für einen Irrweg. Im November letzten Jahres hatten ARD und ZDF angekündigt, bis Mitte 2013 mit einem eigenen Angebot für die Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen starten zu wollen.

(Christian Wolf)

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