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Deutsche Mobilfunk-Netzbetreiber fordern mehr Weitsicht bei der Regulierung

Die vier deutschen Mobilfunknetzbetreiber halten die geplante Absenkung der Mobilfunk-Terminierungsentgelte für ein grundsätzlich falsches Signal.

19.11.2012, 15:13 Uhr
Smartphone© goodluz / Fotolia.com

Möglicherweise schon bald wird das Telefonieren mit dem Handy günstiger. Mit der von der Bundesnetzagentur anvisierten Preissenkung bei den Terminierungsentgelten könnten nicht nur die Minutenpreise bei klassischen Discounttarifen sinken, sondern auch preiswertere Allnet-Flatrates realisiert werden. Denn die vier deutschen Netzbetreiber sollen sich – vorbehaltlich einer Zustimmung der EU Kommission - in Zukunft deutlich weniger für die Übermittlung von Gesprächen zwischen den einzelnen Netzen berechnen dürfen.

Telekom und Vodafone üben Kritik

Statt bisher zwischen 3,36 und 3,39 Cent pro Minute soll ab dem 1. Dezember ein für alle Marktteilnehmer einheitlicher Minutenpreis in Höhe von 1,85 Cent gelten und ein Jahr später eine weitere Absenkung auf 1,79 Cent folgen. Ein Plan, der bei den Mobilfunkern nicht gut ankommt. "Die Absenkung ist ein schlechtes Signal für weitere Investitionen in modernen breitbandigen Mobilfunk", teilte ein Telekom-Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion mit. Den deutschen Mobilfunkern würden mit der Entscheidung 500 Millionen Umsatz pro Jahr entzogen, was aufgrund der ohnehin angespannten Situation in der Mobilfunkindustrie schwer nachvollziehbar sei.

"Die Bundesnetzagentur folgt mit ihrer Entscheidung leider der vollkommen verfehlten EU-Regulierungspolitik im Mobilfunk der vergangenen zehn Jahre", heißt es seitens der Telekom weiter. Ähnlich kritisch äußert sich Vodafone. Die Entscheidung der Bundesnetzagentur sei "eine dramatische Absenkung, mit der erneut Geld aus dem Markt gezogen wird. Geld, das für den Ausbau neuer digitaler Infrastrukturen und für die Errichtung der Breitbandziele des Bundes wie der EU dringend benötigt wird", teilte der Netzbetreiber mit. Weil die deutsche Mobilfunkindustrie derzeit Milliarden Euro in den Aufbau von LTE-Netzen investiere, sei die Terminierungsabsenkung ein "völlig falsches Signal".

Telefónica und E-Plus haben Entscheidung erwartet

Die Forderung von Vodafone ist eindeutig. "Wir brauchen ein neues Regulierungsverständnis in Europa, das Investitionen und Wachstum in den Vordergrund stellt." Überraschend sanftmütige Töne sind hingegen aus München zu vernehmen. Eine Sprecherin von Telefónica Deutschland teilte auf Anfrage mit: "Die vorläufige Entscheidung der Bundesnetzagentur, die Terminierungsentgelte zu senken, kommt für uns nicht überraschend. Denn in anderen EU-Ländern haben die Regulierungsentscheidungen bereits zu deutlichen Senkungen geführt. Allerdings sind wir angesichts des aktiven Wettbewerbsumfelds und der Tarifentwicklung der letzten Jahre der Meinung, dass der deutsche Mobilfunk-Markt sehr gut funktioniert und heute keine beziehungsweise eine weniger starke Regulierung braucht."

Ganz ähnlich sieht die Reaktion der E-Plus Gruppe aus. Die Absenkung entspreche dem Trend in der EU, "gleichwohl halten wir Absenkungen wie diese in der derzeitigen Hochinvestitionsphase beim Ausbau mobiler Breitbandnetze grundsätzlich für das falsche Signal", erklärte ein E-Plus-Sprecher. "Entscheidungen wie diese sind kontraproduktiv für die politischen Ziele einer Breitbandgesellschaft."

(Hayo Lücke)

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