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Deutsche knausern bei der Handy-Nutzung

Während unsere europäischen Nachbarn teils stundenlange Gespräche per Handy führen, greifen Deutsche meist immer noch nur im Notfall zum Taschenfunker.

31.05.2006, 18:10 Uhr
SMS schreiben© Andres Rodriguez / Fotolia.com

Fahren die Deutschen nach Italien oder Frankreich in den Urlaub, wundern sie sich regelmäßig über die Handymania der europäischen Nachbarn. Während dort stundenlange Gespräche im Mobilfunk geführt werden, greift unsereins immer noch nur im Notfall zum Taschenfunker. Das liegt aber nicht etwa an einem unterentwickelten Kostenbewusstsein der Italiener und Franzosen, sondern vielmehr an den überhöhten Preisen für Handygespräche hierzulande, meinen die Experten von debitel-light.
Deutsche zahlen 4,8 Mal mehr
Den bei uns oft gehörten Satz "Warte, ich ruf nachher schnell vom Festnetz zurück" scheint es in anderen Sprachen gar nicht zu geben, stellt die Discount-Tochter von debitel fest. Das sei auch kein Wunder, da in Deutschland die Mobilfunkminute immer noch 4,8 Mal teurer als die Festnetzminute ist, die Franzosen zahlen hingegen nur 1,8 Mal mehr. Das wirkt sich natürlich auf die Häufigkeit aus, mit der zum Handy gegriffen wird: während die Deutschen durchschnittlich 45 Minuten im Monat mobil plaudern, sind es in England bereits 88 Minuten, in Frankreich sogar 144 Minuten monatlich.
So ist auch der durchschnittliche Umsatz pro Kunde (ARPU) in Deutschland geringer: in Frankreich, England oder Spanien werden hier 30 Euro und mehr erzielt, Deutschland hingegen lag 2004 nur bei etwa 24 Euro. Dafür nutzen unsere Nachbarn allerdings laut debitel-light viel eher ein "selbst gekauftes" Handy, während hierzulande gern zu subventionierten 0-Euro-Geräten gegriffen wird.
Discounter machens günstiger
Doch hier soll Deutschland zukünftig aufholen: für 2010 soll der ARPU immerhin auf über 28 Euro ansteigen. Das liegt aus Sicht von debitel-light natürlich nicht zuletzt an den Discounter-Angeboten, die in letzter Zeit den deutschen Markt eroberten. Statt einem subventionierten Handy, das über monatliche Grundgebühren oder höhere Minutenpreise refinanziert werde, bieten sie weniger günstige oder gar keine Endgeräte, dafür aber auch geringere Minutenpreise.
Einen weiteren Vorstoß in Sachen günstige Handy-Tarife wagt nun auch die Bundesnetzagentur: ihr Chef Matthias Kurth erklärte eine zukünftige Regulierung der Terminierungsentgelte im Mobilfunk für sehr wahrscheinlich. Denn diese Netzentgelte, die Mobilfunkanbieter für Gespräche aus dem Festnetz in ihre Netze verlangen, gelten als stark überteuert und schrauben die Minutenkosten in die Höhe. Diese Terminierungsentgelte sind teilweise bis zu viermal höher als Entgelte für Anrufe von Handynutzern ins Festnetz.

(Aleksandra Leon)

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