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Deutsche ignorieren Handyverbot im Auto

Das Handy am Steuer während der Fahrt wird mit einem Bußgeld geahndet, doch laut einer Umfrage der DEKRA ist der Mehrheit der Deutschen das Handyverbot schlicht egal.

27.01.2010, 13:11 Uhr
SMS© TristanBM / Fotolia.com

Das Handy ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Überall wird mobil telefoniert: Im Bus, in der Bahn – und im Auto. Die als pflichtbewusst geltenden Deutschen ignorieren recht häufig das Handyverbot am Steuer. Das ergab eine Umfrage der Sachverständigen von DEKRA. Mehr als jeder fünfte Fahrer – 22 Prozent der 1.800 Befragten – telefoniert während der Fahrt in Autos ohne Freisprechanlage.
Handyverbot ist vielen egal
Das Paradoxe: Über 90 Prozent der Fahrer sind sich demnach bewusst, dass das Telefonieren während der Fahrt gefährlich ist. Dennoch ist 58 Prozent das Verbot zur Nutzung eines Mobiltelefons schlichtweg egal. Wird ein Autofahrer auf frischer Tat ertappt, wird in Deutschland ein Bußgeld in Höhe von 40 Euro sowie eine Bestrafung mit einem Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei fällig. Im Ausland drohen saftigere Strafen beim Handy am Steuer: in Italien kann die Polizei für das Vergehen fast 600 Euro in Rechnung stellen.
Doch warum wird in Deutschland das Verbot missachtet? 20 Prozent der Autofahrer gehen laut DEKRA-Umfrage davon aus, dass nur selten kontrolliert werde. Gerne wird auch die Kostenfrage als Argument gegen die Anschaffung einer Freisprechanlage vorgebracht: 31 Prozent der Befragten sahen dies als zu teuer an. Besonders viele junge Autofahrer - 41 Prozent - wurden demnach vor allem durch einen zu hohen Preis vom Kauf einer Freisprechanlage abgehalten. Rund ein Viertel der Befragten gab dagegen an, dass ihr gerade neu angeschafftes Handy nicht zu der Freisprechanlage passen würde. Bei einer Verkehrskontrolle werden sich die Polizisten allerdings schwerlich von solchen Argumenten beeindrucken lassen. Zudem sind Bluetooth-Headsets schon für wenige Euro zu haben.
Zwang der ständigen Erreichbarkeit
Die heute durch mobiles Internet und multimediafähige Smartphones ständig gegebene Erreichbarkeit erzeugt auch Zwänge, denen sich viele nicht mehr entziehen können. Etwas mehr als jeder vierte Autofahrer (26 Prozent der Umfrageteilnehmer) können laut DEKRA auf das Telefon im Auto nicht mehr verzichten. Besonders "schlimm" hat es dabei die Männer getroffen. Mit 29 Prozent geht immerhin fast ein Drittel von ihnen davon aus, dass sie im Auto "unbedingt telefonisch erreichbar" sein müssen. Dies sei aber nur für 19 Prozent der Frauen von Belang. Immerhin verfügen 40 Prozent der männlichen Fahrer über ein Freisprechgerät im Auto, mit 24 Prozent hatte nur knapp ein Viertel der weiblichen Fahrer ihr Auto mit dieser Technik ausgestattet.
DEKRA: Telefonieren während der Fahrt lenkt ab
Den DEKRA-Experten bleibt angesichts manch leichtsinnigen Autofahrers nur das Warnen vor dem Telefonieren am Steuer – selbst mit einer Freisprechanlage sei dies nicht immer ungefährlich. Durch ein Telefongespräch seien die Autofahrer abgelenkt und können damit nicht mehr voll konzentriert dem Verkehrsgeschehen folgen. "Besonders riskant ist es, während der Fahrt auf das Telefon zu schauen, zum Beispiel, um eine Nummer aufzurufen", so Jörg Ahlgrimm, Unfallanalytiker bei DEKRA. Er weist darauf hin, dass Gespräche ohne Freisprecheinrichtung nicht angenommen werden sollten. Stattdessen empfiehlt er möglichst schnell an einer geeigneten Stelle anzuhalten und dann selbst zurückzurufen.

(Jörg Schamberg)

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