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Deutsche E-Mails ab 2013 ohne "@"

Die Bundesregierung plant im Kampf gegen Spam eine Revolutionierung des deutschen E-Mail-Verkehrs. Die sichere De-Mail soll für alle verpflichtend werden. Außerdem soll das "@"-Zeichen, das E-Mail-Adressen auf Webseiten für Spammer leicht identifizierbar macht, ersetzt werden.

Datenverkehr© Julien Eichinger / Fotolia.com

Wer eine E-Mail schreibt, kommt an einem Zeichen nicht vorbei: grundlegender Bestandteil jeder elektronischen Nachricht ist das "@". Das umgangssprachlich beispielsweise auch "Klammeraffe" genannte Zeichen verbindet Benutzername und Domainname. Doch dem angeblich seit dem Mittelalter, lange vor der Erfindung des Internet, bekannten At-Zeichen droht Ungemach – aus Berlin. Im Kampf gegen Spam plant die Bundesregierung eine Neuerung für den E-Mail-Verkehr innerhalb Deutschlands.

"@" wird Spam-Opfer - De-Mail Pflicht für alle

Das abstrakte "@"-Zeichen soll aus den E-Mails verschwinden. Anhand des At-Zeichen sind E-Mail-Adressen im Netz leicht identifizierbar, da Spammer regelmäßig zahlreiche Webseiten wie private Homepages nach neuen Mail-Adressen durchsuchen. Ein neuer Standard bei der E-Mail-Architektur soll dem entgegenwirken.

Damit verbunden werden soll zudem die für jeden deutschen Internetsurfer verpflichtende Nutzung der gerade erst frisch eingeführten sicheren De-Mail. Ein im Auftrag der Bundesregierung von der "Deutschen Agentur zur Regulierung der elektronischen Kommunikation" (DAReK) erstellter Entwurf wurde nun im Bundeswirtschaftsministerium vorgestellt.

Als möglicher neuer Platzhalter soll ein Komma (",") an die Stelle des At-Zeichens treten. Statt vorname.nachname@domain.de würde die E-Mail-Adresse laut den derzeitigen Planungen dann beispielsweise vorname.nachname,anbieter.de-mail.de heißen. Spammer könnten E-Mail-Adressen nicht mehr einfach aus Webseiten auslesen, da das Komma häufiger in Texten vorkommt. Anbieter von De-Mail-Adressen sind derzeit die Deutsche Telekom sowie Web.de und GMX.

Neue E-Mail-Adressen bereits ab 2013

Schon ab 2013 könnte es laut Thomas Meierfeld, Leiter der DAReK-Arbeitsgruppe, zur schrittweisen Umstellung der E-Mail-Adressen kommen. Die Bundesregierung ist bestrebt, die E-Mail-Reform noch vor den 2013 anstehenden Bundestagswahlen umzusetzen. Doch wie steht es mit dem elektronischen Nachrichtenverkehr ins Ausland? "Die Provider schalten einen zusätzlichen Server zur "Übersetzung" der neuen E-Mail-Adresse zwischen. Denn das Internet und damit auch der E-Mail-Verkehr macht nicht an den deutschen Grenzen Halt", sagt Meierfeld. Wird beispielsweise eine E-Mail an einen Adressaten außerhalb Deutschlands gesendet, wird die Empfängeradresse automatisch in das derzeit noch weltweit gültige E-Mail-Format mit "@" umgewandelt. An .de-Domains gerichtete elektronische Post soll sich von Computern mit deutschen IP-Adressen ab 2013 nicht mehr mit dem "Klammeraffen" verschicken lassen. Auf internationaler Ebene will die Bundesregierung zunächst innerhalb der EU auf eine Reform der E-Mail-Adressen hinwirken.

Kritiker bemängeln die hohen Kosten, die mit einer Umstellung aller deutschen E-Mail-Adressen verbunden wären. Denn neben den rein technischen Änderungen auf den Mail-Servern müssten beispielsweise auch Visitenkarten oder Briefpapier angepasst werden. Meierfeld kann solche Argumente jedoch anschaulich entkräften. "Wir gehen bei der Umstellung von Gesamtkosten von rund 630 Millionen Euro aus". Diese enorme Summe relativiere sich allerdings beim Blick auf den durch Spam verursachten wirtschaftlichen Schaden. Denn laut einer aktuellen Studie des "Aachener Instituts für Arbeitsrationalisierung" (AIA) verwenden Mitarbeiter in deutschen Unternehmen täglich rund neun Minuten ihrer Arbeitszeit nur auf das Öffnen und Löschen von Spam in ihren E-Mail-Postfächern. Jährlich koste diese unproduktiv genutzte Zeit die deutsche Wirtschaft knapp 1,1 Milliarden Euro.

Zustimmung der Opposition noch ungewiss

Erst Ende Februar hat der Deutsche Bundestag das Gesetz zur De-Mail verabschiedet. Die verpflichtende Nutzung der De-Mail für alle Bundesbürger sowie die Formatänderung der Adressen ohne "@" bedarf einer erneuten Gesetzesänderung. Alle Parteien haben sich für eine Intensivierung des Kampfes gegen Spam ausgesprochen. Ob die Opposition das nun angedachte Vorhaben unterstützt, gilt als ungewiss, zumal sich nach den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz die Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat verändert haben. Die Abschaffung des "@"-Zeichens und die verpflichtende Nutzung der De-Mail kann daher nicht einfach durchgewunken werden.

(Jörg Schamberg)

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