News

Deutsch-iranische Techie-Freundschaft

Auf der Berliner domain pulse, der Fachkonferenz von Denic, nic.at und SWITCH, kamen sich Iraner und Deutsche problemlos näher. Zumindest auf technischer Ebene.

28.02.2006, 08:00 Uhr
Browser© Diego Cervo / Fotolia.com

Die Denic kann zufrieden sein: sowohl ihr technisches als auch ihr wirtschaftliches Wachstum sind beeindruckend. Und auch das iranische Pendant IRNIC zeigte sich optimistisch. Die Zahlen sprechen für die beiden Registrare.
Sabine Dolderer vom deutschen .de-Registrar Denic eröffnete vor einigen Wochen die Branchenkonferenz domain pulse mit ihrer Begrüssungsrede und präsentierte zugleich die Ergebnisse der Arbeit von Denic. Das technische Setup habe der Registrar aufgrund der gestiegenen Anforderungen ausgebaut, so Dolderer: die Name Server Locations seien leistungsfähiger geworden und würden Auslastungsspitzen noch besser abfedern können, da die durchschnittliche Maximalbelastung dauerhaft auf unter 5 Prozent gedrückt werden konnte. Zudem würden mehr und mehr Rechenzentren auch im Ausland stehen, um für Redundanz zu sorgen. Der allgemeine Betrieb laufe somit problemlos - alles sei "im grünen Bereich".
Zur eigenen Domain in weniger als einer Sekunde
Doch auch Spezialbereiche der Denic´schen Arbeit entwickelten sich bestens, so Dolderer weiter. Ein großes Registrarthema sei die eingeführte Echtzeitregistrierung von .de-Domains geworden. Während bisher die durchschnittliche Antwortzeit für eine Registrierungsanfrage unter zwei Minuten lag, kann sie mit dem neuen System in Echtzeit durchgeführt werden. Die Antwortzeit beträgt nun im Mittel unter einer Sekunde. Für die Sicherheit sorge das TLS-Protokoll. Ende 2003 habe man die erste Arbeitsgruppe initiiert, im Frühjahr 2004 einen Designvorschlag erarbeitet und seit Juni 2005 befindet sich die zusätzliche Schnittstelle in Betrieb. Derzeit habe die Denic 37 Mitglieder im Produktiv- und 75 weitere im Testbetrieb.
Schließlich kam Dolderer auf ENUM zu sprechen. Die Denic war mit .de die erste Länderkennung, die eine Delegation bei RIPE beantragt hat, so die Denic-Sprecherin. Derzeit gebe es 60 Mitglieder, die ENUM registrieren und insgesamt gut 3600 ENUM-Domains. Neben den "ENUM-Tagen" biete die Denic auch alle Vorgänge transparent und für jedermann einsehbar im Netz unter www.denic.de/de/enum an. Das Whois biete im Vergleich zur .de-Domain übrigens nur technische Informationen, so Dolderer weiter, weil von einer ENUM-Domain im Vergleich zur TLD .de keine Rechtsverletzungsgefahr ausgehe. Seit Januar dieses Jahres befindet sich das System im Wirkbetrieb. Der iranische Kollege von Sabine Dolderer, IRNIC-Vertreter Siavash Mirshams Shahshahani, plauderte anschließend aus seinem Nähkästchen. Bei der IRNIC seien derzeit 29.000 iranische und 55.000 andere Domains registriert. Sechs Vollzeit- und einige Hilfskräfte würden sich um die Arbeit beim iranischen Registrar kümmern. Die Domain .ir wurde im April 1994 eingeführt und war zu Beginn nur akademischen Institutionen vorbehalten. Seit Dezember 2003 gibt es aber eine neue Policy, die eine Liberalisierung einführte - seitdem habe die Zahl der Domainregistrierungen entsprechend stark zugenommen.
Registriere eine, erhalte zwölf
Auch das Thema IDN beschäftigte den Mann aus dem Iran: persische IDNs seien im Februar 2005 in den Testbetrieb aufgenommen worden, die Sunriseperiode startete im September des letzten Jahres und die "Open Registration"-Phase laufe seit Januar dieses Jahres. Anhand von einigen Beispielen wurde deutlich, wie schwierig das Thema IDN in komplexen Sprachen und Schriften werden kann. So müssen persische IDN-Domains oft mehrfach registriert werden, um alle Verwechslungsgefahren zu berücksichtigen.
Grund dafür sei vor allem die Nähe des Persischen zum Arabischen, so Shahshahani. Daher könne es passieren, dass im DNS pro Domain bis zu 12 Varianten bereitgehalten werden müssen. Zum Glück macht sich dies für den Domaininhaber nicht in Form von zusätzlichen Domaingebühren bemerkbar, sondern geschieht still und leise im Hintergrund.

(Stephan Humer)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang