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Der nächste Streich des Apfel-Manns

In den USA bringt Apple sein Musik-Handy iPhone in die Läden. Mit dem futuristisch anmutenden Telefon will Jobs eine kleine Revolution auf dem Handymarkt anzetteln und Apple endgültig als Trendsetter auf dem Markt für Unterhaltungselektronik etablieren.

29.06.2007, 08:01 Uhr
Internetnutzung© adam36 / Fotolia.com

Der Mann mit dem Apfel hat die Welt verändert. Mit seiner Firma Apple startete Steve Jobs in den 70er Jahren den Eroberungsfeldzug des Personal Computer. In den 80er Jahren machte er die Computerbedienung mit Hilfe der Maus kinderleicht und revolutionierte im neuen Jahrtausend mit dem zum Kultobjekt aufgestiegenen iPod das Musikgeschäft. Heute folgt der nächste Streich des 52-Jährigen: In den USA bringt Apple sein Musik-Handy iPhone in die Läden. Mit dem futuristisch anmutenden Telefon will Jobs eine kleine Revolution auf dem Handymarkt anzetteln und Apple endgültig als Trendsetter auf dem Markt für Unterhaltungselektronik etablieren.
Start in einer Garage
Wie so viele Erfolgsgeschichten des Computerzeitalters beginnt auch die von Apple in einer Garage. Die Garage in Kalifornien gehörte in diesem Fall den Adoptiveltern von Steve Jobs, der 21-Jährige baute dort Ende der 70er seine ersten Computer. Das magere Startkapital des Studienabbrechers belief sich auf 1300 Dollar und stammte aus dem Verkauf seines VW-Busses. Zuvor hatte Jobs auf einer Indienreise nach spiritueller Erleuchtung gesucht und bei Atari, der US-Kultfirma aus Elektronik-Pioniertagen, an Videospielen herumgetüftelt. In der Garage brütete er mit Kumpel Steve Wozniak eine bahnbrechende Idee aus: Computer sollten so einfach werden, dass jeder sie im Alltag bedienen kann.
Mac als Premiere
Heraus kam dabei schließlich der revolutionäre Macintosh-Computer, der von 1984 an den Weltmarkt eroberte. Jobs' Erfolg gründete auf einer Masche, die er bis hin zur Entwicklung des iPhone weiter verfeinerte: Er wittert Trends und setzt sie dann in Massenprodukte um, die durch kühnes Design und einfache Bedienung überzeugen. Musik-Handys gibt es zwar schon lange - so wie es vor dem Macintosh bereits Computer gab. Doch Jobs machte sich zur Aufgabe, Bestehendes zu perfektionieren. Neu am iPhone ist, dass es den weltweit erfolgreichen Apple-MP3-Player iPod mit einem Handy kombiniert. Und: Es wird nicht über Knöpfe bedient, sondern über einen neuartigen Berühr-Bildschirm. Jobs' Riecher für Innovation ist inzwischen so unbestritten, das selbst von Konkurrenten Lob kommt. "Was Steve geleistet hat, ist einfach phänomenal", sagte Microsoft-Gründer Bill Gates kürzlich bei einem seltenen gemeinsamen Auftritt in Kalifornien. Jobs gefällt sich weiter in der Rolle des tüftelnden Pioniers: "Ich hatte das Glück, mit dem frühen Erfolg von Apple alle Geldsorgen los zu sein", sagte er. "Deswegen konnte ich mich auf die Arbeit konzentrieren - und inzwischen auch auf meine Familie." Jobs ist seit 1991 verheiratet und hat vier Kinder. Zu den Errungenschaften seiner Junggesellen-Zeit zählt im nicht-technischen Bereich eine Affäre mit der gut 15 Jahre älteren Folk-Legende Joan Baez.
Ehrgeizige Ziele
Mit dem iPhone will Jobs im Telekombereich nachmachen, was mit dem iPod anderswo bereits gelungen ist. Mit dem Walkman des 21. Jahrhunderts und dem Online-Musikgeschäft iTunes hatte Apple die Vorherrschaft auf dem Markt der digitalen Musik erobert. Im April verkaufte Apple den hundertmillionsten iPod, das Gerät spült Milliarden in die Kasse. Im letzten Jahr rückte Jobs zudem in den Vorstand des Entertainment-Riesen Disney ein. Dessen Filme und Serien werden inzwischen zum Herunterladen über iTunes vertrieben. Apple ist kein reiner Computerkonzern mehr, sondern ein Unterhaltungs-Multi.
Ein Erfolg des iPhone würde die dunklen Stellen in Jobs' Karriere weiter überstrahlen. Den Tiefpunkt erreichte er, als 1985 einen internen Machtkampf bei Apple verlor und das Unternehmen verlassen musste. Er gründete die Firma NeXT, die 1988 einen eigenen Computer auf den Markt brachte. Er wurde zum Ladenhüter. 1997 holte Apple den früheren Chef zurück, der die Firma aus einer tiefen Krise führte. Vor einigen Monaten wurden Vorwürfe des Aktienbetrugs gegen ihn laut. Ein Ex-Apple-Manager beschuldigte ihn, hinter Schummeleien mit Aktienoptionen zu stehen. Jobs überstand die Affäre bislang ohne Schaden.

(Hayo Lücke)

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