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Der Kampf der VoIP-Protokolle

Skype, SIP oder IAX? Eine Vielzahl von Protokollen ermöglicht das Telefonieren übers Netz. Vor- und Nachteile haben alle.

03.01.2006, 09:29 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Der Bekanntheitsgrad von Voice over IP wird immer größer - genauso wie die Zahl der Anbieter und Nutzer. Doch ist mit VoIP immer das gleiche gemeint? Mitnichten, denn zwei Protokolle spalten das VoIP-Lager. Auf der einen Seite gibt es Skype, welches einfach zu benutzen und eher den Charme eines aufgebohrten Instant Messengers besitzt. Auf der anderen Seite gibt es das SIP-Protokoll, mit dem sich auch herkömmliche Telefone auf VoIP umrüsten lassen. Dritter im Bunde ist das weniger bekannte IAX-Protokoll.
Skype: Idiotensicher
Ein Publikumsliebling im VoIP-Bereich ist Skype. Die Software, erfunden von den KaZaA-Entwicklern Niklas Zennström und Janus Friis, hat ihren großen Erfolg der einfachen Bedienung zu verdanken. Keine Fummelei mit Firewalls, NATs oder irgendwelchen Einstellungen - stattdessen ein kleiner Download, Benutzer anmelden, Headset anschließen und das kostenlose Telefonieren übers Netz kann losgehen.
Die Anrufe werden Ende-zu-Ende verschlüsselt und sind somit nicht abhörbar. Eine solche Verschlüsselung wird in der Praxis bei kaum einem anderen VoIP-Provider eingesetzt. Gegen Gebühr sind auch Zusatzleistungen möglich. Mit "SkypeOut" können Anschlüsse im "richtigen" Telefonnetz erreicht werden, eine eigene Telefonnummer bekommt man über "SkypeIn". Darüber hinaus gibt es noch einen Anrufbeantworter und diverse Personalisierungen der Software, wie verschiedene Klingeltöne oder Avatare.
Intelligentes Routing
Im Gegensatz zu anderer VoIP-Software ist Skype völlig anders organisiert. Die Software verwendet das bisher nur aus dem Filesharing-Bereich bekannte "Peer-to-Peer"-Modell. So ist beispielsweise das Benutzerverzeichnis dezentral über verschiedene Nodes verteilt, ein zentrales Register gibt es nicht. Auch die Telefonate selbst werden über verschiedene Pfade geleitet. Laut Skype soll dies Verzögerungen während eines Gesprächs so gering wie möglich halten, da immer der beste Weg für die Datenpakete gewählt würde.
Doch hat Skype nur Vorteile? Nein. Der größte Nachteil ist sicherlich das Skype-Protokoll selbst. Es ist proprietär und daher nicht kompatibel zu anderen VoIP-Anwendungen. Teilnehmer anderer VoIP-Netzen sind mit Skype nicht erreichbar. Bemerkbar macht sich diese "Einzigartigkeit" auch bei den Preisen für das Skype-Zubehör. Dieses ist recht teuer und muss von Skype zertifiziert werden. Zudem muss bislang immer noch der Rechner am Laufen sein. Ein reines Hardware-Skype-Telefon, das ohne Computer auskommt gibt es noch nicht.
SIP: Offen für alles
Wer also zu Hause mit allen Telefonen komplett auf VoIP umsteigen will, wird mit Skype nicht weiterkommen. Aber es gibt Alternativen. Weit verbreitet und von vielen VoIP-Anbietern genutzt ist das offene SIP-Protokoll. Das "Session Initiation Protocol" macht, wie der Name schon verrät, nichts anderes als Sessions zwischen Teilnehmern zu verwalten.
Für die eigentliche Übertragung der Daten kommen andere Protokolle zum Einsatz. Daher können innerhalb dieser Session nicht nur Telefonate, sondern auch Videos und andere Daten übertragen werden. Bei der Internettelefonie über das SIP-Protokoll werden die digitalen Sprachdaten üblicherweise per RTP (Realtime Transport Protocol) innerhalb einer SIP-Session übertragen.
Codec kann selbst gewählt werden
Im Gegensatz zu Skype kann daher auch der Codec, mit dem die Sprache kodiert wird, vom Benutzer selbst festgelegt werden. Die Gegenstelle muss den gewählten Codec natürlich auch unterstützen. Somit kann die Sprachqualität je nach verfügbarer Bandbreite durch einen entsprechend gewählten Codec optimiert werden.
Ein großer Vorteil von SIP ist die verfügbare Hardware. So gibt es neben Hardware-Telefonen auch Router und Telefonanlagen, an die herkömmliche Analog- oder ISDN-Telefone angeschlossen werden können. Diese nutzen dann das SIP-Protokoll um die Anrufe über das Internet abzuwickeln. Wer es lieber mobil möchte, der kann sich auch mit dem "SIP-Handy" F1000 von UTStarcom über WLAN bei seinem Provider einloggen.
Große Auswahl
Ebenfalls ist man mit dem SIP-Protokoll nicht an einen Provider gebunden. Es gibt eine Vielzahl von Anbietern, die das Protokoll nutzen. Durch den erhöhten Wettbewerb führt dies zu günstigen Minutenpreisen für den Kunden. Bei einigen Anbietern erhält man zudem kostenlos eine normale deutsche Festnetznummer, ein Service, der bei Skype ersteinmal Geld kosten würde.
Auch unterstützen die Anbieter allerlei Komfortfunktionen, wie eine Anrufweiterleitung, Konferenzschaltungen oder eine Sprachmailbox. Größter Nachteil des SIP-Protokolls sind die zahlreichen Einstellungen die nötig sind, um zu telefonieren. Ein Laie muss sich ersteinmal einen Überblick verschaffen, welche Angaben wo einzugeben sind.
SIP im NAT
Zwar bieten viele der Anbieter ihre Soft- oder Hardware-Lösungen schon vorkonfiguriert an, jedoch ist in diesem Bereich Skype eindeutig einfacher. Ein weiterer Nachteil ist die NAT- und Firewall-Unterstützung. Die meisten Telefone und Software-Programme kommen mittlerweile auch damit klar, sie verwenden einen sogenannten "STUN"-Server.
Der STUN-Server hilft, die eigene, öffentliche IP zu finden. Ist diese unbekannt oder wird nur die interne IP verwendet funktionieren die Anrufe nicht. Klappt die Verbindung trotz STUN-Server nicht, ist die große Fehlersuche angesagt. Unter Umständen gelingt es dann nur durch eine Freigabe und Weiterleitung der entsprechenden Ports eine Verbindung über das SIP-Protokoll herzustellen. Da dies in bestimmten öffentlichen Netzwerken oder WLAN-Access-Points nicht möglich ist, bleibt hier nur Skype als Alternative, welches allerdings bei sehr restriktiven Firewalls ebenfalls nicht funktionieren könnte.
Unbekanntes IAX
Eine weitere Möglichkeit im VoIP-Bereich zur Übertragung von Daten ist das IAX-Protokoll. IAX steht für "Inter Asterisk Exchange" und es gehört zur gleichnamigen Open-Source-Telefonanlage Asterisk. Es kann, wie bei SIP, jegliche Arten von Daten übertragen und verwendet dafür nur einen UDP-Datenstream. Daher ist es auch einfacher in NAT- und Firewall-Umgebungen zu verwenden.
Ebenfalls unterstützt IAX das sogenannte "Trunking". Dabei werden verschiedene Telefonate in nur einem Datenstrom übertragen. IAX wird bislang allerdings nur von sehr wenigen Anbietern unterstützt, auch die Auswahl an Software für das Protokoll ist sehr gering.
H.323 - schon lange dabei
Einer der ältesten VoIP-Standards ist H.323. Er wurde bereits 1996 von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) im Rahmen einer Empfehlung definiert und von vielen VoIP-Clients, wie Microsofts NetMeeting oder GnomeMeeting für Linux, benutzt. Wie beim SIP-Protokoll werden auch bei H.323 die eigentlichen Daten per RTP übertragen. So sind auch hier Audio- und Videoübertragungen möglich.
H.323 ist eine "Umbrella"-Empfehlung, die verschiedene andere Protokolle der ITU in sich vereint. Diese regeln beispielsweise die Rufsignalisierung, Authentifizierung und andere Leistungsmerkmale. Ein Vorteil von H.323 ist, dass eine Integration in bestehende Telefonnetze von Anfang an vorgesehen war. Daher können Komfortmerkmale aus dem normalen Telefonnetz auch mit H.323 genutzt werden.
Probleme mit NATs
Größter Nachteil von H.323 sind die Probleme mit NAT-Netzwerken und Firewalls. Da Clients wie NetMeeting dynamische Ports verwenden, die ständig wechseln, können nicht einfach bekannte Ports an den betreffenden Rechner weitergeleitet werden. Oftmals kann in einem lokalen Netzwerk nur ein H.323-Client verwendet werden.
Einige Router bieten unterdessen aber eine NetMeeting-Unterstützung an, die das Problem beheben soll. Die ITU hat das NAT-Problem ebenfalls erkannt und will mit der Empfehlung H.460.18 Abhilfe schaffen. Sie soll H.323-Geräten auch die Kommunikation hinter NATs erlauben.
Wer wird sich durchsetzen?
Welches Protokoll sich letztendlich durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Alle Protokolle sind für die Zukunft gerüstet, da sie nicht nur Sprachdaten, sondern auch Videodaten übertragen können. H.323 gibt es schon lange, es ist aber erst seit kurzem für NATs gerüstet. Die Vorteile von Skype liegen in der einfachen Anwendung der Software. SIP hat seine Stärken in der offenen Architektur. Zudem sind viele SIP-Anbieter untereinander konnektiert, sodass ein kostenloses Telefonieren verschiedener SIP-Teilnehmer möglich wird. IAX führt bislang ein Schattendasein beim Endnutzer, da es hauptsächlich nur zwischen einzelnen Asterisk-Telefonanlagen eingesetzt wird.

(Christopher Bach)

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