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debitel erlebt Bauchlandung mit Handy-TV-Dienst

DMB-Angebot "watcha" wird bisher nur von 5.000 Kunden genutzt. Vermarktung im Sommer sehr enttäuschend verlaufen. Trotzdem besteht Grund zur Hoffnung.

24.01.2007, 17:39 Uhr
Smartphone© goodluz / Fotolia.com

Der Stuttgarter Mobilfunk-Service-Provider debitel ist äußerst schwach in die Vermarktung des über den DMB-Standard realisierten Handy-TV-Dienst "watcha" gestartet. Wie Oliver Steil, Marketing- und Vertriebs-Chef von debitel, heute auf der Euroforum-Jahrestagung "Telecom Trends" in Köln sagte, nutzen aktuell nur 5.000 debitel-Kunden das im Mai vergangen Jahres gestartete und inzwischen in mehreren deutschen Großstädten nutzbare TV-Angebot.
Grund zur Hoffnung
Insbesondere im Sommer sei die Vermarktung "sehr enttäuschend" verlaufen, so Steil. Unter anderem habe es Probleme mit Vertriebspartnern gegeben. So sei die Vermarktung über große Elektronikfachmärkte nicht wie gewünscht angelaufen. Trotzdem glaubt debitel an den Erfolg von Handy-TV. Die Vermarktung zum Jahresende 2006 gebe "Grund zur Hoffnung", lies Steil wissen und verwies gleichzeitig darauf, dass ein langfristiger Weg eingeschlagen werden müsse, um das Fernsehen auf dem Display des Mobiltelefons erfolgreich zu machen.
Als problematisch habe sich auch erwiesen, dass zum Start nur ein DMB-fähiges Endgerät von Samsung verfügbar gewesen sei. Inzwischen ist zwar ein zweites Gerät von LG hinzugekommen, Gespräche mit anderen Herstellern wie Nokia oder Sony-Ericsson gestalten sich nach Angaben Steils jedoch schwierig. Nach derzeitigem Stand wird es im Laufe der kommenden Monate weitere Geräte von Samsung und LG geben. Ein Ziel müsse darüber hinaus sein, DMB-Handys preiswerter als bisher anzubieten. Wohl auch aus diesem Grund führt debitel aktuell Gespräche mit No-Name-Handyherstellern.
Handy-TV vor dem Durchbruch?
Auch wenn die bisherige Vermarktung sehr ernüchternd verlaufen ist, setzt man bei debitel auf die Zukunft. Der Provider geht davon aus, dass spätestens 2010 jedes zweite Handy mit einem TV-Receiver ausgestattet sein wird. Handy-TV werde eine Funktion wie eine in das Endgerät integrierte Digitalkamera werden, zeigte sich debitel-Marketing-Chef Steil zuversichtlich. Grundsätzlich seien Mobilfunkkunden bereit, für "watcha" zu zahlen, wenn das Angebot reibungslos funktioniere und die Auswahl an Sendern ausreichend groß sei. Hier liegt aber eine der großen Hürden, mit der debitel noch zu kämpfen hat. In den meisten bisher mit DMB erschlossenen Städte sind mit dem ZDF, MTV, N24 und einem Comedy-Kanal von ProSieben-SAT.1 nur vier Kanäle auf Sendung.
Künftig will debitel nicht nur allein auf den DMB-Standard setzen, sondern auch auf den konkurrierenden DVB-H-Standard. Voraussichtlich Ende des Jahres sollen entsprechende Rahmenbedingungen mit bundesweit nutzbaren Frequenzen vorhanden sein. Neue Programmformate, interaktive Inhalte sowie Shopping- und E-Commerce-Angebote sollen dabei helfen, sowohl DMB als auch DVB-H weiter zu fördern. Wichtig sei dabei allerdings, dass diese Zusatzangebote einfach zu bedienen seien und den Kunden einen klaren Mehrwert bieten, so Steil.

(Hayo Lücke)

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