Security

Datenschützer bezeichnet Google Glass als Waffe

Nachdem Google Mitte April erste Exemplare der Hightech-Brille Glass in den USA verkauft hat, wird der Ton von Kritikern in Deutschland angesichts eines möglichen Marktstarts auch hierzulande schärfer.

25.04.2014, 10:00 Uhr
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Nachdem Google Mitte April erste Exemplare der Hightech-Brille Glass in den USA verkauft hat, wird der Ton in Deutschland angesichts eines möglichen Marktstartstarts auch hierzulande schärfer. "Die bringen diese Brille, diese Waffe zur Verletzung von Persönlichkeitsrechten, auf den Markt, um Daten zu sammeln", sagte der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert dem ARD-Magazin "Kontraste".

"Eine Katastrophe für den Datenschutz"

Google arbeitet schon lange an seiner Hightech-Brille, die mit einer Foto- und Videokamera ausgestattet ist und sich über das Smartphone des Nutzers mit dem Internet verbindet. Weichert hält das Geschäftsmodell "für rechtlich hochproblematisch, weil es in unsere Freiheitsrechte massiv eingreift".

"Sollte Google Glass massenhaft Verbreitung in Deutschland oder Europa finden, wäre das eine Katastrophe für den Datenschutz". Glass-Nutzer würden "andere Menschen aufnehmen - und zwar den Ton, das Bild, die Gesichter, die Bewegungen".

Datenschutz soll europäisch werden

Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Andrea Voßhoff (CDU), nimmt den Einzug immer kleinerer Computer in den Alltag der Menschen zum Anlass, überfällige Reformen des Datenschutzes in Europa zu fordern, der nach wie vor Sache einzelner Staaten ist. "Sind Daten global, muss auch der Schutz global sein", sagte Voßhoff im Gespräch mit "Kontraste".


Vor allem die avisierte neue Europäische Datenschutz-Grundverordnung müsse nun endlich kommen, "denn ein ganz wichtiger Punkt dieser Verordnung ist, dass Unternehmen unabhängig von ihrem Sitz dem europäischen Datenschutz unterfallen, wenn sie ihre Dienste auf dem europäischen Markt anbieten. Dann würden strengeren Normen gelten."

Gesellschaft verändert sich nachhaltig

Auch Juristen sind beunruhigt. "Wir haben es hier mit einem Instrument zu tun, das massenhaft eingesetzt auch zu massenhafter Rechtsverletzung führen wird", sagte der auf das Urheber- und Medienrecht spezialisierte Berliner Rechtsanwalt Jan Hegemann dem ARD-Magazin. Nutzer könnten sich leicht strafbar machen, wenn sie in sozialen Netzwerken Fotos von Personen veröffentlichten, ohne sie vorher um Erlaubnis zu fragen.

Hegemann geht zudem davon aus, dass unbemerkte Ton- und Filmaufnahmen das Zusammenleben in der Gesellschaft nachhaltig verändern können. "Wenn so etwas dauerhaft geschieht und wir ständig damit rechnen können, werden wir uns alle nicht mehr so frei bewegen können, wie wir das heute noch tun", sagte Hegemann. "Das ist etwas, wovor eine Gesellschaft Angst haben muss."

(Peter Giesecke)

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