News

Datenhunger steigt - Fachleute sehen Messlatte bei 300 Mbit/s

300 Megabit pro Sekunde sind in zehn Jahren vielleicht schon Standardbedarf. Das sagte jeder zweite IT-Experte in einer Umfrage. Die Bundesregierung hinkt hinterher: 50 MBit/s bis 2018 stehen auf ihrer Agenda. Bei weitem nicht genug?

04.11.2013, 17:49 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Fachleute aus der IT-Branche verlangen von der künftigen Bundesregierung mehr Anstrengungen bei Ausbau schneller Internet-Verbindungen. Dabei ist fraglich, ob die derzeitigen Ziele des Breitband-Ausbaus überhaupt erreicht werden können.

Landregionen weiter "Sorgenkinder"

IT-Experten aus Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft halten die derzeitigen Ziele der Bundesregierung für den Ausbau schneller Internet-Verbindungen für nicht ausreichend. Das ergab eine Umfrage des Forschungsinstituts TNS Infratest unter Fachleuten im Auftrag des Bundesinnenministeriums.

Knapp jeder zweite Befragte (48 Prozent) geht davon aus, dass in fünf bis zehn Jahren flächendeckende Internetverbindungen mit Übertragungsraten von 300 Megabit und mehr pro Sekunde (Mbit/s) erforderlich seien. Die amtierende Regierung hatte als Ziel genannt, bis 2018 deutschlandweit Raten von 50 MBit/s zu gewährleisten.

Diese Geschwindigkeit war laut dem "Breitbandatlas" des Wirtschaftsministeriums Ende 2012 bereits für 55 Prozent aller deutschen Haushalte verfügbar. Doch vor allem außerhalb der Großstädte sei man von einem flächendeckenden Breitbandanschluss noch weit entfernt, sagte Infratest-Geschäftsführer Robert Wieland bei der Vorstellung der Studie "Digitales Deutschland 2020" am Montag in Berlin. "Im ländlichen Bereich, da muss noch richtig nachgearbeitet werden." Auch der Deutsche Landkreistag forderte am Montag: "Es darf keine digitale Spaltung zwischen Stadt und Land geben."

Wieland hält eine schnelle Internetverbindung etwa für die Gesundheitsversorgung für unerlässlich. 50 MBit reichen seiner Ansicht nach nicht aus. Und er hat die Mehrheit der IT-Fachleute hinter sich: 59 Prozent der knapp 600 befragten Experten verlangten, dass sich der Staat finanziell für schnelleres Internet stark macht. Der Breitbandausbau müsse endlich höchste politische Priorität bekommen, heißt es in der Studie.

"Das ist auch ein Auftrag an eine neu zu bildende Bundesregierung: Es muss mehr investiert werden in den flächendeckenden Ausbau von Hochgeschwindigkeitsinternet", sagte die IT-Beauftragte des Landes Rheinland-Pfalz, Heike Raab, am Rande der Studienpräsentation. Ihr sächsischer Amtskollege Wilfried Bernhardt unterstrich das: "Das Ziel (der Bundesregierung) entspricht nicht den heutigen Herausforderungen. Wir müssen deutlich darüber hinausgehen."

In Sachen Datenschutz forderte jeder fünfte Experte strengere Regeln in Deutschland. Die Fachleute bevorzugten Regeln auf europäischer (44 Prozent) oder internationaler (31 Prozent) Ebene.

(Dorothee Monreal)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang