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Das Web - Schlaraffenland für Anwälte

Das Internet hat sich zu einem ertragreichen Geschäft für bestimmte Anwälte entwickelt - dank privater Websites, eBay und Tauschbörsen.

12.06.2006, 11:28 Uhr
Internet© arquiplay77 / Fotolia.com

Das Internet hat sich zu einem ertragreichen Geschäft für bestimmte Anwälte entwickelt: Auf privaten Websites, bei eBay-Angeboten und in Tauschbörsen lassen sich Rechtsverletzungen kostenpflichtig abmahnen. Denn Verbraucher, die es bei Erstellen eigener Angebote im Netz mit dem komplizierten Marken- und Urheberrecht aus Unkenntnis oder Sorglosigkeit nicht ganz so genau nehmen, sind schnell dran: Es drohen Abmahnschreiben, Unterlassungserklärung und Rechtsstreitigkeiten, die leicht einige tausend Euro kosten.
"sieht aus wie" strafbar
Michael Bruns, Experte der Stiftung Warentest, nennt einen der beliebtesten Fallstricke: "Man verkauft beispielsweise eine Uhr und schreibt dazu, sieht aus wie Rolex, ist aber keine." Aber schon der Hinweis darauf, dass es sich eben nicht um eine Rolex handelt, kann ein Markenrechtsverstoß sein. Denn zahlreiche Surfer suchen bei eBay gezielt nach bestimmten Waren oder Marken und bekommen dann automatisch auch jene Produkte angezeigt, die nicht ihrer Suche entsprechen, deren Markenname sich aber im Angebotstext findet. Ehrgeizige eBay-Verkäufer versuchen nämlich, mit Hilfe von prominenten Markennamen mehr Surfer auf ihre Angebote zu locken. Davon rät Bruns dringend ab. Es drohen teure Rechtsstreitigkeiten durch Markenanwälte, die sich um solche Fälle kümmern. Auch wer sein Verkaufsangebot im Internet mit kopierten Fotos aufhübscht, kann wegen Urheberrechtsverletzungen schnell vor einem Forderungsbetrag von tausend Euro stehen.
Abmahngeschäft ist lukrativ
Derartige Summen machen das Abmahngeschäft so lukrativ, dass sich Anwälte auf typische Rechtsverstöße bei eBay und anderen Internetseiten spezialisiert haben. Mitunter drängt sich gar der Eindruck auf, dass Firmen geradezu darauf bauen, dass Internetnutzer einschlägige Rechtsverstöße begehen, um dann zu kassieren.
Beispielsweise sind Stadtpläne und Landkarten urheberrechtlich geschützt. Windige Anbieter offerieren Kartenmaterial ausdrücklich zur angeblichen Gratisnutzung. Wer einen solchen Kartenausschnitt auf die eigene Homepage stellt, hat dennoch rasch eine teure Abmahnung eines Rechtsanwalts im Briefkasten, für die auf jeden Fall mehrere hundert Euro anfallen, manchmal aber auch deutlich mehr. Denn der Anbieter der Karten verfügt mitunter nicht über die Lizenz zur Verwertung im Internet. Es gibt in solchen Fällen zumindest den Verdacht, dass dubiose Anbieter diese Karten nur deshalb bereitstellen, damit Urheberrechtsinhaber teuer abmahnen können. Vorsicht ist auch bei angeblich kostenlosen Fotos im Internet angebracht. Auch wer solche Bilder ohne Genehmigung des Fotografen auf die eigene Website stellt, riskiert teuren Ärger.

(Aleksandra Leon)

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