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Das Facebook-Handy, das keines sein wird

"Come See Our New Home on Android." – Unter diesem Motto hat Facebook die Presse für Donnerstag ins Hauptquartier geladen.

03.04.2013, 15:21 Uhr
Facebook © Facebook

"Come See Our New Home on Android." – Unter diesem Motto hat Facebook die Presse für Donnerstag ins Hauptquartier geladen. Wird Mark Zuckerberg ein Smartphone präsentieren, das den Facebook-Schriftzug trägt und unter einem angepassten Android läuft? Oder wird es bloß eine neue App werden? Nicht weniger als der große Wurf wird erwartet.

Nicht auf einem Handy, sondern auf allen

Ein Hinweis auf ein Facebook-Handy könnte sein, dass das Blog "Android Police" die Vorversion einer neuen Facebook-Anwendung inspizieren konnte, die auch auf das Gerät schließen ließ, auf dem die App getestet wurde. Dieses soll HTC Myst heißen, aber nur über eine mäßige Ausstattung verfügen: 4,3-Zoll-Display, Dual-Core-Prozessor, 5-Megapixel-Kamera. Wenn so das Facebook-Handy aussehen würde, wäre es eine Enttäuschung – lediglich Mittelklasse, aber kein Spitzengerät, das es mit dem iPhone 5, Nexus 4 oder Galaxy S4 aufnehmen kann.

Aber das ist genau das Konzept von Facebook: Es soll nicht ein maximaler Profit erzielt werden wie beim iPhone oder das technische Optimum gezeigt wie beim Nexus; Facebook will möglichst alle erreichen und dabei niemandem ausschließen. Facebook ist eine Plattform, die überall laufen und selbst die Grundlage für Anwendungen sein soll, die darauf aufsetzen. Gesucht wird der größte gemeinsame Nenner, die Frage ist nur, ob Facebook die goldene Mitte oder bloß ödes Mittelmaß finden wird.

Facebook könnte den Homescreen ersetzen

Die Facebook-App, die "Android Police" in Augenschein genommen hat, ist bereits mehr als eine Anwendung, sie kann als Homescreen fungieren und nistet sich tief im Betriebssystem ein. Sie scheint aber auch so flexibel zu sein, dass sie sich auf jedem Smartphone mit Android installieren lassen wird. Es handelt sich also nicht um eine angepasste Androidversion, wie sie Amazon entwickelt hat und als Alternative zu anderen mobilen Betriebssystemen anbietet. Facebook wird sich oberhalb davon positionieren.

Dementsprechend könnte von HTC lediglich das Smartphone stammen, auf dem das neue mobile Facebook gezeigt wird. Google kürt für seine Nexusgeräte auch immer einen Hardwarepartner und hat HTC dabei zuletzt immer übergangen. HTC könnte alles in die Partnerschaft werfen, um aus der eigenen finanziellen Misere herauszukommen. Facebook wird aber nicht viel in diese Partnerschaft investieren, sondern HTC nur als Steigbügelhalter nutzen, um letztlich alle zu erreichen.

Seite 2: Weitgehende Zugriffsrechte bringen Futter für die Timeline

Es kann also durchaus sein, dass es ein Smartphone wie das HTC Myst geben wird, vielleicht auch wieder mit einer Facebook-Taste. Die gab es schon einmal, vor zwei Jahren beim HTC ChaCha und beim HTC Salsa. Die Initiative damals ging aber von HTC aus, für Facebook war das noch nicht die Lösung für eine Präsenz auf dem Smarpthone. Es ist auch noch nicht klar, was Facebook nun am Donnerstag zeigen wird. Mark Zuckerberg kann morgen nicht einfach wiederholen, dass Facebook eine Plattform sei, er muss mehr bieten. Diesmal wird es auf die konkrete Umsetzung ankommen.

Cooler als die Eltern, die auch dort sind

Um jeden einzelnen zu erreichen, muss sich Facebook auf dem Smartphone einfacher und intuitiver bedienen lassen als jedes andere soziale Netzwerk. Wer unterwegs etwas mitteilen möchte, macht dies erstens, wo auch die Freunde sind, dann aber auch nur, wo es schnell und einfach geht, denn die Alternativen sind nicht weit. Um möglichst viele zu erreichen, muss Facebook sich jedoch neu erfinden, denn bei der jüngeren Generation gilt Facebook mittlerweile schon wieder als uncool: Das ist dort, wo die eigenen Eltern sind.

Der Zugang über das Smartphone könnte tatsächlich den Unterschied machen. Die Eltern besuchen Facebook abends für eine Stunde, die Kinder sind mit dem Smartphone rund um die Uhr online. Die Integration in Android brächte nicht nur einen schnellen Zugriff über den Homescreen, sondern vor allem auch eine grundsätzliche Gewährung von Zugriffsrechten: GPS, Kamera, Mikrofon. Wer weiß, was sich Facebook da noch alles ausgedacht hat?

Futter für die Timeline

Alle Bedenken zu Datenschutz und Privatsphäre einmal beseite gelassen, dies ist eine Chance, das Smartphone zu mehr zu machen, als es jetzt bereits ist. Die eigene Timeline könnte auf diese Weise mit viel mehr Informationen gefüttert werden – ohne Zutun des Nutzers. Sie würde nicht nur alle Aktivitäten auf einem Zeitstrahl abbilden, sondern könnte tatsächlich das tägliche Leben aufzeichnen. Wie die Nutzer dann allerdings mit dieser Überfrachtung an Informationen umgehen, ist ein anderes Thema.

Auf eine große Überraschung sollte jedoch niemand hoffen. Die Erwartungen im Vorfeld einer Facebook-Präsentation wurden in den letzten Jahren immer wieder enttäuscht. Dies betraf die ersten große Pressekonferenz zu Facebook Mobile, aber auch kürzlich die Vorstellung von Graph Search – auch wenn dort etwas vorgestellt wurde, dass die Nutzung von Facebook grundlegend verändern könnte. Es hatte an diesem Abend nur noch keiner gemerkt. So unspektakulär könnte es auch morgen Abend zugehen.

(Peter Giesecke)

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