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Daimler-Chef Zetsche: Unfälle auch bei selbstfahrenden Autos unvermeidbar

Für Daimler-Chef Dieter Zetsche steht fest: Selbstfahrende Autos erobern bald unsere Straßen, die Technik dafür ist bereit. Unfälle lassen sich auch mit dieser Technologie aber nicht komplett vermeiden.

10.01.2015, 12:01 Uhr (Quelle: DPA)
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Der in Las Vegas präsentierte selbstfahrende Mercedes-Prototyp dürfte laut Daimler-Chef Dieter Zetsche im nächsten Jahrzehnt regulär auf die Straße kommen. "Wir werden sicher schon in den nächsten Jahren auch mit höheren Geschwindigkeiten auf Strecken wie Autobahnen autonom unterwegs sein", sagte Zetsche in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur auf der Technik-Messe CES in Las Vegas. Man müsse Schritt um Schritt vorgehen. "Ein Auto, wie es draußen auf dem Messestand steht, sehe ich im nächsten Jahrzehnt auf der Straße."

Technik bereit - Ethische und rechtliche Fragen offen

Dabei sei die Klärung offener rechtlicher und ethischer Probleme für den Zeitplan entscheidend - "die wesentlichen Technologien dafür sind schon serienreif". Dabei gehe es neben Haftungsfragen auch um das Verhalten der Technik bei einem Unfall.

Zetsche hatte das Problem schon bei der Präsentation des von Grund auf für das autonome Fahren entwickelten Prototypen F015 ungewöhnlich offen für einen Autokonzern-Chef angesprochen. Es gehe um Situationen, "wenn die einzige Wahl zwischen dem Zusammenstoß mit einem kleinen Auto oder einem großen Lastwagen ist, oder es in einen Graben oder in eine Wand zu fahren - oder man riskiert, eine Mutter mit Kinderwagen oder einen 80-jährigen Großvater zu erfassen".

Unfälle weiterhin unvermeidbar - Autos folgen vorgegebenem Algorithmus

Das Auto entscheide dabei nicht selbst, sondern folge nur dem vorgebenem Algorithmus, betonte Zetsche in dem dpa-Interview. "Diese Entscheidungen werden von den Herstellern und dem Gesetzgeber gemeinsam getroffen werden müssen." Solche Situationen würden zwar in der Zukunft ungleich seltener eintreten als heute - "aber auch für diese wenigen Fälle muss man diese Diskussion führen".

Die ethische Frage ist ein ernsthaftes Problem für die Ära der selbstfahrenden Autos. "Es wird Unfälle geben", sagte ein Manager eines großen internationalen Autozulieferers in Las Vegas. Darauf müsse man sich vorbereiten. Es sei eine Gefahr für die Branche, dass diese Situationen in der öffentlichen Wahrnehmung mehr Aufmerksamkeit erwecken als die vielen vermiedenen Unfälle.

Allianz will auch selbstfahrende Autos versichern - Führerschein weiterhin erforderlich

Europas größter Versicherer Allianz wird auch Versicherungsschutz für selbstfahrende Autos anbieten. Das sagte Allianz-Manager Alexander Vollert dem Nachrichtenmagazin "Focus". "Für uns wird sich dabei allerdings die Risikoeinschätzung ändern. Das Risiko verlagert sich vom menschlichen Fehler seitens des Fahrers oder Verkehrsteilnehmers zum Entwickler", sagte Vollert.

Versicherungsmanager Vollert glaubt derweil nicht an das vollkommen selbstständig fahrende Auto der Zukunft. Es sei fraglich, "ob man sein Auto überhaupt autonom fahren lassen darf", sagte Vollert. Das hänge davon ab, wie sich die rechtlichen Vorgaben änderten. Bisher sei das im Wiener Übereinkommen von 1968 geregelt gewesen: "Jeder Führer muss dauernd sein Fahrzeug beherrschen." Im vergangenen Jahr habe ein Ausschuss der Vereinten Nationen die Konvention ergänzt. "Danach sind Systeme, mit denen ein Pkw autonom fährt, zulässig, wenn sie jederzeit vom Fahrer gestoppt werden können. Daraus folgt, dass auch künftig ein automatisiertes Fahrzeug nur mit einem gültigen Führerschein gefahren werden darf", sagte Vollert.

Daimler-Chef sieht Deutsche an der Spitze

Daimler sorgte auf der traditionell auf die Elektronik-Industrie ausgerichteten Messe für viel Aufsehen mit dem F015. Auch der deutsche Konkurrent Audi setzte einen Meilenstein für die Technik mit der rund 900 Kilometer langen Tour eines selbstfahrenden Wagens des Modells A7 aus dem Silicon Valley nach Las Vegas. "Ich glaube, dass die deutschen Hersteller vorne sind", sagte Zetsche. "Jetzt geht es darum, dass wir diese Position auch halten."

Autobauer und Zulieferer bereiten sich unterdessen auf viele Veränderungen mit der Ära des autonomen Fahrens vor. So werde eine hochwertige Unterhaltungsanlage im Auto dann noch wichtiger werden, sagte Michael Mauser vom Elektronik-Konzern Harman. Ebenso relevanter werde die Unterdrückung von Motor- und Fahrgeräuschen.

(Falko Kuplent)

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