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DAB+: Digitalradio soll auf neue Frequenz umziehen

Das bundesweite Digitalradio DAB+ stört den analogen Polizeifunk. Laut "Financial Times Deutschland" plant der Betreiber Media Broadcast den Umzug auf eine neue Frequenz. Entsprechende Gespräche laufen derzeit mit der Bundesnetzagentur. Die Zeit drängt: Anfang Oktober droht eine mehrtägige DAB+ Abschaltung im Raum Bonn.

20.09.2011, 11:28 Uhr
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Das im August mit 14 bundesweiten Sendern neu gestartete Digitalradio DAB+ kämpft weiterhin mit Problemen: Die dem Betreiber Media Broadcast zugeteilten DAB+ Frequenzen stören den analogen Polizeifunk in zahlreichen Bundesländern, unter anderem auch in Nordrhein-Westfalen. Anfang September hatte die Bundesnetzagentur den DAB+ Sendebetrieb in Dortmund vorübergehend untersagt. Es wurde befürchtet, dass das digitale Radiosignal den analogen Funkverkehr von Polizei, Behörden und Rettungskräften während einer für den 3. September geplanten Großdemonstration von Rechtsextremen beeinträchtigen könnte. Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia beklagt sich zudem über Störungen durch DAB+ in den Kabelnetzen. Damit es nicht zu weiteren Abschaltungen kommt, soll das Digitalradio laut "Financial Times Deutschland" (FTD) auf eine neue Frequenz wechseln. In entsprechenden Verhandlungen der Betreiber mit der Bundesnetzagentur soll bis zum Ende der Woche eine Entscheidung fallen.

Neue Frequenz für elf DAB+ Sendeanlagen

Media Broadcast bereitet derzeit die Umstellung der elf betroffenen DAB+ Sendeanlagen in Westdeutschland vor. Die übrigen der insgesamt 27 Sendemasten nutzen bereits eine andere Frequenz, die keine Störungen verursacht. Die Zeit drängt, denn schon Anfang Oktober droht DAB+ im Raum Bonn wegen einer Großveranstaltung eine mehrtägige Abschaltung.

Sollten sich die Betreiber und die Bundesnetzagentur einigen, könnte die Umstellung auf die neue Frequenz noch frühzeitig zum 29. September erfolgen. Allerdings müssen auch die Nachbarländer Frankreich, die Niederlande und die Schweiz einem Frequenzwechsel zustimmen.

Media Broadcast prüft Schadensersatzansprüche

Media Broadcast droht der Bundesnetzagentur unterdessen mit juristischen Schritten. "Wir prüfen Schadensersatzansprüche gegen die Bundesnetzagentur, zumal der Schaden durch die Abschaltungen erhebliche Ausmaße annehmen kann, wenn das Digitalradio in seinem Bestand gefährdet wird", betont ein Sprecher von Media Broadcast. Der Betreiber selbst habe die Anforderungen zum Schutz der benachbarten Polizeifrequenzen eingehalten und gibt der Bundesnetzagentur die Schuld für das Frequenzchaos.

"Diesen Kanal hätte man uns nie und nimmer zuweisen dürfen", sagt auch Helmut G. Bauer, Geschäftsführer von Digitalradio Deutschland und Vertreter der privaten Radioanbieter. Die Bundesnetzagentur ihrerseits erklärt, dass derzeit geprüft werde, ob es in der Behörde Versäumnisse gegeben habe.

(Jörg Schamberg)

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