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Cyber-Gangster: Vom Untergrund zum blühenden Wirtschaftszweig

Eine Rand-Studie zeigt: Der Schwarzmarkt für Cyber-Attacken floriert wie nie und entwickelt mafiöse Strukturen. IT-Experten versuchen, die Löcher zu stopfen - und stoßen immer öfter an ihre Grenzen. Sicherheitsfirmen suchen händeringend Auswegen.

30.03.2014, 10:01 Uhr (Quelle: DPA)
Datenverkehr© Julien Eichinger / Fotolia.com

Der Netzwerkausrüster Juniper Networks plädiert für ein Umdenken im Kampf gegen Cyberkriminelle. Eine Studie der amerikanischen Organisation Rand habe bestätigt, dass der "schwarze Markt" im Netz eine "beispiellose, globale Reife" erreicht habe, betonte das US-Unternehmen am Dienstag. Herkömmliche Mittel im Kampf gegen Internet-Kriminalität könnten allein kaum noch etwas dagegen ausrichten.

Cybergauner sind Milliarden Dollar schwer

Von einem Untergrund könne man heute kaum mehr sprechen, eher von einer "blühenden Metropole", so Hendrik Davidson von Juniper Networks der dpa. Die Ökonomie sei weltweit organisiert, viele Milliarden Dollar schwer und könne auf eine robuste Infrastruktur zurückgreifen. "Der schwarze Markt funktioniert auch bruchlos weiter, wenn ein Glied in der Kette ausgeschaltet wird", sagt Davidson. Es wachse sofort ein neues Glied nach.

Das Paralleluniversum der Cyberhacker funktioniert demnach über alle Länder hinweg - Spezialisierungen inklusive. Gruppen aus Vietnam konzentrieren sich auf E-Commerce-Angriffe, Angreifer aus Russland auf Finanzkriminalität und die aus China auf geistiges Eigentum, erläutert Davidson.

Spam-Attacken "mieten wie ein Auto"

Die Studie zeigt auf, dass Cyberkriminelle ähnlich strukturiert sind wie die reale Wirtschaft. Es gibt Ausbildungs- und Trainingsmöglichkeiten, Einkaufsläden, Service-Angebote, eigene Währungen, eigene Gesetze und eine Hierarchie. "Spam-Attacken oder DDos-Angriffe können Sie heute mieten wie ein Auto", sagt Davidson. Die Nutzung eines Bot-Netzes wird laut Studie etwa für 50 Dollar pro Tag angeboten. Insgesamt seien 70 bis 80.000 Menschen darin beschäftigt.

Distributed Denial of Service (DDoS) - zu Deutsch etwa "verteilte Dienstblockade" - steht für die mutwillige Überlastung eines oder mehrerer Server durch massenhafte Anfragen, beispielsweise durch Botnetze, in denen Hunderte Rechner von meist ahnungslosen Besitzern zusammengeschlossen sind.

Herkömmliche Schutzmaßnahmen vor solchen Attacken reichen laut Juniper angesichts dieser Parallelwelt nicht mehr aus. Die IT-Sicherheits-Industrie müsse sich mit Regierungen zusammentun und den Wirtschaftskreislauf der Cyberkriminellen unterbrechen. Das Ziel: Cyber-Attacken dürfen sich aufgrund des Aufwandes finanziell nicht mehr lohnen. Das könne man etwa durch falsche Fährten zu Daten oder tueinem fingierten Passwort-Ordner erreichen.

Die Rand Corporation ist eine als Denkfabrik aufgesetzte Organisation, mit Unterstützung aus Wirtschaft und Politik. Der aktuelle Forschungsreport zu "Cybercrime" wurde zwischen Oktober und Dezember 2013 im Auftrag von Juniper erstellt.

(Dorothee Monreal)

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