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Crowdfunding in der Landwirtschaft: Der Bauer mit den dicksten Kartoffeln

Nicht nur hippe Tech-Startups aus Berlin sammeln Geld per Crowdfunding - auch die Landwirtschaft. Mit dem frischen Geld wird dann ein Weinberg gekauft oder Bier gebraut.

21.12.2014, 08:01 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Daniel Fleck / Fotolia.com

Eine Kiste Wein oder frisches Biogemüse - wer sich per Schwarmfinanzierung an landwirtschaftlichen Projekten beteiligt, dem winken appetitliche Gegenleistungen. Crowdfunding-Plattformen wie indiegogo.com oder seedmatch.de bringen nicht nur kreative Köpfe aus Film- und Medienindustrie mit potenziellen Geldgebern zusammen, sondern inzwischen auch so bodenständige Berufsgruppen wie Bauern, Winzer und Bierbrauer. Ob neue Maschinen, ein zusätzliches Stück Land oder ein neuer Hühnerstall - der Schwarm liefert das Geld für die Projekte und bekommt zum Teil echte Naturalien als Gegenwert.

Als Dankeschön eine Nacht im Heu

Die ganz großen Beträge werden allerdings bisher noch nicht für solche Agrar-Projekte eingespielt. So setzte ein Öko-Betrieb in Schönwalde in Schleswig-Holstein aufs Crowdfunding für die Entwicklung von zwei neuen landwirtschaftlichen Produktionsgeräten. Je nach gestifteter Summe boten die Bauern den Geldgebern beispielsweise Rezeptsammlungen, Gemüsepakete oder Übernachtungen im Heu an - und nahmen mit ihrer Aktion gut 7.400 Euro ein, wie Karsten Wenzlaff vom Institut für Kommunikation in sozialen Medien berichtet.

Wie in diesem Fall geben die Finanziers beim Crowdfunding häufig nur einige Euro - und springen dann gegebenenfalls schon wieder zum nächsten Projekt. Vorteil für die Initiatoren der Kampagnen: Sie müssen ihren Investoren kaum Mitspracherechte einräumen und beim Scheitern ihres Unternehmens nicht für die Ausfälle aufkommen, denn das unternehmerische Risiko tragen die Geldgeber.

Riesling-Dividende für die Hilfe beim Kauf des Weinbergs

Mehr Verbindung schaffen da schon Genussscheine, wie die Winzerin Sybille Kuntz aus Lieser an der Mosel weiß. Schon vor 20 Jahren kam die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin auf die Idee, sich von ihren Kunden über solche Wertpapiere Geld zu leihen für die Erweiterung ihres Weingutes, nachdem sie bei den Banken zuvor mit ihren Plänen abgeblitzt war. "Der Zuspruch damals war überwältigend", erinnert sich Kuntz, die sich mit ihrem Einfall als Pionierin sieht.

Seither hat sie mit dem Geld vor allem neue Anbauflächen gekauft, darunter erhaltenswerte Weinberge in ersten Lagen, wie sie sagt. Die Anleger bekommen am Ende eines jeden Jahres ihre "Riesling-Dividende" geliefert - und nach Laufzeit-Ende des Genusscheins ihren Einsatz zurück.

Investoren werden zu Kunden

Das Internet beflügelt neuer Varianten und Mischformen solcher Formen der Geldbeschaffung: So ließ sich eine Münchner Brauerei von ihren Kunden per Genussschein-Ausgabe im Netz ihren Neubau finanzieren und zahlt die Zinsen in Form von Speis' und Trank aus.

Die Beispiele zeigen, dass beim Crowdfunding auch ideelle und nicht zuletzt Werbe-Zwecke eine Rolle spielen. Wer das Wagnis eingeht und Geld in ein neues Projekt steckt, wird nicht nur Teil der Gründer-Story, sondern vielleicht auch treuer Kunde. Speziell für die Landwirtschaft gilt zudem: Mit dem Trend zu regional und ökologisch erzeugten Lebensmitteln wachse auch bei den Verbrauchern das Interesse an der Produktion, sagt Wenzlaff. Das Crowdfunding biete ihnen nicht nur die Möglichkeit, direkt in Kontakt zu kommen mit den Bauern, sondern auch die Lebensmittel-Erzeugung mitzugestalten.

Einen ganz großen Boom der Schwarm-Finanzierung für Bauern erwartet der Deutsche Bauernverband allerdings nicht - und das nicht nur, weil viele der Projekte vom finanziellen Volumen eher überschaubar sind. Vielmehr hätten die Bauern mit der landwirtschaftlichen Rentenbank einen Partner, der ihnen bei Bedarf verbilligte Kredite zur Verfügung stellt, sagt Verbandssprecher Michael Lohse. Und weil die meisten Betriebe auf eigenem Grund und Boden wirtschaften, fehle es auch nicht an den nötigen Sicherheiten.

(Peter Giesecke)

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