Handysoftware

CON4: Neue Messe bestätigt Handy-Trends

Applikationen für Handys werden immer ausgefeilter und dank schneller Onlineverbindungen interaktiv und aktuell.

28.09.2005, 14:02 Uhr
SMS schreiben© Andres Rodriguez / Fotolia.com

Games und Applikationen aufs Handy laden – alter Hut. Doch die kleinen Programme werden immer leistungsfähiger, bieten immer bessere Anwendungsmöglichkeiten und – klarer Trend – gehen immer öfter über billiger werdendes GPRS oder UMTS online. Es gibt also viel zu besprechen: Die Branche der Handy-Content-Dienstleister traf sich auf der neuen Messe "CON4 digital media convergence" in Köln.
Rasche Entwicklung
Die Handy-Hardware wird immer leistungsfähiger, die Software auch. Wie immer bemerkt man den Fortschritt zuerst bei Spielen. Handygames werden ausgefeilter und die nächste Generation der Spiele kommt in 3D daher. "Verglichen mit den Computerspielen waren wir bei Handygames vor zwei Jahren noch in den 80ern auf dem C64 und sind inzwischen in den 90ern auf der Playstation", beschreibt Joost Backus von der holländischen Softwareschmiede "NotTheFly" die rasche Entwicklung.
NotTheFly ist einer von rund 50 Ausstellern der Messe für zusammenwachsende digitale Medien in Köln, die in ihrem ersten Jahr den Schwerpunkt auf Mobilfunk-Inhalte legte. Auf der am ersten Tag nur schwach besuchten Messe sind klare Trends auszumachen: Handy-Software Applikationen und Games verbinden sich immer häufiger über billiger werdendes GPRS oder UMTS und erweitern ihren Funktionsbereich dadurch enorm. Dabei wiederholen Anbieter nicht den Fehler, der bei Content für das Web gemacht wurde: Sie verschenken ihre Produkte nicht mehr. Die Folge: Unternehmen für Abrechnungs- und Bezahldienste haben Konjunktur und Nutzer müssen für Service und Unterhaltung bezahlen.
Beschleunigte Dienste
Ein Projekt, das beide Trends kombiniert, ist JOCA von der Münchener InteracT!V. Ursprünglich als Applikation für interaktives Fernsehen konzipiert, wird JOCA auf dem Handy eine Plattform, die diverse Dienste von Content-Anbietern beherbergt. Die Software wird einmalig aufs Handy geladen. Damit lassen sich schon heute das aktuelle TV-Programm oder Radio-Playlists anzeigen, Lotto spielen oder Verkehrshinweise abrufen. Natürlich gibt es auch Anbieter für Klingeltöne und Games. Jüngst kam die bekannte Enzyklopädie Wikipedia dazu, deren Einträge über JOCA aufgerufen werden können. Aktuelle Daten werden über die GPRS/UMTS-Verbindung des Handys geholt. Das kostet den Nutzer Geld, doch der Trend der Netzbetreiber Richtung Datenflatrates begünstigt diese Methode. Die Vorteile von JOCA gegenüber beispielsweise WAP-Seiten: Als Applikation hat JOCA Zugriff auf andere Funktionen des Handys. So kann JOCA auf Befehl des Nutzers zum Beispiel über PremiumSMS direkt Bezahlvorgänge auslösen. Außerdem überzeugt JOCA mit Geschwindigkeit. Weil viele Daten, wie Grafiken, mit der Software installiert wurden, müssen Sie nicht aufwändig über WAP nachgeladen werden. Es werden nur noch die benötigten Rohdaten übermittelt, das spart Zeit und Kilobyte und damit Geld.
Try before Buy
"Try before Buy" – das Ausprobieren einer Software, bevor man sich entschließt zu kaufen, wird angesichts diverser "Abzock-"Anwendungen immer wichtiger für seriöse Anbieter. Das amerikanische Unternehmen July Systems mit deutschem Sitz in Berlin liefert für Handyapplikationen den "July Wrap". Das ist eine Software, die als Container für die eigentliche Anwendung fungiert und den Zugriff darauf steuert. Damit können Programme so abgegeben werden, dass sie zum Beispiel drei Tage kostenlos funktionieren und dann den Kauf und die unlimitierte Freischaltung ermöglichen.
Video-Streaming
Frisch zu der Messe präsentierte die Firma Carmunity ein Handyprogramm, mit dem sich Video-Streams auf fast allen jüngeren Handy-Modellen mit Java anzeigen lassen. Bei GPRS-Geschwindigkeit ruckelts mit 4 Bildern pro Sekunde noch ordentlich, schnelle Bildfolgen, wie bei Musikvideos oder Sport sind also noch nicht sinnvoll. Da wird noch längere Zeit der Download die bessere Übertragungsweise sein, auch wenn damit keine Live-Bilder übertragen werden können. Die junge Branche findet bei Videostreaming daher momentan nur in der "erotischen Erwachsenenunterhaltung" ein Anwendungsgebiet. Der Client von Carmunity hat dafür gleich noch eine Chat-Applikation integriert.

(Steffen Moritz)

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