News

Comundo: Satte Rechnungen für Ex-Lycos-Kunden

Im Mai hatte Lycos das Schmalband-Geschäft an die Paixas GmbH verkauft. Nun klagen ehemalige Kunden über viel zu hohe Internet-by-Call-Rechnungen. Wer ist Schuld?

31.07.2007, 18:17 Uhr
ISDN© Daniel Kühne / Fotolia.com

Zahlreiche ehemalige Kunden der Schmalband-Zugänge von Lycos haben es in diesen Tagen nicht einfach. Wie aus Berichten mehrerer Leser im onlinekosten.de-Forum hervor geht, haben sie stark überteuerte Rechnungen für Internet-by-Call-Verbindungen erhalten. Die Betroffenen berichten von deutlich zu hoch ausfallenden Rechnungen, die fast die zehnfache Summe des eigentlich erwarteten Betrages ausweisen. Zu Grunde liegt der Verkauf des Schmalband-Geschäfts durch Lycos: Der Anbieter gab am 10. Mai bekannt, dass diese Geschäftssparte für 500.000 Euro an die Paixas GmbH um Geschäftsführer Dr. Markus Beforth verkauft wurde. Da Dr. Beforth mit den Firmen Paixas und Comundo bereits auf dem Internet-by-Call-Markt präsent ist und in der jüngsten Vergangenheit durch erhebliche Preisänderungen zu Ungunsten der Kunden aufgefallen ist, können wir unseren Lesern nur dringend von den Tarifen der genannten Firmen des Geschäftsführers Dr. Markus Beforth abraten!
Pro Einwahl ein neuer Vertrag
Der Vertrag war laut Lycos rückwirkend zum 1. Mai gültig. Die Lycos-Kunden sollten dabei automatisch zu Paixas wechseln. Statt eines laufenden Vertrags, wird jedoch bei jeder Einwahl ein neuer Vertrag mit der Comundo Internet GmbH geschlossen, die die Tarife nun vermarktet. Auf der Website heißt es: "Bei Comundo neu registrierte Nutzer werden zum jeweils vereinbarten Preis abgerechnet. Sofern eine Registrierung beim vorherigen Betreiber Lycos Europe vorlag, wurde diese nicht an uns übergeben. Sie werden wie ein nicht registrierter User zu den jeweils gültigen Bedingungen abgerechnet."
So werden die Vertragskunden zu "nicht registrierten Usern". Wenn der Kunde den Vertrag nicht gekündigt hat, ist Comundo allerdings laut Lycos Europe weiter daran gebunden. Aus der Sicht von Comundo klingt die Sache anders: "Wir haben gemäß Vereinbarung nur ungebundene, unregistrierte User übernommen. Von einem automatischen Wechsel kann also nicht die Rede sein", äußert sich Markus Beforth, Geschäftsführer der Comundo Internet GmbH.
Zehnfacher Preis ohne Ankündigung
Für die "nicht registrierten" Nutzer gelten folgende Bedingungen: Die Tarife mit den Einwahlnummern 019161, 0192117 und 01921232117 werden nach Angaben von Comundo seit dem 19. Mai mit 9,99 Cent pro Minute zuzüglich 9,99 Cent Einwahlgebühr im 5-Minuten-Takt berechnet. Außerdem wird ein monatlicher Mindestumsatz von fünf Euro fällig. Über diese neuen Preise hat Comundo seine Kunden nicht informiert. Auch Lycos machte im Mai dazu keinerlei Angaben. Auf Nachfrage von onlinekosten.de äußerte sich eine Sprecherin von Lycos: "Zum Zeitpunkt des Verkaufs lagen Lycos Europe keine konkreten Informationen über Umfang oder Zeitpunkt möglicher Preiserhöhungen durch Paixas vor." Dies sieht Markus Beforth völlig anders. Lycos habe dies ganz genau gewusst. Es sei besprochen worden, was mit den Tarifen passiert. Auf der Comundo-Website ist dazu zu lesen: "Über Änderungen unserer Tarife können wir Sie nicht informieren, da uns Ihre persönlichen Daten, wie zum Beispiel Ihr Name, Ihre Adresse oder E-Mail-Adresse nicht von der Deutschen Telekom übermittelt werden. Bitte besuchen Sie daher regelmäßig unsere Homepage und überprüfen Sie die von Ihnen verwendeten Einstellungen."
Reaktion von Comundo: Automatische Rückerstattung
Bei Comundo ist man sich nach eigenen Angaben keiner Schuld bewusst, rudert nun aber augenscheinlich zurück. Auf der Firmenhomepage wurde eine entsprechende Nachricht veröffentlicht, wonach diejenigen Kunden, die sich bei Lycos registriert hatten und "ihre Rechnung separat, also nicht mit der Rechnung der Deutschen Telekom erhalten haben", die zuviel gezahlten Beträge zurück bekommen sollen. "Für diese Kunden werden die Monate Juni + Juli 2007 rückwirkend zu den alten Konditionen abgerechnet", heißt es. Die Erstattung erfolgt automatisch mit der Telekomrechnung im August. Ein Antrag muss somit nicht gestellt werden. Wer sich nicht bei Lycos registriert hatte, erhält jedoch keine Rückerstattung.
"Bei dieser Erstattung handelt es sich um eine Kulanzerstattung ohne Anerkennung einer Rechtspflicht! Comundo hat von Lycos weder Vertragsbedingungen noch Kundendaten registrierter User übergeben bekommen", äußert sich das Unternehmen gegenüber unserer Redaktion weiter. "In unseren Augen wäre der ehemalige Inhaber hierfür verantwortlich; dieser nimmt sich der Sache aber nicht mehr an", sagt Markus Beforth.
An den neuen Preisen ändert sich nichts: Ab dem 1. August, gelten diese Konditionen für alle Kunden, auch für ehemals registrierte Nutzer. Allerdings entfällt ab Mittwoch der kunden-unfreundliche monatliche Mindestumsatz von fünf Euro. Alles andere als kundenfreundlich ist auch die Hotline mit 0900-Nummer, die mit satten 1,99 Euro pro Minute aus dem deutschen Festnetz berechnet wird.

(Saskia Brintrup)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang