Kritische Infrastrukturen sind verwundbar

Computervirus im Atomkraftwerk: Experte Kaspersky zeigt sich nicht überrascht

Die Entdeckung von Malware in einem Computer eines bayerischen Atomkraftwerks wirft Fragen auf. Wie steht es um die Sicherheit unserer Atomkraftwerke vor Cyber-Attacken? Sicherheitsexperte Eugene Kaspersky von Kaspersky Labs äußerte sich nun zu dem Cybervorfall.

Jörg Schamberg, 26.04.2016, 17:02 Uhr
AtomkraftwerkAuf einem Computer in einem bayerischen Atomkraftwerk wurde ein Computervirus entdeckt. (Symbolbild)© Roland Marti / Fotolia.com

München – An die zahlreichen Warnmeldungen vor Sicherheitslücken in diversen Software-Programmen und die Virengefahr bei unachtsamer Online-Nutzung haben sich Internetnutzer schon längst gewöhnt. Aufhorchen lässt in dieser Woche, in der auch des Atomunfalls in Tschernobyl vor 30 Jahren gedacht wird, aber die Entdeckung eines Schadprogramms im Atomkraftwerk Grundremmingen in Bayern. Wie gefährlich kann ein solches Malware-Programm für die Sicherheit eines AKWs werden? Sicherheitsexperte Eugene Kaspersky, Chef von Kaspersky Labs, nahm nun zu dem Vorfall Stellung.

Offenbar keine zielgerichtete Attacke

"Ein Computer, der Steuerungsprotokolle für die Lademaschine der Brennelemente im deutschen Atomkraftwerk Grundremmingen erstellt, wurde mit Schadsoftware infiziert. Bei vielen, die die Nachricht gelesen oder gehört haben, werden jetzt höchstwahrscheinlich alle Alarmglocken läuten. Allerdings ist der Vorfall an sich nicht wirklich überraschend", erläutert Kaspersky.

"Mich überrascht eher, dass wir nicht häufiger von solchen besorgniserregenden Fällen hören. Der Betreiber geht nicht von einer zielgerichteten Attacke auf das System des Atomkraftwerks aus", so Kaspersky weiter. Offenbar habe jemand vermutlich nur ein Speichergerät mit dem System verbinden wollen und damit den Rechner infiziert. Laut eines Berichts des Nachrichtenmagazins "Focus" habe der AKW-Betreiber RWE klargestellt, dass für Personal und Anwohner keine Gefahr bestehe. Alle sensiblen Bereiche des Atomkraftwerks seien entkoppelt und nicht mit dem Internet verbunden.

Kaspersky: Täglich werden mehr als 310.000 neue Schadprogramme entdeckt

"Mit Blick auf mit dem Internet verbundenen Dingen und Systemen zeigt der Vorfall jedenfalls eines ganz deutlich: kritische Infrastrukturen sind verwundbar, wie alle anderen Systeme auch, die mit dem Internet verbunden sind", betont Kaspersky. Es habe bereits zuvor andere Vorfälle gegeben. So hatte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik berichtet, dass ein Hochofen in einer Industrieanlage durch einen Cyberangriff nicht geregelt herunterfahren konnte. Dadurch sei es zu massiven Beschädigungen an der Anlage gekommen. Außerdem sei mit Stuxnet schon länger eine Malware entwickelt worden, die angeblich gezielt nukleare Anreicherungsanlagen im Iran zerstören sollte.

Laut Kaspersky würden täglich mehr als 310.000 neue Schadprogramme entdeckt. Diese Malware-Programme könnten auch Systeme schädigen, die gar nicht ursprünglich deren Ziel gewesen seien. "Wir müssen uns auf solche Fälle, und natürlich ebenso auf zielgerichtete Attacken, vorbereiten", macht Kaspersky klar.

Cyber-Armee soll Deutschland vor Online-Attacken schützen

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen setzt für einen besseren Schutz Deutschlands vor Angriffen aus dem Internet und vor Cyber-Attacken nun offenbar auch auf eine spezielle Cyber-Armee. Wie die CDU-Politikerin am Dienstag ankündigte, soll innerhalb der kommenden fünf Jahre eine bis zu 13.500 Personen starke Truppe aufgestellt werden, die Online-Attacken abwehren soll.

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