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"Computer Bild": TV-Sender schnüffeln Nutzer von Smart-TVs aus

In einem Labortest hat die Zeitschrift nachgewiesen, dass über HbbTV Daten wie Gerätekennung und Standort an die Sender übertragen werden. Mit Hilfe von Google Analytics lassen sich die Zuschauer sogar eindeutig identifizieren.

18.10.2013, 11:29 Uhr
Datenverkehr© Julien Eichinger / Fotolia.com

Smart-TVs halten in immer mehr Wohnzimmer Einzug: Die internetfähigen Fernseher erlauben unter anderem den Zugriff auf Mediatheken und Video-on-Demand-Angebote. Über HbbTV bieten die Sender zudem eine Programmvorschau an. Die Zuschauer profitieren von viel Komfort und Flexibilität: Sie werden immer häufiger zum eigenen Programmdirektor und können selbst entscheiden, welche Inhalte sie wann auf dem Fernseher anschauen. Was aber bislang kaum bekannt war: Bei der Nutzung von Google-Diensten und HbbTV auf Smart-TVs geben die Zuschauer unbewusst viele Daten preis. Die Fernsehsender erfahren beispielsweise, welche Online-Angebote Zuschauer nutzen. Das hat jetzt ein Labortest der "Computer Bild" gezeigt, über den die Fachzeitschrift in ihrer aktuellen Ausgabe (Heft 23/2013) berichtet.

Der gläserne Smart-TV-Nutzer?

Nach Angaben der Tester, die im Labor den Datenverkehr zwischen Fernseher und dem weltweiten Netz protokolliert haben, wird bei jedem Kanalwechsel eine "Startapplikation" aufgerufen, die wie eine Internetseite funktioniere. "Die Startapplikation verhält sich wie eine normale Internetseite, nur ist sie in der Regel durchsichtig", erläutert HbbTV-Experte Klaus Merkel vom Münchener Institut für Rundfunktechnik. Nimmt der Fernseher Verbindung mit dem Internet auf, werden Daten zur Gerätekennung und zum ungefähren Standort übertragen. Selbst wenn HbbTV nicht genutzt wird, sollen Daten übertragen werden.

Doch damit nicht genug: Dank Auswertung der Nutzungsdaten über den Google-Service Google Analytics erhalten die Fernsehsender weitere Informationen. Die Sender erfahren beispielsweise, wie viele Besucher eine Sendung aus der Mediathek abrufen. Die Herkunft der Zuschauer lässt sich an der genutzten IP-Adresse ablesen. Werden dann noch Google-Dienste mit persönlichem Nutzerkonto wie Google+, YouTube oder die personalisierte Suche verwendet, lässt sich der Smart-TV-Nutzer von dem US-Konzern eindeutig identifizieren.

Schutz durch Deaktivierung von HbbTV

Ganz schutzlos sind die Zuschauer vor einer solchen Schnüffelei aber nicht. HbbTV lässt sich beispielsweise bei vielen Smart-TVs in den Menüeinstellungen deaktivieren. Sender wie ARD und ZDF erlauben nach Angaben der Zeitschrift auch das Abschalten von Cookies im HbbTV-Menü. Auf solche Dateien greift beispielsweise Google zu, um die genutzten Geräte wiederzuerkennen.

Hierzulande halten sich viele Verbraucher bei der Internet-Nutzung über den Fernseher aber ohnehin noch zurück. Laut einer im Sommer veröffentlichten gfu-Studie, sind nur 58 Prozent der Smart-TVs auch ans Netz angeschlossen.

(Jörg Schamberg)

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