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COLT klagt gegen Erhöhung der Netzentgelte

Die Bundesnetzagentur hatte eine Erhöhung der Call-by-Call-Entgelte durch die Deutschen Telekom genehmigt. Der alternative Netzanbieter COLT Telecom will dies nicht hinnehmen.

13.02.2009, 09:54 Uhr
Tastatur© peshkova / Fotolia.com

Der Telekommunikationsanbieter COLT Telecom kritisiert die Entscheidung der Bundesnetzagentur vom vergangenen November, die sogenannten Interconnection-Entgelte um 4,4 Prozent zu erhöhen und hat dagegen Klage eingereicht.
Endkunden im Nachteil
Die zur Diskussion stehenden Entgelte werden für alternative Anbieter bei der Zustellung von Telefongesprächen in das Festnetz der Deutschen Telekom fällig. Deren Höhe beträgt zwischen 0,43 und 0,71 Cent und wurde zuletzt vor drei Jahren von der Bundesnetzagentur festgelegt. Die jetzige Preiserhöhung ist die erste von der Behörde genehmigte seit der Öffnung des Telekommunikationsmarktes und könnte für Kunden von Konkurrenten der Telekom zu höheren Preisen für Festnetzgespräche führen.
Die Bundesnetzagentur käme damit im Wesentlichen einer Forderung des ehemaligen Monopolisten nach, die COLT für ungerechtfertigt hält. "Alle Netzbetreiber müssen die Entscheidung der Bundesnetzagentur nun umsetzen. Wir bemerken aber schon jetzt spürbare Nachteile für Wettbewerb und Endkunden", sagt Dr. Jürgen Hernichel, Vorsitzender der Geschäftsführung von COLT Telecom in Deutschland. "Angesichts der deutlichen Negativ-Effekte haben wir uns zu rechtlichen Schritten entschlossen und gegen die Entscheidung der Behörde Klage eingereicht."
Umstrittene Voraussetzungen
Die Telekom hält die Erhöhung für berechtigt, weil die zurückgehenden Verkehrsmengen im klassischen Telefonnetz mit einer höheren Belastung verbunden seien. Die sinkende Auslastung führt sie unter anderem auf die Abwanderung von Festnetz-Gesprächsminuten in Mobilfunknetze und den Austausch schmalbandiger Internetzugänge durch Breitband-Verbindungen zurück.
Dieser Argumentation könne man keinesfalls zustimmen, so Hernichel. "Es ist nicht einzusehen, warum die Wettbewerber der Deutschen Telekom den Preis für die Veralterung des Telekom-Netzes bezahlen sollen – vor allem, wenn die Deutsche Telekom diese Entwicklung durch ihr eigenes Verhalten noch beschleunigt hat." Es wäre keine Überraschung, wenn die Europäische Kommission die Entscheidung der Bundesnetzagentur noch einmal überprüfen würde – insbesondere im Hinblick auf die starke Marktposition der Deutschen Telekom und die zu erwartenden negativen Auswirkungen der aktuellen Entscheidungslage.

(Michael Posdziech)

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