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CO2-Ausstoß von PCs so hoch wie von Flugzeugen

Eine Studie der britischen Umweltorganisation "Global Action Plan" zeigt die Umweltbelastung auf, die die weltweit über eine Milliarde Computer verursachen. Ein Umdenken ist notwendig.

05.12.2007, 13:20 Uhr
o2© Telefónica

Alltag jeden Morgen in deutschen Büros: Der Computer wird bei Arbeitsbeginn hochgefahren und läuft dann den ganzen Tag bis zum Feierabend. Teilweise wird er selbst dann nicht komplett heruntergefahren, sondern "übernachtet" im Standby-Betrieb. Die nun veröffentlichte Studie "Inefficent Truth" der britischen Umweltorganisation "Global Action Plan" hat die Auswirkungen des Einsatzes der weltweit mehr als eine Milliarde Computer untersucht und alarmierende Erkenntnisse gewonnen.
Ineffizienter Einsatz von PCs
Die zahlreichen Computer in Unternehmen und im Privatbereich sind verantwortlich für rund zwei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Damit ist die Umweltbelastung durch PCs und Server genau so hoch wie durch den häufig kritisierten Luftverkehr. Laut Studie entspricht die Umweltbelastung eines Servers auch der eines Geländewagens. Insbesondere die Kühlung der Hochleistungsrechner verschwendet große Energiemengen. Die geschätzten rund zehn Millionen PCs in Großbritannien verbrauchen etwa zehn Prozent des gesamten Stromverbrauchs des Landes. Für 1000 PCs, die keine Stromsparfunktionen nutzen und rund um die Uhr in Betrieb sind, fallen jährlich Stromkosten von rund 97.000 Euro (70.000 Britische Pfund) an. Sind die Computer veraltet, werden sie entsorgt. Jährlich landen so rund 125.000 PCs auf den Mülldeponien.
Das papierlose Büro ist nicht realistisch
Doch nicht nur den Energieverbrauch nimmt die Studie unter die Lupe, sondern auch den Umgang mit Ressourcen wie Papier. Das oft reklamierte papierlose Büro ist im Arbeitsalltag der Unternehmen keine Realität.
Im Gegenteil: Wurden weltweit 1980 vor Einführung der PCs durchschnittlich rund 70 Millionen Tonnen Papier verbraucht, so hat sich der Papierverbrauch 1997 mit rund 150 Millionen Tonnen mehr als verdoppelt.
Umfrage unter 120 IT-Managern
Die britische Umweltorganisation befragte für ihre Studie auch 120 leitende Manager aus dem IT-Bereich. Die Manager sollten Auskunft geben über das Umweltbewusstsein in ihren Unternehmen und den Einsatz von sogenannter "grüner" IT. Die IT-Abteilungen in den Unternehmen sind sich oft gar nicht bewusst, wie hoch der durch ihren Rechnerpark verursachte Stromverbrauch ist, da sie die Stromrechnungen nicht selber bezahlen müssen. Dennoch glaubt die Mehrheit der IT-Verantwortlichen, dass die Berücksichtigung von Umweltaspekten bei Neuanschaffungen von IT-Equipment in Zukunft wichtiger wird. Nur 40 Prozent der IT-Abteilungen nutzt mehr als die Hälfte der zur Verfügung stehenden Serverkapazität in den jeweiligen Unternehmen. Server sind also vielfach überdimensioniert. Laut der Studie wird aus Zeitdruck und Kostengründen Einsatz stromsparender Alternativen meist nicht in Betracht gezogen.
Regierungen sollen "grüne" IT fördern
Als Ergebnis aus der Studie fordert die britische Umweltorganisation eine stärkere staatliche Führung bei der Implementierung von energiesparenden Techniken in den Unternehmen. Betriebe, die die umweltschonende "grüne" IT einsetzen, sollten von der Regierung gefördert werden. Gleichzeitig soll die Regierung jedoch darauf achten, nicht verstärkt Richtlinien zu erlassen, die etwa die Speicherung von Daten unnütz vergrößert und zur Anschaffung neuer Serverparks führt. In Deutschland wird mit der Vorratsdatenspeicherung eine Langzeitspeicherung von Daten gerade begonnen. Auch die Energiekosten sollten von den Unternehmen auf die IT-Abteilungen umgelegt werden, so dass Anreize für den Einsatz ressourcensparender IT-Ausrüstung entstehen.
Auch im privaten Bereich kann jeder Einzelne erheblich Energie beim Einsatz des PCs oder Laptops einsparen. In unserem Ratgeber finden Sie nützliche Hinweise, wie Sie bei der alltäglichen Nutzung Ihrer Rechner Ihre Energiekosten senken können.

(Jörg Schamberg)

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