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Cisco plant 100 Mbit/s-Anbindung für Kabelkunden

Im kommenden Jahr will der Netzwerkspezialist Cisco bundesweit einen schnellen Breitbandzugang über die Kabelnetze anbieten. Geschwindigkeiten von mehr als 100 Mbit/s werden theoretisch möglich.

19.05.2007, 15:38 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Während in Deutschland die Telekom mit der EU-Kommission einen Kleinkrieg über eine mögliche Beteiligung von Mitbewerbern am hauseigenen VDSL-Netz führt, gehören beispielsweise in Frankreich günstige Breitband-Hochgeschwindigkeitszugänge zum Alltag. Mit Preisen von unter 50 Euro ist das schnelle Surfvergnügen dort auch für den kleineren Geldbeutel kein Problem mehr.
Präsentation auf der Anga Cable
Über Deutschland soll die Revolution des Breitbandinternets im kommenden Jahr hereinbrechen. Der US-Netzwerkspezialist Cisco will auf der in der kommenden Woche in Köln stattfindenden Messe Anga Cable erstmals eine 100 Mbit/s-Anbindung über das Kabelnetz vorstellen.
Nach Angaben von Cisco Deutschland laufen bereits Verhandlungen und Feldtests mit zwei kleineren privaten Kabelnetzbetreibern. Um welche es sich handelt, wollte Cisco-Sprecher Steffen Probst im Gespräch mit unserer Redaktion nicht verraten. Gut möglich, dass die kleinen Kabelnetzbetreiber die großen Mitbewerber diesmal auf der Zielgeraden einholen. Im kommenden Frühjahr sollen die schnellen Internetanbindungen möglichst bundesweit zur Verfügung stehen.
Preise wie in Frankreich?
Offiziell lehnte Probst ein Statement zur möglichen Preisstruktur ab. Jedoch scheint eine Anlehnung an den französischen Markt nicht aus der Luft gegriffen. Numericable verlangt beispielsweise für eine 30 Mbit/s-Anbindung 30 Euro pro Monat, bei einer Geschwindigkeit von 100 Mbit/s werden knapp 45 Euro monatlich fällig. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, liegen die Preise im Nachbarland auf demselben Niveau wie ADSL2(+). Über einen herkömmlichen acht MHz-Kabelkanal lässt sich unter Einsatz der QAM 256-Modulation eine maximale Geschwindigkeit von 50 Mbit/s realisieren. Wenn drei Kanäle zusammengeschaltet werden, ist ein absolut zuverlässiger Zugang mit mindestens 100 Mbit/s sichergestellt. Theoretisch können auf diese Weise bis zu acht Kanäle gebündelt werden und erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 400 Mbit/s.
50 Mbit/s pro Kabelkanal
Das Hauptproblem sind derzeit die in den speziellen Modems verwendeten Chips. Aufgrund fehlenden Wettbewerbs gibt es nach Worten von Probst momentan nur einen Anbieter bei der Chip-Produktion. Um auch für Privatkunden attraktiv zu bleiben, sollen die Modempreise nach Vorstellungen von Cisco unter 100 Euro liegen. Bei den derzeit hohen Chip-Kosten bleibt die Acht-Kanal-Bündelung vorerst noch Zukunftsmusik. Im Laufe der kommenden Monate rechnet man jedoch mit mehreren Wettbewerbern, die die Chip-Preise deutlich drücken sollen. Vorerst will man sich auf Modems konzentrieren, in denen nur ein Chip verbaut wird.
Das schnelle Internet bietet damit deutlich höhere Bandbreiten zu günstigeren Preisen als das VDSL-Netz der Deutschen Telekom. Möglich wird die neue Technik durch Einsatz der von Cable Labs entwickelten Docsis 3.0-Spezifikation. Der Kabelnetzbetreiber Kabel BW nutzt für seinen 25 Mbit/s-Zugang beispielsweise eine ältere Docsis-Version. Zusätzliche Pay-per-View und Video-on-Demand Angebote oder auch IPTV mit hochauflösenden HDTV-Inhalten können damit problemlos konsumiert werden. Das bedeutet auch Konkurrenz für die T-Home Plattform, die bis auf das Classic-Paket nach wie vor einen VDSL-Anschluss voraussetzt.
Umstieg schmackhaft machen
Mit der fortschreitenden Digitalisierung des Kabelnetzes sollen auch in den noch nicht auf 862 MHz ausgebauten Kabelnetzen genügend Kapazitäten für die Nutzung von Breitbandzugängen zur Verfügung stehen. Den bisherigen analogen Kabelkunden soll mit lukrativen Angeboten der Umstieg auf den digitalen Empfang schmackhaft gemacht werden. Cisco will das neue Breitbandangebot für Geschäfts- und Privatkunden interessant machen und möglichst bundesweit über das Kabelnetz vermarkten. Insgesamt ist das Angebot von Cisco deutlich mehr als eine Alternative, nicht nur für Kunden ohne DSL-Anschluss.

(Stefan Hagedorn)

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