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Cisco: Lunar-Projekt analysiert laufende TV-Sendungen per Gesichtsscan

Cisco zeigte auf der ANGA COM unter anderem seine Plattform Videoscape Unity, die etwa auch bei Horizon von Unitymedia genutzt wird. Mit dem Projekt "Lunar" gab Cisco zudem einen Blick auf die nächste Generation des Fernsehens: Metadaten von laufenden TV-Sendungen werden analysiert und sind per App in einer Zeitleiste abrufbar.

15.06.2013, 10:01 Uhr
Welt© Julien Eichinger / Fotolia.com

Das Angebot an Bewegtbildern im Internet wächst rapide, nach Angaben des Netzwerkspezialisten Cisco werden Video-Inhalte im Jahr 2017 bereits 69 Prozent des Datentraffics von Verbrauchern ausmachen. In jeder Sekunde werden dann fast eine Million Minuten Videoinhalte durch die Netze geleitet. Internet-Inhalte finden zudem immer häufiger den Weg auf den TV-Bildschirm, bis 2017 sollen bereits 14 Prozent des Internet-Video-Traffics über den Fernseher genutzt werden. Bei dieser schieren Flut an Daten sind Lösungen erforderlich, die den Nutzern beim Zugriff auf diese Angebote helfen. Cisco zeigte in der vergangenen Woche auf der Branchenmesse ANGA COM unter anderem seine integrierte Plattform Videoscape Unity, die TV- und Medienangebote zuhause synchronisiert auf mehrere Endgeräte verbreitet. Zudem gab Cisco unserer Redaktion am Messestand Einblick in das Projekt Lunar, das Metadaten zu Live-TV-Sendungen aufbereitet und Zuschauern per Apps zur Verfügung stellt.

Videoscape Unity auch Basis für Horizon

Videoscape Unity ist eine offene Software-Lösung, die sich flexibel an die Bedürfnisse der Anbieter anpassen lässt. Bei Bedarf stellt Cisco darüber beispielsweise digitale Cloud-basierte Videorecorder bereit. Zudem ermöglicht die Plattform auch personalisierte Videodienste im Branding des jeweiligen Anbieters.

Videoscape Unity kommt auch beim neuen Entertainment- und Medien-Portal Horizon zum Einsatz, das der Kölner Kabelnetzbetreiber Unitymedia im Sommer in Nordrhein-Westfalen und Hessen startet und erstmals öffentlich auf der ANGA COM präsentierte. Cisco selbst zeigte am Messestand einen Showcase der niederländischen Horizon-Variante von UPC, als Benutzeroberflächen-Technologie wurde "Snowflake" verwendet. Als Schaltzentrale dient bei diesem Ansatz ein "Connected Gateway" im Haushalt des Nutzers in Form einer Set-Top-Box, die die Steuerung der Inhalte übernimmt.

Die Inhalte lassen sich nicht nur auf dem TV-Bildschirm anschauen, der Zugriff ist beispielsweise auch per Tablet oder Smartphone möglich.

Weiter auf Seite 2: Projekt Lunar: Metadaten zu Live-Sendungen per App nutzen

Noch Zukunftsmusik ist dagegen ein innovatives Projekt, das Cisco in Köln unter dem Arbeitstitel "Lunar" vorstellte und das im Konzern derzeit noch intern getestet wird. Live-Inhalte des laufenden TV-Programms werden analysiert, die entsprechenden Metadaten generiert und in einer Datenbank gespeichert. Die Lösung soll bald an Service-Provider vermarktet werden, die ihren Kunden beispielsweise über TV-Apps per Tablets und Smartphones Zugriff auf die gesammelten Daten ermöglichen können.

Analyse von laufenden TV-Sendungen

Die Metadaten werden parallel zu einer laufenden Sendung in einer Zeitleiste nahezu verzögerungsfrei dargestellt. Lunar analysiert bei einem Live-Fernsehstream alles, was gerade zu sehen und zu hören ist: Sprache, Texte, gezeigte Personen und Produkte. Technisch wird dies über "Plug-ins" realisiert. Ein Speech-to-Text-Plug-in übersetzt beispielsweise die Audiospur in Text. Damit lassen sich etwa Inhalte indexieren oder aber Untertitel bereitstellen.

Ist im TV ein bekannter TV-Star zu sehen, lässt sich dieser per Gesichtserkennung identifizieren. In der Timeline bietet Lunar dann zum Beispiel eine Verknüpfung mit einem entsprechenden Wikipedia-Artikel. Auch Musiktitel, die gerade als Untermalung einer Sendung laufen, lassen sich herausfiltern und zum Beispiel mit einem Musik-Online-Shop verknüpfen. Wird in einer Nachrichtensendung ein Land erwähnt, findet sich in der Lunar-Zeitleiste unter anderem die Verknüpfung mit einer Karte des Landes. Die cloud-basierte Lunar-Technologie kann auch Twitter-Kommentare zu einer TV-Sendung mit einbeziehen.

Laut Cisco sind für die Nutzung der Metadaten zahlreiche Szenarien und App-Nutzungen denkbar. Für Zuschauer wird das Fernsehen der nächsten Generation damit umfassender, dank Nutzung von "Second Screens" wie Tablets und Smartphones können sie parallel zur laufenden Sendung auf umfangreiche Zusatzinformationen zugreifen.

(Jörg Schamberg)

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