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Chinesischer Internet-Riese Alibaba könnte Facebook-Börsengang noch übertreffen

Der chinesische Internetkonzern Alibaba plant einen Mega-Börsengang. In einem ersten Schritt will das Unternehmen von Gründer Jack Ma rund 16,3 Milliarden Euro einsammeln. Damit würden die Chinesen den Börsengang von Facebook übertrumpfen.

07.09.2014, 14:01 Uhr (Quelle: DPA)
Facebook © Facebook

An den Finanzmärkten dürfte es das "nächste große Ding" werden und selbst Facebook in den Schatten stellen: der Börsengang des chinesischen Internetkonzerns Alibaba. Die Führungsriege um Unternehmensgründer Jack Ma will bei Investoren in einem ersten Schritt bis zu 21,1 Milliarden US-Dollar (16,3 Milliarden Euro) einsammeln. Mit diesem märchenhaften Emissionserlös könnten die Chinesen selbst Facebook-Gründer Mark Zuckerberg übertrumpfen, der 2012 rund 16 Milliarden Dollar einnahm.

Alibaba vor eBay und Amazon

Ausgemachte Sache ist der Erfolg für Experten aber noch nicht, sie sehen Alibabas Weg an die Wall Street als Prüfstein für den von politischen Krisen gebeutelten Aktienmarkt insgesamt: "Der Börsengang ist auf jeden Fall ein Gradmesser für die derzeitige Marktstimmung", sagt Händler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner.

Was die Hoffnungen der Anleger nach oben schnellen lässt, ist die Aussicht, an gleich zwei potenziellen Megatrends dieses Jahrzehnts teilhaben zu können: dem Aufstieg der kaufkräftigen chinesischen Mittelklasse und dem Siegeszug des Online-Handels.

Denn wenn die Chinesen Güter des täglichen Bedarfs oder Markenwaren über das Internet bestellen, nutzen sie zumeist Alibabas Auktionshaus Taobao oder dessen Online-Kaufhaus Tmall. Gemessen am Handelsvolumen haben Alibabas Plattformen inzwischen die hierzulande bekannten US-Firmen eBay und Amazon weit hinter sich gelassen.

Harter Wettbewerb in China mit Baidu und Tencent

Analysten zufolge könnte deshalb die größte Gefahr für das Geschäftsmodell von Alibaba aus China selber erwachsen: So liefere sich Alibaba mit dem Suchmaschinenbetreiber Baidu und dem Internet-Unternehmen Tencent einen erbitterten Wettbewerb in allen Online-Marktsegmenten, gibt Experte Jost Wübbeke vom Mercator Institute for China Studies zu bedenken.

Die drei Unternehmen strebten den Aufbau kompletter digitaler Systeme an, die eine beträchtliche Bandbreite von Dienstleistungen aus einer Hand anbieten. Alibabas internationaler Börsengang werde diese Konkurrenz weiter intensivieren.

Laut Wübbeke versuchen die drei großen Spieler derzeit ihre Felder gegeneinander abzustecken und in neue Geschäftssparten vorzustoßen. Alibaba ist bereits frühzeitig aktiv geworden: Die Chinesen kauften einen Internetbrowser sowie einen Anbieter von Kleinstkrediten. Sie sind an einem Kurzmitteilungsdienst, einem Postdienstleister und sogar an einem Fußballklub beteiligt.

Doch das rasante Expansionstempo kann bei den umworbenen Anlegern die Frage aufwerfen, ob Alibaba den Überblick zu verlieren droht. So gab es bereits Unregelmäßigkeiten bei der Rechnungslegung der Filmproduktionstochter Alibaba Pictures.

Holpriger Gang an die Börse in New York?

Analyst Carlos Kirjner von Bernstein Research pocht deshalb darauf, dass Alibaba während der wohl Anfang September startenden Werbetour bei potenziellen Investoren detailliert darlegt, wie sich das Unternehmen eigentlich selber definiert und wo es welche Geldquellen mit den Erlösen aus dem Börsengang erschließen will.

Kirjner selbst glaubt, dass Alibabas Ambitionen weit über den elektronischen Handel hinausgehen und bis zum breit angelegten Einstieg in das Werbe- oder Mediengeschäft reichen können. Laut Wübbeke tobt derzeit ein besonders heftiger Kampf um Apps, die Online- und Offline-Aktivitäten miteinander verbinden. Dabei gehe es um die Bestellung von Taxis per Smartphone oder die Restaurantsuche.

Bei Alibaba steht diesen langfristigen Trends die Gefahr gegenüber, dass der Gang an die New Yorker Börse zunächst holprig verlaufen könnte. Denn laut Händler Markus Huber vom Broker Peregrine & Black fürchten viele Anleger, dass wieder einmal nur die Banken, die den Börsengang begleiten, zu den wirklichen Gewinnern zählen könnten.

Händler skeptisch: Alibaba ist kein Schnäppchen

Deshalb werde der Ausgabepreis über den kurzfristigen Erfolg des Börsengangs entscheiden. Sollte der Preis zu hoch ausfallen, wäre es nicht überraschend, wenn Anleger schnell Kasse machten und die übrig gebliebenen Aktionäre in den ersten Wochen nach dem IPO einen ähnlichen Kurssturz wie bei Facebook verkraften müssten.

Auch Händler Andreas Lipkow ist erst einmal skeptisch: "Alibaba ist derzeit kein Schnäppchen". Doch für weitsichtige Investoren mit Nerven böten die Aktien der Chinesen auf jeden Fall Chancen.

(Jörg Schamberg)

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