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China: Online-Universum für 150 Millionen Avatare

Ausgerechnet das kommunistische China plant jetzt eine Mega Online-Shopping Welt für mehr als 150 Millionen Avatare, die alles bisher dagewesene übertreffen und Second Life zum Cyber-Dorf degradieren soll.

06.11.2007, 10:47 Uhr
Internet© rajareddy / Fotolia.com

China, in den letzten Jahren trotz kommunistischer Ideologie ein aufstrebendes Land mit boomender Wirschaft, hat nach einem Bericht der Tageszeitung "Guardian" große Pläne für eine "Revolution" im Netz. In Kooperation mit dem schwedischen Unternehmen MindArk plant China das weltweit bekannte Cyber-Universum Second Life bei weitem in den Schatten zu stellen.
Sieben Millionen Avatare gleichzeitig online
Das neue Cyber-Reich soll mehr als 150 Millionen Avatare beherbergen können, sieben Millionen der Onlinebürger können gleichzeitig online sein. Zum Vergleich: In Second Life, dem bisherigen Marktführer der Avatar-Welten, können nur 50.000 Nutzer parallel die virtuelle Welt erkunden. Im boomenden Beijing Cyber Recreation District am Rande Pekings, vergleichbar mit dem kalifornischen Silicon Valley, soll die Infrastruktur für die geplanten virtuellen Welten errichtet werden.
Virtuelle Shopping-Welt für Käufer aus Europa
Aufgeteilt in neun virtuelle Universen richtet sich das riesige Portal aber nicht nur an Spieler. Das ganze Projekt hat knallharte, wirtschaftliche Hintergründe und könnte durchaus merklichen Einfluß auf die Wirtschaft in Europa und Amerika haben. Denn die chinesischen Planer möchten durch das neue Onlineangebot nicht nur Millionen chinesischer Internetuser erreichen, sondern gezielt auch Online-Shopper in Europa und Übersee ansprechen. Der gesamte Zwischenhandel könnte übergangen werden und europäische Käufer direkt angesprochen werden. Die Käufer aus Europa würden dadurch die chinesischen Produkte, die ohnehin schon zu Dumpingpreisen auf den europäischen Markt drängen, noch einmal günstiger bestellen können.
Internationale Kooperationspartner gesucht
Auf einer Konferenz im Dezember will China möglichen internationalen Partnern das Projekt vorstellen und diese zur Errichtung einer virtuellen Präsenz im chinesischen Second Life auffordern. Laut Experten könnte das Projekt der wichtigste Online-Marktplatz der Welt werden. Der chinesische Internetexperte Robert Lai verglich die geplante Welt sogar mit der industriellen Revolution, nur, dass die chinesische Version "schneller und größer und eher einer Explosion gleichen" werde.

(Jörg Schamberg)

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