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Chicago: Vom Puff ins Netz

Im Kampf gegen die Prostitution lässt die Polizei von Chicago die Tradition des Prangers mit den Mitteln moderner Technik wiederaufleben.

25.06.2005, 14:04 Uhr
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Im Kampf gegen die Prostitution lässt die Polizei von Chicago die Tradition des Prangers mit den Mitteln moderner Technik wiederaufleben. Männer, die auf Freiersfüßen von der Polizei ertappt und festgenommen wurden, werden auf einer frei zugänglichen Liste im Internet aufgeführt - mitsamt Foto, Name und Adresse.
Nachfrage senken
In den ersten beiden Tagen der Aktion wurde die Webseite fast 90.000 Mal angeklickt - ein großer Erfolg, wie Polizeisprecher Robert Cargie sagte. Der Chicagoer Bürgermeister Richard Daley sagte, mit der Aktion solle die Nachfrage nach Prostitution gesenkt werden.
In der öffentlichen Bloßstellung der Freier sieht die Polizei ein besonders wirksames Mittel gegen die Prostitution: "Das beste, was man tun kann, ist, die Freier da zu treffen, wo es wirklich zählt: daheim. Es ist eine Abschreckungsstrategie", sagte Cargie. Die Fotos sollen 30 Tage im Netz bleiben - auch dann, wenn die Schuld des Verdächtigen noch gar nicht erwiesen ist. Das Recht auf Schutz der Persönlichkeit sieht die Polizei nicht verletzt. Schließlich seien Akten über Festnahmen öffentliche Dokumente.
Geldtrafen und Beschlagnahmungen
Der Bürgermeister von Chicago, Richard Daley, sagte, die Aktion solle vor allem den Prostituierten zugute kommen: "Sie haben ein schreckliches Leben, und eine verantwortliche Gesellschaft muss ihnen helfen, ihr Leben zu ändern, und junge Frauen davon abhalten, in die Prostitution zu gelangen." Dies solle geschehen, indem die Nachfrage nach Prostitution gesenkt wird. Bislang wurde der Gang zur Prostituierten in Chicago unter anderem mit Geldstrafen und mit Beschlagnahme des Autos geahndet. Im vergangenen Jahr nahm die Polizei der Großstadt 950 Freier fest und beschlagnahmte 862 Autos.

(Michael Müller)

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