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Chaos Computer Club sieht Bundestag nach Hackerattacke in der Pflicht

An diesem Donnerstag wird das Computersystem des Bundestages für mehrere Tage abgeschaltet und komplett überarbeitet. Ursache war ein im Frühjahr bekanntgewordener Hackerangriff. Der Chaos Computer Club fordert eine bessere IT-Schulung der Abgeordneten.

20.08.2015, 09:25 Uhr (Quelle: DPA)
Berlin© elxeneize / Fotolia.com

Nach dem Hackerangriff auf den Bundestag ist es nach Ansicht einer Expertin des Chaos Computer Clubs nicht mit der bloßen Überarbeitung des Computersystems getan. Die Bundestagsverwaltung müsse auch dafür sorgen, dass die Software auf dem neuesten Stand bleibe, sagte Sprecherin Constanze Kurz der Deutschen Presse-Agentur. Zudem müsse sie die Abgeordneten über mögliche Gefahren informieren. "Der Nutzer ist immer ein Risiko."

Computersystem des Bundestages wird überarbeitet

Der Bundestag will sein Computersystem mehrere Tage überarbeiten, am Donnerstagabend sollten die Rechner deswegen vorübergehend abgeschaltet werden. Mitte Mai war bekanntgeworden, dass unbekannte Hacker einen Trojaner eingeschleust und Daten abgezweigt hatten.

"Man muss davon ausgehen, dass der Bundestag für Monate ein offenes Buch für die Angreifer war", sagte Kurz. Das sei aus ihrer Sicht peinlich für das deutsche Parlament. Die Bundestagsverwaltung müsse nun dafür sorgen, Sicherheitslücken zu schließen. "Das wird nicht einfach werden." Zudem müssten die Parlamentarier gut informiert werden, auf was sie in Zukunft zu achten hätten.

Ursprünglich sollten die Rechner vergangene Woche abgeschaltet werden. Die Arbeiten wurden aber wegen der Sondersitzung zum neuen Griechenland-Hilfsprogramm verlegt. Das IT-System soll  voraussichtlich im Laufe des Montags wieder einsatzfähig sein. Solange können die Abgeordneten nicht auf das Computersystem und ihre Bundestags-E-Mails zugreifen. "Das ist ein einmaliger Vorgang, dass man den Bundestag offline nimmt", sagte Kurz.

Lammert: Abgeordnete sollen Passwörter ändern

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat die Abgeordneten vor der für Donnerstagabend geplanten Abschaltung des Computersystems eindringlich ermahnt, sich rechtzeitig mit der Wiederanmeldung vertraut zu machen. Er wolle verzweifelte Anrufe von Kollegen vermeiden, "sie hätten gehört, ab Montag wäre das System wieder verfügbar - sie kämen nur nicht rein". Nach einem schweren Hackerangriff soll das IT-System des Bundestags abgeschaltet und im Laufe des Wochenendes komplett überarbeitet werden.

Unmittelbar vor der Griechenland-Abstimmung erläuterte Lammert am Mittwoch ausführlich im Plenum, dass man bei der Wiederanmeldung am kommenden Montag sein Passwort ändern müsse. Bei PCs werde man über die Anmeldemaske durch das "Passwortänderungsverfahren" geführt. Für das kompliziertere Verfahren bei Smartphones und Tablets gebe es eine Anleitung im Intranet, die man im Zweifelsfall rechtzeitig ausdrucken möge. Dies sei weder ein ungewöhnliches noch ein aufwendiges Verfahren - "aber es ist ein unverzichtbares Verfahren, wenn man im System arbeiten will".

(Jörg Schamberg)

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