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CES: IT-Branche zwischen High-Tech-Träumen und Billig-Alltag

Die Welt der Technik-Nutzer ist gespalten, wie die CES 2014 zeigt: Die einen entdecken erst das Internet, werden künftig aber für einen wachsenden Teil des Geschäfts sorgen. Für die anderen, die schon mit Smartphone und Tablet ausgestattet sind, wird der Alltag immer vernetzter.

07.01.2014, 08:30 Uhr (Quelle: DPA)
Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Auf der diesjährigen Elektronik-Messe CES in Las Vegas wird der Spagat deutlich, den die Branche bewältigen muss. Zum einen ist der Traum vom vernetzten Alltag mit Dutzenden intelligenten Geräten zum Greifen nahe. Zugleich aber kommt das Wachstum des Geschäfts vor allem aus Ländern wie China oder Indien, wo meist einfache und günstige Smartphones und Tablets gefragt sind.

Vernetztes Leben schon möglich, Standards fehlen

Bei der CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas steht eher der Parade-Teil des High-Tech-Geschäfts im Vordergrund. In dieser vernetzten Welt kann man zum Beispiel per App die Garagentür öffnen, sich vom Auto die Wegbeschreibung vorlesen lassen und beruhigt wissen, dass der Wagen dank eingebauter Sensoren gegenlenken würde, falls man in den Gegenverkehr steuert. Auf dem Rückweg registriert das mit dem Internet verbundene Thermostat, dass das Handy des Bewohners sich nähert. Automatisch dreht es die Heizung hoch.

Diese Vision des vernetzten Lebens ist schon jetzt möglich. Die einzelnen Bestandteile gibt es bereits. Sie greifen allerdings noch nicht reibungslos ineinander: Es gibt keine gemeinsamen Standards, nach denen Hausgeräte miteinander kommunizieren. Smartphone-Primus Samsung will auch hier eine Vorreiterrolle einnehmen. Der südkoreanische Hersteller kündigte zur CES eine eigene Plattform für vernetzte Haustechnik an.

Kleine tragbare Geräte im Trend

Die Technologie rückt ihren Nutzern buchstäblich auf die Pelle: Kleine tragbare Geräte messen Kalorienverbrauch und Schlafrhythmus und geben es an die Smartphones weiter. Der Markt für solche Geräte, die sogenannten "Wearables", werde explodieren, sagt Shawn DuBravac, Chefökonom des Messeveranstalters CEA. Und das, obwohl teilweise noch nicht ganz klar sei, wofür die Geräte eigentlich nützlich sind. "Wir schauen noch, wohin sich der Markt entwickelt, je nach den Nutzungsszenarien."

Bei dieser Vermessung des Alltags fallen immer mehr Daten an. Schon jetzt wissen App-Entwickler und Handy-Hersteller eine ganze Menge über ihre Nutzer. Mit dem Internet verbundene Fernseher oder Thermostate würden noch viel mehr Daten liefern. Sorgen darüber wischt DuBravac vom Tisch. "Wir erlauben diesen Geräten, Dinge für uns zu regeln", sagt er. Das sei doch praktisch. Je mehr Daten vorhanden seien, desto bessere Vorschläge könnten die Dienste und Geräte ihren Nutzern machen, meint er.

Massenmarkt fordert günstige Technik

Ein Beispiel: Die Online-Videothek Netflix schlägt den Kunden derzeit neue Filme auf Basis ihrer bisherigen Auswahl und des Geschmacks ähnlicher Nutzer vor. Was wäre aber, wenn Netflix auch die Daten eines Fitness-Armbands, das Wetter oder die Zahl der Menschen im Raum berücksichtigen würde? Denn es spiele doch auch eine wichtige Rolle für die Filmauswahl, ob man gestresst oder entspannt sei, es draußen kalt oder warm sei, und ob man den Abend allein zu Hause verbringe oder Freunde zu Besuch habe, betont DuBravac.

Doch das sind alles Sorgen für Nutzer in entwickelten Märkten wie die USA oder Westeuropa. Den Großteil ihrer Geräte wie Smartphones oder Tablet-Computer wird die Branche aber in Länder wie China, Brasilien oder Indien liefern. Dort zählt im Massenmarkt vor allem, dass die Technik günstig ist. Das drückt auf die Erlöse der Hersteller. Die großen Konzerne müssen mit einheimischen Anbietern konkurrieren, die einen gnadenlosen Preiskampf entfesseln. Einige von ihnen sehen die neuen vernetzten Dienste auch als Chance, die gesättigten Märkte im Westen wieder neu anzukurbeln.

(Jörg Schamberg)

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