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CCC warnt vor biometrischer Vollerfassung

Der Chaos Computer Club (CCC) spricht sich gegen die Speicherung von Gesichtsbildern und Fingerabdrücken in einer zentralen Datenbank aus. Dies hatte der Bundesrat am vergangenen Freitag gefordert.

21.02.2007, 14:37 Uhr
Internet© Victoria / Fotolia.com

Ginge es nach dem Bundesrat, würden die Gesichtsbilder und Fingerabdrücke aus biometrischen Ausweisdokumenten für immer gespeichert. Außerdem befürwortet das Verfassungsorgan, die gespeicherten Daten der Bevölkerung automatisiert mit Fahndungsdatenbanken abzugleichen. Der Chaos Computer Club (CCC) sieht darin ein großes Risiko für die Sicherheit dieser sensiblen Daten und kritisiert die deutlich einfacheren Zugriffsmöglichkeiten für Datenverbrecher.
Für immer erfasst
Nach Auffassung des Bundesrats sollten Polizei und Ordnungsamt ohne weiteres auf die Daten zugreifen können, unter anderem bei Ordnungswidrigkeiten. Das bedeute, "dass jedem Bürger beispielsweise bei Geschwindigkeitskontrollen wie einem Schwerverbrecher Fingerabdrücke abgenommen werden". Die Abdrücke könnten dann auch mit der so genannten AFIS-Datenbank (automatisches Fingerabdruck-Identifizierungssystem) abgeglichen werden, die EU-weit mehrere Millionen Fingerabdrücke gespeichert hat. Der Bundesrat forderte zudem, auf das Löschen der sensiblen biometrischen Daten zu verzichten. Einmal erfasste Bürger seien so für immer gespeichert.
Unschuldig zum Verbrecher
Der CCC sieht die Gefahr, dass aufgrund der automatisierten Abfragen "mit sehr vielen fälschlich als Verbrecher identifizierten Unschuldigen" zu rechnen sei. Dies begründet der Verein damit, dass ein Großteil der Bevölkerung keine ausgeprägten Fingerabdrücke besitze, was zu Fehlidentifizierungen führen könnte. Dies sei auch durch vom Bundesinnenministerium in Auftrag gegebene Studien belegt.
Der Verein hält auch die Begründung für die angebliche Unverzichtbarkeit des Datenabgleichs für dreist: Es werde angenommen, dass dadurch "Falschinformationen enthaltende Dokumente" auffindbar würden. Der CCC meint dazu: "Offenbar ist den Sicherheitshysterikern und Datensammlern dabei entgangen, dass die passive Authentifikation des RFID-Chips die Veränderung der Passdaten unmöglich macht."
Feldversuch?
Der Hackerverein bezeichnet das ganze Vorhaben als "leichtfertigen Feldtest an der lebenden Bevölkerung", da ein massiver Datenabgleich gegen eine biometrische Datenbank in dieser Dimension noch nie getestet worden sei.

(Saskia Brintrup)

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