Security

CCC: Kommunikation ohne Verschlüsselung gehört verboten

Nach den Anschlägen von Paris fordern Sicherheitspolitiker den Zugriff des Staates auf jede verschlüsselte Kommunikation. Der Chaos Computer Club (CCC) konterkariert diese Forderung mit einer eigenen: Unverschlüsselte Kommunikation gehöre ihrerseits verboten. Eine Polemik mit einem argumentativem Kern.

22.01.2015, 13:12 Uhr
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Nach den Anschlägen von Paris fordern Sicherheitspolitiker den Zugriff des Staates auf jede verschlüsselte Kommunikation. Der Chaos Computer Club (CCC) konterkariert diese Forderung mit einer eigenen: Unverschlüsselte Kommunikation gehöre ihrerseits verboten. Eine Polemik mit einem argumentativem Kern.

Mangelnde Verschlüsselung gefährde Sicherheit

Jedes Bit und jedes Byte, das von Providern transportiert und von Banken oder dem Finanzamt verarbeitet werde, müsse verschlüsselt sein. Wer Daten seiner Kunden unverschlüsselt übertrage, archiviere und damit deren Sicherheit gefährde, müsse mit empfindlichen Strafen belegt werden. Und das nicht erst, wenn der Mißbrauch der Daten zufällig bekannt geworden sei.

Die Regierung solle sämtliche Pläne zur Totalüberwachung des Internets über Bord werfen und sich den eigentlichen Problemen dieser Thematik widmen: der Ahnungslosigkeit in den eigenen Reihen.

Zurück auf das Niveau von Windows 3.1?

Der CCC fordert, in den Bau offener, sicherer Systeme und in eine bessere technische Ausbildung zu investieren, statt Millionen in die Militarisierung der Netze und die digitale Aufrüstung gegen die eigene Bevölkerung zu stecken.

Politiker hätten sich für ein faktisches Verbot effektiver Kryptographie ausgesprochen, da die technischen Einschränkungen der Möglichkeiten von Ermittlern und Hackern im Staatsdienst zu blanker Angst geführt hätten. Ein solches Verbot der Verschlüsselung würde aber das Rad der technischen Evolution auf das Niveau von Windows 3.1 zurückdrehen.

Verschlüsselung lasse sich nicht unterbinden

Das Hinterlegen des geheimen Schlüssels an zentraler Stelle (Key-Escrow) berge aber nicht nur die Gefahr des Missbrauchs durch die "Bedarfsträger", es werde auch ein Angriffsziel geschaffen, auf das es Geheimdienste oder Kriminelle absehen könnten. Hintertüren einzubauen sei kontraproduktiv.

Der CCC gibt außerdem zu bedenken, dass technisch mehr oder weniger versierte Menschen jederzeit in der Lage seien, verschlüsselt zu kommunizieren und dies sogar zu verheimlichen. Daher werde eine Regulierung der Verschlüsselung ins Leere laufen.

Der britische Premierminister David Cameron hatte angekündigt, Apps mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verbieten zu lassen, sofern sie den staatlichen Behörden keine Hintertür zur Verfügung stellen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte Ähnliches verlauten lassen.

(Peter Giesecke)

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