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Carlos Slim im Portrait - Der reichste Mann der Welt

Laut dem US-Magazin "Forbes" ist nicht mehr Bill Gates, sondern Carlos Slim der reichste Mensch der Welt. Erfolgreich ist er unter anderem im Telekommunikationsgeschäft. Doch er 70-Jährige hat noch viel mehr geleistet.

11.03.2010, 11:42 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Gina Sanders / Fotolia.com

Krisen sind seine große Spezialität. Dann wächst der mexikanische Unternehmer Carlos Slim über sich hinaus. Wenn andere in Schockstarre verharren, legt Slim erst los: In den 80er Jahren, als Mexiko von einer Krise in die nächste taumelte und niemand Geld hatte, startete Slim einen Großeinkauf nach dem anderen. Er investierte etwa in Unternehmen wie Reynolds Aluminium, in Mexikos traditionelle Restaurantkette Sanborns, den Reifenhersteller General Tire und kaufte den Versicherer Seguros de Mexico.

Reichster Mann der Welt

Auch die derzeitige Finanzkrise konnte ihm nichts anhaben. Der 70- Jährige ist der reichste Mann der Welt, rechnete das US-Magazin "Forbes" aus. Sein Vermögen wird auf 53,5 Milliarden Dollar geschätzt. Damit verwies Slim Microsoft-Mogul Bill Gates und den Investmentkünstler Warren Buffet auf die Plätze.

Der entscheidende Schachzug gelang Slim bei der Privatisierung der staatlichen mexikanischen Telefongesellschaft Telmex. Er zahlte für das Unternehmen rund 1,8 Milliarden Dollar an den Staat. Nach der Meinung von Experten war Telmex ein Vielfaches mehr wert. Aus einem staatlichen wurde ein privates Monopol, dem auch die Öffnung des mexikanischen Telefonmarktes 1997 nichts viel anhaben konnte.

Doch trotz aller Kritik: Nie konnten Unregelmäßigkeiten oder Verstöße beim Kauf nachgewiesen werden. "Wenn Slim sich mit Kriegsbemalung versieht, dann setzt er aufs Ganze und gelangt ans Ziel", schrieb der Journalist José Martínez in einer Biografie über den Magnaten.

Mexikanische Schlüsselfigur

"Slim ist eine Legende, ein mythischer Mensch, über den man viel spricht aber nicht viel weiß, der aber im Geschäftsleben und in der Politik sehr präsent ist", schrieb Martínez in dem vor zehn Jahren erschienenen Buch. "Er symbolisiert wahre Macht und ist eine Schlüsselfigur in Mexiko."

Egal ob man in Mexiko telefoniert, Geld abhebt, ein Hotel bucht, Essen geht oder sich ein Brot kauft - meist profitiert davon ein Mann: Carlos Slim Hélu. Mit 25 Jahren gründete er die Investmentfirma Inbursa. Er schuf das Immobilienunternehmen Carso und heiratete die ebenfalls in Mexiko geborene Libanesin Soumaya Domit Gemayel.

Lesen Sie auf Seite 2: Wo Carlos Slim überall seine Finger im Spiel hat.

Seitdem hat er mehr Unternehmen gekauft als normale Menschen Hemden. Zu dem Imperium des 70-Jährigen gehören die mexikanischen Telefonunternehmen Telmex und Telcel, Banken, Hotels, Bauunternehmen, Bergbaufirmen, Restaurantketten, Bäckereien, und Kaufhäuser. Im vergangenen Jahr unterstützte er außerdem die renommierte "New York Times" mit einen Kredit von 250 Millionen Dollar und bewahrte sie so vor dem Aus. Er ist ihr größter Anteilseigner.

Erfolgsgeheimnis: Eiskalte Berechnung

Mit seinen Unternehmenskonglomeraten und üppigen Spenden an fast alle politischen Parteien ist Slim zum einflussreichsten Mann in Mexiko und wohl auch in Lateinamerika geworden. Weit über 250.000 Menschen sind in seinen Firmen beschäftigt. Er stellte sich mit den unterschiedlichen politischen Parteien gut, finanzierte etwa den Wahlkampf des Präsidenten Vicente Fox (im Amt von 2000 bis 2006) und soll auch Hillary Clinton unter die Arme gegriffen haben.

Slims Vater war ein libanesischer Einwanderer. Julian Slim Haddad wurde im Alter von 14 Jahren nach Mexiko geschickt, um nicht in der Armee des Osmanischen Reiches, zu dem der Libanon damals gehörte, dienen zu müssen. Er machte in den Jahren der mexikanischen Revolution (1910-1920) sein Glück mit Immobilien und baute in Mexiko-Stadt eine wichtige Handelsfirma auf. Von ihm hat der 1940 geborene Carlos wohl die Geschäftstüchtigkeit geerbt. Seine vom Vater übernommenen Grundsätze lauten: "Hingabe, Talent und Fleiß". Dazu kommt aber wohl auch eiskalte Berechnung.

Dies bekam auch die aus Deutschland stammende Unternehmer-Familie Lenz zu spüren. Sie hatte in Mexiko die größten Papierfabriken Lateinamerikas aufgebaut. Doch als die Geschäfte wegen der Krise Anfang der 1980er Jahre schlecht gingen, schlug Slim zu. Er erwarb das Großunternehmen der Deutschen. Auf dem Gelände der stillgelegten Papierfabrik Peña Pobre im Süden der mexikanischen Hauptstadt zog er die Zentrale seines Imperiums Carso hoch.

Soziales Engagement

Carlos Slim engagiert sich für Projekte gegen die Armut in Lateinamerika, finanziert mehrere Stiftungen und seit mehreren Jahren auch die Wiederherstellung des historischen Zentrums von Mexiko- Stadt, der größten Altstadt in ganz Amerika. "Die Herausforderung meines Lebens ist es, die Bedingungen der Gesundheit, der Erziehung und der Bildung zu verbessern. Und Arbeitsplätze zu schaffen", sagt Slim.

"Wie fühlt sich der reichste Mensch der Welt in einem Land mit 50 Millionen Armen", wurde Slim vor drei Jahren bei einer seiner seltenen Pressekonferenzen in Mexiko-Stadt gefragt. Seine Antwort: "Wenn ich sterbe, werde ich nichts mitnehmen."

(Hayo Lücke)

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