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Callando kündigt knapp 200 DSL-Kunden

Die Callando Internet GmbH ist bekannt für günstige DSL-Tarife. Doch vor allem solche kleineren Unternehmen müssen knallhart kalkulieren, um im Wettbewerb mithalten zu können. Knapp 200 Callando-Kunden wurde nun gekündigt.

Rechnung© WavebreakMediaMicro / Fotolia.com

Flatrates sind nicht selten knapp kalkuliert. Besonders kleinere Unternehmen haben es oft schwer, mit den großen Providern mitzuhalten. Sie verfügen über weniger Kunden, sind nicht so bekannt und müssen sich über den Preis behaupten. Ein Unternehmen, das in den vergangenen Jahren oft mit auffallend günstigen Preisen lockte, ist die Callando Internet GmbH. Da gab es etwa den kostenlosen DSL-Tarif callandoDSL Komplett, bei dem Kunden erst ab einem Gigabyte Traffic zahlen mussten. Derzeit wirbt das Unternehmen unter anderem mit einem ADSL2(+)-Anschluss mit bis zu 16 Megabit pro Sekunde Downloadgeschwindigkeit plus Flatrate für monatlich 22,94 Euro. Doch bei solchen Kampfpreisen rentieren sich manche Kunden für das Unternehmen nicht. Einer dieser Kunden ist Marc Schmitz *.

Kündigung ohne Vorwarnung

Als Schmitz vor einigen Tagen seinen Briefkasten öffnete, fand er darin Post von seinem DSL-Provider, der ihm seinen DSL-Internetzugang mit einer Frist von vier Wochen kündigte. Einen Grund nannte Callando zunächst nicht. "Ab dem 5. Juli 2007 wird Ihr Internetzugang deaktiviert und Sie können Ihren DSL-Internetzugang nicht mehr nutzen", heißt es in dem Schreiben. Bei Rückfragen wurde auf eine teure Service-Hotline verwiesen oder an den E-Mail-Support.

Schmitz nutzt seit mehr als anderthalb Jahren den DSL-Tarif callando.DSL Flat unlimited für knapp zehn Euro im Monat. Als er nochmals per E-Mail nachfragte, teilte ihm Callando als Kündigungsgrund mit, dass sein Traffic zu hoch sei. "Ihr Vertrag wurde aufgrund einer zu hohen Netzbelastung (Volumen) Ihrerseits gekündigt. Weitere Informationen zu unseren DSL-Produkten finden Sie unter www.callandoDSL.de", so die knappe Antwort.

Begrenzte Flatrate

Schmitz kann die Kündigung nicht nachvollziehen. "Mein Traffic war von Anfang an relativ konstant", sagt Schmitz. Er könne ihn nur schätzen auf rund 25 bis 30 Gigabyte pro Monat. "Weil ich das nie genau verfolgt habe, es war ja schließlich eine Flatrate". Doch eine Flatrate hält nicht immer das, was der Name verspricht. Unbegrenztes Surfen oder Telefonieren und dafür eine möglichst geringe monatliche Grundgebühr zahlen, funktioniert oft nicht so, wie in der Werbung suggeriert wird. Callando ist nicht das einzige Unternehmen, das Kunden kündigt, wenn sie ihnen zu teuer werden. Auch einige der großen Anbieter, wie 1&1 oder Arcor, gerieten in der Vergangenheit aufgrund von ähnlichen Abmahnungen oder Kündigungen in die Schlagzeilen.

Der Grund: Wenn der Kunde - im Grunde zu Recht - die "Flatrate" beim Wort nimmt, seine Leitung in die Knie zwingt und Traffic im dreistelligen Gigabyte-Bereich verursacht, wird es eng für die Kalkulation des Providers. Denn der muss den Traffic Gigabyte für Gigabyte bei seinem Carrier abrechnen. Die Kosten hängen dabei von der eingekauften Vorleistung ab.

Tarife "optimiert"

Die Callando Internet GmbH streitet nicht ab, dass einigen Kunden gekündigt wurde. "Wir haben im Mai unsere Tarife optimiert und unsere Produkte an die aktuelle Marktsituation angepasst", sagt Callando-Sprecher Marcus West. In diesem Zusammenhang seien Kunden auf andere Tarife umgestellt und 189 DSL-Kunden von insgesamt 45.000 sei gekündigt worden. "Das hängt aber nicht alleine mit dem Traffic zusammen, den ein Kunde verursachen", betont West.

Das Unternehmen habe einige Kunden, die mit ihrer Flatrate 6.000 bis 7.000 Internetverbindungen im Monat aufbauen würden. Das sei für das Unternehmen nicht profitabel und für ihn persönlich auch nicht nachvollziehbar. "Eigentlich gehen wir davon aus, dass der Kunde mit seiner Flatrate im Idealfall 24 Stunden online ist", sagt West. Einmal am Tag erfolge dann die übliche Zwangstrennung. Zudem haben wir einige Kunden, die im Schnitt fünf bis sechs Mal im Monat unsere kostenfreie Hotline kontaktieren. "Eigentlich ist die kostenlose Hotline nur für Neukunden, aber wir helfen diesen Anrufern trotzdem gerne weiter", sagt West. Nur seien das alles Kosten, die das Unternehmen mit einkalkulieren müsse. Dass Bestandskunden nicht gerne auf der eigentlich für sie vorgesehen kostenpflichtigen Service-Hotline anrufen ist mehr als nachvollziehbar. So kostet der Anruf aus dem Festnetz doch bis zu 1,99 Euro pro Minute. Ein teurer Spaß.

Nicht alle Kunden profitabel

"Wir haben nichts gegen Power-Nutzer, die viel Traffic im Monat verursachen", betont West. Bei Callando werde niemand gekündigt, der 100 bis 150 Gigabyte Daten monatlich über die Leitung jage. Dass es aber Grenzen gibt, streitet das Unternehmen nicht ab. "Einige unserer Kunden verursachen bis zu 700 Gigabyte Traffic im Monat", sagt West. Gegen die Kündigungen können die betroffenen Kunden oft nichts ausrichten. Callando hat bei Schmitz die in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen vorgeschrieben Frist von vier Wochen eingehalten. Während sich aber zahlreiche Kunden über eine plötzliche Kündigung ärgern, kommt Marc Schmitz das ganz gelegen. "Jetzt hoffe ich nur, dass mein neuer Provider auch unbegrenztes Surfen meint, wenn er das anpreist".

* Name von der Redaktion geändert.

(Denise Bergfeld)

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