Öffentliche WLAN-Hotspots

Bundestag beschließt WLAN-Gesetz: Seitensperre statt Störerhaftung?

Der Bundestag hat grünes Licht für das Aus der sogenannten Störerhaftung bei öffentlichen WLAN-Hotspots gegeben. Hotspot-Betreiber müssen künftig nicht mehr die Identität der Nutzer überprüfen. Seiten können bei Missbrauch aber leichter gesperrt werden.

Jörg Schamberg, 30.06.2017, 17:36 Uhr (Quelle: DPA)
WiFi Hotspot© RTimages / Fotolia.com

Berlin - Betreiber von öffentlichen WLAN-Hotspots müssen künftig keine rechtlichen Unsicherheiten mehr befürchten. Der Bundestag hat dafür am Freitag eine Änderung des Telemediengesetzes beschlossen. Die sogenannte Störerhaftung ist damit weitgehend vom Tisch. Bislang befanden sich Betreiber öffentlicher WLAN-Netze wie Cafés, Restaurants oder Hotels in einer rechtlichen Grauzone. Sie konnten dafür belangt werden, wenn Hotspot-Nutzer etwa urheberrechtlich geschützte Inhalte illegal darüber heruntergeladen haben.

Identität der Hotspot-Nutzer muss nicht mehr überprüft werden

Anbieter müssten ihren Hotspot künftig weder verschlüsseln, noch brauchten sie eine Vorschalt-Seite, sagte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD). Sie müssten auch die Identität ihrer Nutzer nicht überprüfen. "Das ist ein wichtiger Baustein der Digitalen Agenda." Das dritte Gesetz zur Änderung des Telemediengesetzes war über ein Jahr lang hart umstritten.

Bei Missbrauch können Seiten gesperrt werden

Trotzdem bleibe geistiges Eigentum angemessen geschützt, betonte Zypries. Das Gesetz sieht nun vor, dass bei wiederholtem Missbrauch Seiten auf Forderung von Rechteinhabern leichter gesperrt werden können. "Das verhindert, dass eine Rechtsverletzung sich wiederholt."

Sperren als Rechtsunsicherheit für Hotspot-Betreiber?

Mit den Sperren schaffe man allerdings die nächste Hürde für Hotspot-Betreiber, kritisierte etwa der netzpolitische Sprecher der Grünen, Konstantin von Notz. Auch der Verein Digitale Gesellschaft sieht darin weitere Rechtsunsicherheit. Unklar bleibe etwa, welche Gegenmaßnahmen im Einzelnen von einem Anbieter verlangt werden könnten, um Rechtsverstöße zu verhindern, sagte Volker Tripp, politischer Geschäftsführer des Vereins. Dennoch sei die jetzige Regelung "ein Schritt vorwärts und ein wichtiges Signal für die Verbreitung offener Netzzugänge in Deutschland".

Push für kostenlose Hotspots in Deutschland

Das neue WLAN-Gesetz soll vor allem die Verbreitung von kostenlosen Hotspots in Deutschland vorantreiben. Der Deutsche Städtetag begrüßte den Beschluss. Die Menschen in den Städten würden davon profitieren, sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy. "Schnelle, freie WLAN-Hostspots sind nützlich für den Stadttourismus, die städtische Wirtschaftsförderung, den Zugang zu elektronischen Dienstleistungen der Städte und für vieles mehr."

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